OLIVER GEFFKEN
freier Architekt & Lehrer, Berlin.
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Vorab: Haben Sie so wenig Sex wie möglich! Der Spitzenreiter unter unseren Ratschlägen sei an dieser Stelle für die eiligen Leser (hier direkt zum Ruhm) vorweg genommen. Im ersten Teil dieser Reihe haben wir versucht, aus Worten großer Künstler Eigenschaften zu extrahieren, die den Künstlertypus auf den Punkt bringen. Nun ist es aber leider so, dass diese Worte wohl überlegt und formuliert sind und wir davon ausgehen müssen, dass sie eher einer idealistischen Wunschvorstellung als der nackten Wahrheit genügen. Denn poetische Vorstellungen vom Künstler als „Zeiger des Universums“ oder dem „Priester des Ewigen“, der „den Blick auf die subjektiven Landschaften seiner Seele“ wendet, und dessen „Sinnlichkeit bis in die Fingerspitzen“ reicht, der „von seinem Werk besessen, dabei naiv und unbewußt seiner Schöpferkraft anheimgegeben“ ist, entsprechen zugegebenermaßen nicht mehr dem Anspruch und Ausdruck eines zeitgenössisches Nachwuchskünstlers.
Shortcut zu den 50 ultimativen Tipps, wie man als Künstler berühmt wird
• für Rationale & kühl Kalkulierende
• für Eloquente & Extrovertierte
• für Emsige & Tiefgründige
Dan Colen, “Rama Lama” & “Ding Dong”, 2010, Nieten-Lederjacken für das “Sisley Art Project” in dessen Rahmen 18 Jacken von Künstlern bearbeitet, auf der Milan Fashion Week vorgestellt und zugunsten des Andy Warhol Museums versteigert wurden; © Dan Colen, New York; Foto: Sisley
Dennoch seien die Eigenschaften, die dem Künstler mit feinsinnigen und bilderreichen Worten zugeschrieben werden, an dieser Stelle noch einmal wiederholt – um zum Künstler zu werden, braucht der Mensch:
- die Fähigkeit, sich von gängigen Konventionen abzuheben,
- einen gut ausgeprägten Sinn für Schönheit und Ästhetik,
- ein Gespür für moralisches Verhalten,
- eine solide, handwerkliche Ausbildung sowie
- die Fähigkeit zur Konzentration.
Diese Fertigkeiten irgendwann sein eigen zu nennen, ist meistens das Ergebnis eines langen, manchmal schmerzhaften Entwicklungsprozesses, der häufig über viele Umwege führt, deren Tragweiten allerdings oft erst im Nachhinein bewusst werden.
Herkunft, Handwerk & Herz
Im zweiten Teil unserer Reihe haben sich mit der Beschäftigung der wichtigsten zeitgenössischen Künstler aus dem Jahr 2007 einige interessante Befunde gezeigt, die daraufhin deuten, was für eine künstlerische Karriere von Belang sein kann.
Die Herkunft der Künstler betrachtend, hat gezeigt, dass sowohl die USA, vertreten durch Prince, Koons, Baldessari und Nauman als auch Deutschland, mit den Künstlern Genzken, Richter und Tillmans eine einflussreiche Rolle spielen. Welche Bedeutung hat der soziale, politische und ökonomische Rahmen? Die USA, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, der einst Gläser spülenden Stilikonen und Megastars, der Beat-Generation und der Pop-Art mit seiner stark konsumorientierten Gesellschaft haben die Künstler insoweit beeinflusst, als alle dezidiert gesellschafts- und konsumkritisch arbeiten.
Der Warhol’sche Einfluss ist nicht zu leugnen. Besonders bei Prince, Koons und Baldessari werden zu Ikonen aufgestiegene Konsumobjekte des alltäglichen Gebrauchs collagiert, überspitzt und damit konterkariert. Vor allem Jeff Koons und Bruce Nauman setzen auf Verstörung und Konfrontation und stellen die Wahrnehmung des amerikanischen Individuums, geprägt vom hegemonialen und selbstherrlichen Auftreten des „god’s country“, auf eine harte Probe.
Bruce Nauman, “Mean Clown Welcome”, 1985, Leuchtröhren auf Metallpaltte, 182.8 x 208.2 x 33.1 cm; falls nicht anders gekennzeichnet © Bruce Nauman/Artists Rights Society (ARS), New York; Sammlung Udo & Annette Brandhorst, Foto: Rsepulveda/flickr
In Deutschland, einige Jahrhunderte lang nachhaltig von einer prächtigen kulturellen Landschaft in Literatur, Philosophie und Kunst geprägt, interessieren sich Gerhard Richter und Wolfgang Tillmans für die leisen Töne, für die ästhetischen Aspekte der Kunst, hier der Malerei und Fotografie. Bemerkenswert ist auch, dass alle drei Deutschen der Düsseldorfer Kunstakademie verhaftet sind, der Beuys einen wohl auch in Zukunft nicht zu verwischenden Stempel aufgedrückt hat – vor allem Genzken beruft sich mit einem Hang zur Anarchie auf ihn. Der Ort, an dem man aufwächst, der einen mit seiner Atmosphäre umfängt und beeinflusst als auch die Institution, an der man seine Ausbildung erhält, spielen eine wesentliche Rolle.
Neun von zehn der wichtigsten zeitgenössischen Künstler haben ihr Handwerk und ihre Kenntnisse an Hochschulen oder Kunstschulen erworben. Diese Ausbildung öffnet das heilige Tor zur Kunst als gleichermaßen abgeschlossenem als auch Impulse aus anderen Bereichen aufnehmendem Kosmos’ und führt ebenso auch an das Handwerk heran. Das mit verschiedenen Techniken Bekannt- und Vertrautmachen unterstützt die Suche nach dem individuell geeigneten Medium. Denn für die Kunst ganz besonders gilt: „Der Weg ist das Ziel“, und so sind auch die meisten Künstler in kleinen Schritten dem großen Erfolg entgegen getreten. In der jüngeren Vergangenheit haben sich vor allem Installationen und Fotografie durchgesetzt, was nicht bedeutet, dass diese Formen automatisch Erfolg versprechen. Wichtig ist nur, dass diese Ausdrucksform authentisch ist. Authentizität gewinnt man auch mit dem, was man mitzuteilen hat. Diese Botschaft muss aus dem Innersten selbst kommen, um zu überzeugen und andere Menschen aufzurütteln oder zu berühren. Und zuletzt:
Kunst ist Tat!
Der größte künstlerische Täter der Moderne ist sicherlich Pablo Picasso mit geschätzten 37.000 Werken. Auch der Österreicher Gustav Klimt sowie die Franzosen Claude Monet, Zugpferd des Impressionismus, und Edgar Degas als auch Vincent van Gogh haben ein beachtliches Werk hinterlassen. Wie auch bei den zeitgenössischen Künstlern, lässt sich bei den alten Meistern ein Zentrum ausmachen – Paris. Diese Stadt hat nicht nur einen Teil der teuersten Künstler der Welt als Lebensmittelpunkt inspiriert, sie war auch oft Zentrum der Ausstellungen dieser Künstler. Viele dieser zehn teuersten Künstler haben nicht nur durch ihre Kunst, sondern auch durch ihre vielschichtigen Charaktere und ihren Lebensstil Aufmerksamkeit geschaffen und damit den eigenen Mythos befeuert.
© Love Is the Devil, 1998; © Klimt the Movie, 2006; © Surviving Picasso, 1996
Um sich ein Bild einiger dieser Künstler zu machen, seien an dieser Stelle drei Filme empfohlen. Der einzigartige Schauspielkünstler John Malkovich mimt in einem Biopic den Österreicher Klimt im gleichnamigen Film von 2006. Daniel Craig spielt 1998 in „Love is the Devil“ den Liebhaber des Iren Francis Bacon. Anthony Hopkins verkörpert (!) in einem Film von 1996 den sondergleichen Spanier (Originaltitel: „Surviving Picasso“), der vor allem die Persönlichkeit des Jahrhundertgenies in den Fokus nimmt.
Die Auseinandersetzung mit diesen Künstlern zeigt die nicht zu leugnende Schubkraft einer lebendigen, leidenschaftlichen Persönlichkeit als Basis für die Fähigkeit und vor allem auch den Willen, gestalterisch tätig zu sein. Leider ist noch ein weiterer Punkt wesentlich: Vincent van Gogh ist ein Beispiel dafür, wie ein Künstler nach seinem Tod durch einen Kunstkritiker mit geschickten Marketingstrategien stilisiert und auf den Thron der Ewiglichen gehoben werden kann.
Die Konstruktion von Image
Die Soziologen Jörg Rössel und Jens Beckert haben in einer Studie über den Zusammenhang von Kunst und Preisen 2004 ebenfalls festgestellt; dass
„kunstinterne Bewertungen und Aktivitäten … die Reputation und die öffentliche Wahrnehmung eines Künstlers ermöglichen und konstruieren“
und eben dieses Image für die Preisbestimmung von immanenter Bedeutung ist. So könnten einerseits lediglich zwei Regeln für den zukünftig erfolgreichen Künstler lauten:
„Suchen Sie sich einen klugen Galeristen und steigern Sie Ihre öffentliche Wahrnehmung!“
Was einfach klingt, gestaltet sich in der Praxis etwas schwieriger. Der Evaluierungswahn deutscher Universitäten ist leider noch nicht in den Kunstmarkt geschwappt. Und um in einer Social-Media-dominierten Welt noch Gehör zu finden, muss man viele F-R-E-U-N-D-E (s. auch Web 2.0 Suicide Machine) haben. Gemäß der Vielgestaltigkeit der zeitgenössischen Kunst und ihren unterschiedlichen Motiven lässt sich ebenso eine Mannigfaltigkeit von Ideen, die eigene Berühmtheit zu steigern und damit erfolgreich zu werden, präsentieren.
John Baldessari, „Tips for Artists Who Want to Sell“, 1966–1968; falls nicht anders gekennzeichnet © John Baldessari The Broad Art Foundation, Santa Monica; Foto: C-M/flickr
Gemäß der Herangehensweise an die Kunst selbst, kann sich jeder Künstler diejenigen Hinweise und Ratschläge heraussuchen und mit ihnen experimentieren, bis er (oder sie) die richtige Mischung für sich gefunden hat. Die folgenden Ratschläge stammen von Künstlern selber (s.o. „Tips for Artists Who Want to Sell“ von John Baldessari), von renommierten Wochenzeitungen oder Zeitschriften wie der ZEIT, dem ART Magazin, dem Mode- und Kunstmagazin sleek als auch von einem an Kunst interessierten Laien und Schriftsteller.
Für Rationale & kühl Kalkulierende:
Die politische und sozio-ökonomische Annäherung an den Erfolg
Gemäß dem Motto „Wer mit 20 Jahren kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 Jahren noch Kommunist ist, hat keinen Verstand“ (Winston Churchill), lautet die Empfehlung, sich der Demokratie zu verpflichten und diesen politischen Impetus auch in die Kunst fließen zu lassen (beispielsweise durch Streetart), wenn man berühmt geworden ist, sich bis dahin allerdings als Anarchist zu produzieren (beispielsweise durch Streetart). Auf jeden Fall gilt: Seien Sie politisch (Banksy, Staeck, Baumgärtel)!
Banksy benutzt die unverkennbare Bildsprache von Andy Warhol in seinem 2005 entstandenen Porträt von Mode-, Lifestyle- und Partyikone “Kate Moss (Yellow)”
Hinsichtlich der ökonomischen Dimension gibt es zwei wichtige Hinweise: Achten Sie auf ein wohlhabendes Elternhaus (bzw. lassen Sie sich adoptieren oder heiraten Sie mit Bedacht) und verkaufen Sie Ihre Produkte, sofern Sie noch keinen Galeristen haben, zu Schleuderpreisen, weil dies Ihre unwiderlegbare Coolness demonstriert: And … cool sells! Und seien Sie nicht nur cool, sondern auch mit Weitblick bewaffnet: Schützen Sie rechtzeitig Ihr Copyright. Wenn Sie Ihr Geld schon nicht mit dem Verkauf Ihrer Kunst machen können, verklagen Sie eifrige Diebe geistiger Güter. (Achtung: Politiker zu imitieren, bedeutet trotz allerlei anderslautender Unkenrufe nicht, politisch zu sein!).
Für Eloquente & Extrovertierte:
Die psychologische Herangehensweise, um berühmt zu werden
Brainwash yourself: Verdrusseln Sie Ihren Idealismus in den Tiefen Ihres Hirns! Der Kunstmarkt generiert sich fast ausschließlich aus dubiosen Geschäftspraktiken. Sobald Sie diese internalisiert haben, fahren Sie fort: Gehen Sie auf jede Vernissage und drängen Sie jedem als allererstes die Information auf, dass Sie Künstler sind. Versichern Sie Ihrem Monologpartner im zweiten Schritt, dass Sie keine Lust haben, über sich zu reden und reden Sie von nichts (nichts) anderem. Verzichten Sie, wenn Sie männlich sind, niemals auf die Stereotypen der Männlichkeit (dominant! aggressiv! kräftig! unmanierlich! stilwidrig! ungepflegt!) – im Gegenteil: kultivieren Sie sie. Machen Sie, wenn Sie weiblich sind, Ihr Geschlecht ohne Ausnahme und immerfort zum Hauptthema.
Abonnieren Sie EMMA und tragen Sie sie stets gut sichtbar bei sich (im Notfall können Sie sie zusammen gerollt auch als Waffe nutzen). Experimentieren Sie mit Drogen und tun Sie dies schamlos kund (Cocteau, Modigliani, van Gogh, Picasso, Kirchner). Beteiligen Sie sich gleichzeitig öffentlichkeitswirksam an No-Drugs-Kampagnen. Feuern Sie permanent die Namen wohl bekannter Künstler ab und tun Sie so, als wären Sie ihre engsten Buddies und Inspirationsquelle (unsere Empfehlung: Richter, Rauch, Kiefer).
Wenn Sie dann populär geworden sind: Nehmen Sie diese Namen nie wieder in den Mund, denken Sie sie nicht einmal. Behaupten Sie weiterhin, an der Etablierung einer bestimmten Schule beteiligt gewesen zu sein und scheuen Sie anschließend jeden Kontakt zu dieser Szene. Seien Sie Ihr eigener Protagonist (Sherman), machen Sie sich selbst zum Hauptdarsteller Ihrer Installationen, Videos, Fotografien und Malerei, bewahren Sie sich aber dennoch eine mystische Aura, hüten Sie das Geheimnisvolle (nehmen Sie sich ein Beispiel an Miranda July).
Üben Sie sich in lässiger Selbsterkenntnis. Sterben Sie berühmt und preisgekrönt oder verschwinden Sie auf Nimmerwiedersehen (für diejenigen, die nach kurzer Zeit an dieser Maßnahme Zweifel hegen, empfehlen wir die Beschäftigung mit dem Mythos Bobby Ewing). Minimieren Sie Ihr Vokabular, sprechen Sie nur in Phrasen, strapazieren Sie einige, prägnante Leitworte. Lassen Sie sich hierbei beispielsweise von John Baldessari inspirieren: „Terms Most Useful in Describing Creative Works of Art“ (1966-68). Das allerwichtigste, um Ruhm und Bedeutung und damit verknüpft Erfolg zu erlangen, ist die Pflege einer Aura von Verdrießlichkeit und Geltungssucht, die sich am allerbesten mit einem kultivieren lässt: Haben Sie so wenig Sex wie möglich!
Für Emsige & Tiefgründige:
Die inhaltliche Strategie zum Erfolg
1. Künstler?! Fünf Thesen (I)
2. Künstler?! Die wichtigsten der Gegenwart (II)
3. Künstler?! Teuerste Werke (III)
4. Künstler?! Wie man berühmt wird (IV)
Für die besonders fleißigen Arbeitsbienen, die sich weder für Politik interessieren, noch für sich selbst, die Vernissagen scheuen wie der Bahnchef die S-Bahn und für die Sex noch die einzige kostenfreie Vergnügung ist, die das Dasein erhellt, gibt es eine Reihe von Vorschlägen inhaltlicher Art, mit der sich die Berühmtheit langsam voranbringen lässt. Der erste Vorschlag stammt von Steve Martin (formally known as pink panther) aus seinem neuen Buch „The Object of Beauty“: Mit dem Aufhängen erfolgreicher Kunst kann man sich finanziell erstmal über das Schlimmste hinwegretten. Vielleicht greift die heilige Aura der Bilder über? Zweitens: Lernen Sie Kunstvokabeln (z. B. die von Baldessari). Martin empfiehlt die möglichst häufige Nutzung von „schön, außergewöhnlich, erlesen, heiter, exquisit und wichtig“. Vergessen Sie zudem alles außerhalb der Kunst, konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche, strapazieren Sie Ihre grauen Zellen nicht über, ihre Aktivität könnte sonst einen plötzlichen Inspirationsschub untergraben.
„Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit“
Wenn Sie gerade unter einem akuten Mangel desselbigen leiden, halten Sie sich an folgende Regeln. Junge Frauen und Männer gehen besser als alte, das gilt selbstverständlich ganz besonders für die Fotografie und die Begleitung auf Ausstellungseröffnungen. Machen Sie Kinderkacke, produzieren Sie „krasses Zeug“ (wie Hirst), „schlaues Zeug“ (wie Baldessari) oder Pornographisches (Koons). Machen Sie abscheuliche Kunst (McCarthy’s „Complex Shit“)! Die meisten Sammler lieben nämlich irgendwann jene Kunst, die sie ewig verachtet haben.
Paul McCarthy, “Complex Shit”, 2008, © Paul McCarthy – mit freundlicher Genehmigung des Zentrum Paul Klee
Ziehen Sie helle dunklen Farben vor. Beschränken Sie sich auf die Themen, die immer gehen: Madonna mit Kind, Landschaften, Blumen, Nackte, abstrakte und surrealistische Kunst. Entscheiden Sie sich: Explizieren Sie entweder ALLES, was sie tun ODER NICHTS. Fechten Sie auf jeden Fall Ihre eigenen Arbeiten an und nageln Sie sich niemals fest (Sie wissen doch: kein Sex!). Liebkosen und gestalten Sie das Alltägliche und zeigen Sie sich gleichzeitig von Ihrer ökologischen Seite: Nutzen Sie Alltagsgegenstände und Konsumobjekte als Material und (das ist das allerwichtigste): Wählen Sie das größtmögliche Format.
Ganz im Ernst:
Vergessen Sie Ratschläge – vertrauen Sie Ihrem Instinkt!
Wozu sind Sie ein Künstler? Wenn Sie erfolgreich oder berühmt werden wollen, studieren Sie Wirtschaft oder Jura, ökonomisieren Sie Ihren Geist oder gehen Sie zu DSDS, GNTM oder tvtnsfdwadkhuwgnemkakvanbüdlzt. Wenn Sie ein Künstler sind und daran nichts zu ändern ist: Machen Sie weiter! Haben Sie Spaß daran! Genießen Sie die Fülle und Inspiration des Schaffensprozesses, folgen Sie Ihren Gedankengängen in die Weiten der Unendlichkeit und danken Sie Gott für Ihr Talent! Kunst ist die Ausgeburt der ausgestalteten Intuition, Kunst ist das Abbild des Dazwischen. Geld macht nicht glücklich, Kunst schon.
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
Quellen:
- „22 Wahrheiten über den Kunstmarkt“, Tobias Timm, ZEIT 02/2011
- „Tips for Artists Who Want to Sell“, John Baldessari 1996/68
- “Tolle Ideen für Künstler”, art Das Kunstmagazin 08/2010
- „Erfolg – wie geht das?“, Hanno Rauterberg, ZEIT 11/2010
- „The hardest job requirements in art and fashion“, sleek magazine #28 2010/11
Soviel für heute – Kritik, Fragen, Tips und Tricks von Euch, bitte wie gehabt mit kurzer via @geffkenmiyamoto Danke.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt eine Ausstellung über das architektonische Werk des chinesischen Künstlers, eine Facette, die bisher eher im Schatten seiner künstlerischen Arbeiten stand. Von Architekturmodellen und Kooperationen mit den Schweizer Architekten HHF und Herzog & de Meuron über seine eigenen Bauten und das visionäre Großprojekt Ordos 100 bis zur Dokumentation des abgerissenen Ateliergebäudes in Shanghai – die Arbeiten von Ai Weiwei sind so vielseitig und vielschichtig wie bei kaum einem anderen Künstler.
Starr und stumm stehen sie da. In der obersten Ausstellungshalle des Kunsthauses Bregenz sind acht übergroße Holzkuben gelandet. Als Ensemble haben sie sich akkurat in zwei Reihen aufgestellt und schauen sich mit ihren kreisrunden Öffnungen verschwiegen an. Ein subtiler Dialog weit aufgerissener Münder, staunend, singend – aber nein, es ist still. Walgesang würde vermutlich gut zu dieser Atmosphäre passen. Denn umrahmt von den glatten Betonwänden Peter Zumthors und in helles Licht getaucht schaffen sie – von rotbraun bis goldgelb schimmernd – eine extrem ausgeglichene Stimmung. Ungemein friedlich kommt diese Korrespondenz der ehrwürdigen Holzschränke und den gegossenen massiven Mauern daher.
Ai Weiwei, “Moon Chest”, 2008, Huanghuali-Holz, 8 Teile, 320 x 160 x 80 cm; Fotos: Markus Tretter (auch Titelfoto); Jeanette Kunsmann (oben mitte); © Ai Weiwei, Kunsthaus Bregenz
„Moon Chest“ hat Ai Weiwei diese Installation genannt, die zuvor schon in dem „Land der aufgehenden Sonne“ zu sehen war. 2008 wurden die hölzernen Hohlkörper für das Mori Art Museum in Tokio ausgestellt – dort jedoch nur in einer Fluchtlinie aufgereiht. Die schrankartigen Kuben sind aus chinesischem Hanghuali-Holz gefertigt, einem sehr wertvollen Hartholz, dass ursprünglich zur Herstellung edler Möbel in der Ming-Dynastie verwendet wurde. Ohne Nägel und Schrauben, sondern nur durch traditionelle Holzverbindungen halten die 3,20 mal 1,60 Meter großen Kuben zusammen. Es sind detailliert ausgearbeitete Plastiken an der Schnittstelle zwischen Architekturmodell und Kunst – zwischen Gebäude, Möbel und Skulptur.
Im Inneren der Hohlkörper entstehen – durch das Zusammenspiel von Raumlicht und den kreisrunden Öffnungen, versetzt an beiden Stirnseiten ausgesägt und eingerahmt – verschiedenste Licht- und Schattenkonstellationen, die sich, steht man direkt vor einer dieser Öffnungen, dem Betrachter je nach Blickwinkel als unterschiedliche Mondphasen offenbaren. Erst diese zweite Ebene der Betrachtung macht die unfunktionalen Schränke zu einem Kunstwerk. Die Kombination übergroßer traditioneller Schrankmöbel mit Edelhölzern aus dem Kaiserreich, die als Ganzes die Mondphasen im Land der aufgehenden Sonne darstellen, lässt etliche Interpretation zu.
Mit Nacktfotos protestierte Ai Weiwei gegen eine von den chinesischen Behörden geplante Zensur-Software, mit der gegen Seiten mit pornografischem Inhalt vorgegangen werden soll; Foto: blog.aiweiwei.com, © 艾未未; Ai Weiwei 12/21/07, FAKE design, Peking; Foto: blog.aiweiwei.com, © Ai Weiwei (links unten); Ai Weiwei Porträt, 2009 – Spätfolgen von Misshandlungen der chinesischen Polizei zwangen Ai Weiwei im September 2009, sich wegen einer Gehirnblutung operieren zu lassen; Foto: Gao Yuan (rechts unten)
Weiwei heißt doppelte Verneinung
Ai Weiwei ist das, was man ein Multitalent nennt. Sein Werk lässt sich in keine Schubladen sortieren. Der Bildhauer, Konzeptkünstler, Fotograf, Architekt, Performer, Videokünstler, Designer, Blogger und Friseur hat viele Gesichter. Im New York der Achtziger machte er sich vor allem als unschlagbarer Poker- und Blackjack-Spieler einen Namen. „To live without thinking about professions“, hat Ai Weiwei einmal seinen Berufswunsch beschrieben. Doch was lässt einen guten Künstler und Bildhauer zu einem ebenso guten Architekten werden? Sind am Ende nur Maßstab und eine gewisse Ästhetik entscheidend?
„[...] to live without thinking about professions.“
Ai Weiwei, “See no evil, hear no evil, speak no evil”, 2009; Foto: Sharron Lovell
Ai Weiwei ist mehr als ein chinesischer Gegenwartskünstler – er ist eine Marke, eine Institution, eine Fabrik der freien Meinung und des Widerstands. Weiwei heißt übersetzt soviel wie doppelte Verneinung, sein Name ist Programm. Er hat eine beachtliche Menge an Mitarbeitern und Freunden hinter sich, ist international bekannt und vernetzt und arbeitet nicht nur in China, sondern in der ganzen Welt, vor allem in Europa. Sein Galerist kommt aus der Schweiz, seine Arbeiten wurden in London, Venedig und mehreren deutschen Städten wie zur letzten Documenta in Kassel oder im Münchner Haus der Kunst ausgestellt.
Aktuell sind verschiedenste seiner Werke in Bregenz, Winterthur, Luzern und Duisburg zu sehen. Erst im April wollte er ein Studio in Berlin-Oberschöneweide anmieten, und vor einer Woche hat ihm die UDK eine Gastprofessur in Berlin angeboten.
Architecture is a moral act
Architektur bedeute für ihn neben einer Funktion immer auch eine moralische Handlung, erklärt Ai Weiwei in einem Gespräch mit dem Kunsthistoriker und Kurator Andres Lepik. Jedes Gebäude besetze öffentlichen Raum und nehme damit auch Einfluss auf die Gesellschaft. Kein Wunder also, dass jemand wie Ai Weiwei, der den Begriff der sozialen Plastik in seinen Arbeiten mit einer ungebrochenen Konsequenz fortführt, vor keinem Genre zurückschreckt und alle Werkzeuge für sich erprobt. 1999 begann sein architektonisches Schaffen mit dem Bau seines ersten Studios in Peking. 2011 wurde sein vorerst letztes Bauprojekt, das Ateliergebäude in Shanghai, auf Anordnung der chinesischen Regierung dem Erdboden gleich gemacht.
Meine bisher größte Kunstperformance ist die größte in Chinas Geschichte: die Zerstörung meines Studios in Shanghai.
Der von Ai Weiwei / FAKE Design entworfene Atelierkomplex in Jiading in Shanghai kurz nach seiner Fertigstellung Ende 2010. Der Bau hatte Ai Weiwei umgerechnet gut 750.000 Euro gekostet; Foto: Courtesy of Ai Weiwei
Im Januar 2011 wird das Atelier von den chinesichen Behörden abgerissen. Das rund 2000 Quadratmeter große Gebäude stand auf einem Gelände, das Ai Weiwei für 30 Jahre gepachtet hat; Fotos: Courtesy of Ai Weiwei
Im Sommer 2010 wurde der Neubau noch von der Volksrepublik gepusht und finanziert. Kurze Zeit später, im Herbst, wurde der Backsteinbau von den lokalen Behörden als „nicht den Bauvorschriften entsprechend“ deklariert und im Januar 2011 ohne Ankündigung, sprich, ohne Rücksicht auf Verluste, abgerissen. Der erste Schnee fiel und verwischte jegliche Spuren des Ateliergebäudes. Ein trauriges Ende, das Ai Weiwei gefilmt und fotografiert hat. Die Dokumentation dieser tragischen Entwicklung ist nun im Kunsthaus Bregenz zu sehen.
Architekturkooperationen
Auf dem Gebiet der Architektur ist Ai Weiwei Autodidakt, er hat nie Architektur studiert oder eine ähnliche Ausbildung genossen. Daher ist die enge Zusammenarbeit mit Architekten, Ingenieuren und Handwerkern ein entscheidendes Kriterium in der Entwicklung der Bauprojekte. Seine Rolle bei Entwurf und Planung lässt sich dabei kaum definieren – vielleicht ist er eher ein allumfassender Kurator, der, egal welches Werk und Genre, im entsprechenden Entstehungsprozess eine richtungsgebende Idee vertritt. Aus diesem Blickwinkel betrachtet verschmelzen Kunst, Architektur und Politik bei Ai Weiwei zu einem vielschichtigen Gesamtwerk.
Architektur für die Kunst
Zwischen dem ersten Atelierbau, dem „Ai Weiwei Studio“ im Pekinger Vorort Caochangdi, und dem Studio in Shanghai hat Ai Weiwei eine ganze PDF Reihe an Bauprojekten für Künstler und Galerien realisiert. Das erste Atelier plante er zusammen mit der belgischen Architektin Ellen Vertommen und gründete aus diesem Anlass sein Architekturstudio FAKE Design (ein provokantes Wortspiel, da „Fake“ auf Mandarin wie „Fuck“ ausgesprochen wird, im Englischen jedoch „falsch“ bedeutet). Es folgten weitere Ateliergebäude: das Courtyard 105 und 104 in Caochangdi, gebaut 2003 und 2004. Für den befreundeten Fotografen Rong Rong baute Weiwei 2006 das „Three Shadows Photography Art Center“ mit einer Backsteinfassade, die reliefartig die Schatten dreier Bäume abbildet. Das Gebäude erfüllt die Funktion eines Ateliers, während die Fassade durch die Hände des Bildhauers selbst zu einem Kunstwerk geworden ist.
Das Werk ist weniger wichtig, als die Idee und der Weg dahin.
Zusammen mit dem Basler Büro HHF Architekten hat Ai Weiwei weitere Galerie- und Atelier-Gebäude entwickelt, die ebenfalls die klare Handschrift des chinesischen Künstlers tragen, sich aber von den vorherigen Ziegelbauten in Material und Form unterscheiden. Das Galerie-Ensemble „Art Farm“ in Salt Point bei New York (2008) zum Beispiel besteht aus einer vorgefertigten Stahlkonstruktion, die mit einer weißen, gepolsterten PVC-Decke überzogen ist. Aus drei Gebäudevolumen bestehend ist die knapp 380 Quadratmeter große Kunstsammlung auf einem Betonplateau verankert, das dem Geländeverlauf folgt.
Art Farm (2008) in Salt Lake City von HHF Architekten und Ai Weiwei; Foto: Iwan Baan; Tsai Residence (2005-2008) in Ancram von HHF Architekten und Ai Weiwei (rechts unten); Foto: Nikolas Koenig
Die „Tsai Residenz“ in Ancram bei New York haben Ai Weiwei und HHF ebenfalls 2008 realisiert. Als Wohnhaus für zwei Kunstsammler geplant, haben die Architekten das Ensemble als geometrischen Körper entwickelt. Fast maßstabslos sitzt der mit Wellblech verkleidete Holzständerbau mitten in der Landschaft. Die strenge Formsprache, die Organisation der Räume und die Tageslichtplanung erinnern mehr an eine kleine private Galerie als an ein Wohngebäude.
Die „Five Houses“ sind ebenfalls als Holzkonstruktion aus einem Modulsystem entwickelt, bei dem unterschiedliche Raumeinheiten wie Dominosteine aus einem Stapel gezogen werden. Der bisher noch nicht realisierte Bau ist, ähnlich wie die Schrankkuben des „Moon Chest“, leicht gegeneinander verschoben, so dass sich je nach Perspektive unterschiedlichste Formen ergeben.
Die ersten Besucher im Nationalstadion, dem Hauptstadion für die Olympischen Spiele, 2008 Peking, China; Foto: Iwan Baan; Wettbewerb 2002, Ausführung 2004 – 2008; Design-Consortium: Herzog & de Meuron, Basel, Schweiz; Ove Arup & Partners Hong Kong Ltd., Kowloon, Hong Kong, China; China Architectural Design & Research Group, Peking, China; in Zusammenarbeit mit Ai Weiwei, Peking, China, Künstlerischer Berater – der chinesische Künstler hat das Stadion nie betreten.
Die Fassade als gebautes Ornament
Ein Höhepunkt seines architektonischen Schaffens ist das Olympische Nationalstadion in Peking. Hier hat Ai Weiwei die Schweizer Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron bei der Konstruktion der Fassade beraten – eine wilde, chaotische Struktur, der die Ikone ihren Beinamen „Vogelnest“ verdankt. Wie ein künstlicher Wald ist dieses aus Stahlbeton gebaute Ornament mit dem Gebäude verwachsen. Struktur und Hülle sind identisch. Hinter dieser scheinbar zufällig entstandenen Fassadenskulptur steckt mehr Berechnung und Planung als zunächst vermutet. Die Knoten der schräg laufenden Stützen, Balken und Treppenelemente sind ein Kunstwerk für sich.
Die Modelle zum Nationalstadion im Kunsthaus Bregenz; Foto: Markus Tretter (oben); Foto: Jeanette Kunsmann (unten)
Nach der Eröffnung der Olympischen Spiele im Sommer 2008 gab Ai Weiwei seinen Austritt aus der Architektenzunft bekannt. Er wolle nicht mehr als Architekt arbeiten, keine Gebäude mehr planen oder Masterpläne für neue Stadtquartiere entwickeln.
Ai Weiwei war an einem Punkt angelangt, an dem er sich mehr und mehr als Künstler verstanden wissen wollte. Das Nationalstadion hat er seit seiner Fertigstellung übrigens nie betreten.
Architekturvisionen
Ebenfalls mit Herzog & de Meuron hat Ai Weiwei die Planung für das Villensiedlungsprojekt Ordos 100 kuratiert. Mitten in der mongolischen Wüste sollte im Zuge der Stadtplanung Ordos Cultural Creative Industry Park (OCCIP) in der chinesischen Provinz Ordos eine Collage aus kühnen Entwürfen für Einfamilienhäuser entstehen, für die vor drei Jahren 100 Architekten eingeladen wurden.
Ai Weiwei hat für die Ausstellung im Kunsthaus Bregenz ein übergroßes Holzmodell der Planung „Ordos 100“ aus Pinienholz anfertigen lassen, das alle 100 Villenentwürfe vereint; Foto: Markus Tretter
Die stolze Liste der beteiligten Architekten liest sich wie das Who is Who der aktuellen internationalen Gestalterszene: Neben HHF finden sich namhafte Architekten wie Christ & Gantenbein, Preston Scott Cohen, Tatiana Bilbao und Sou Fujimoto, Dellekamp Arquitectos, Bas Princen, Julien de Smedt, Miller und Maranta, NL Architects, R&Sie(n) und Manuel Herz. Lässt sich diese Masse an Ideen in einen Zoo zeitgenössischer Architektur sperren?
Die Ordos-100-Architekten vor dem Gesamtplan für das Projekt ORDOS 100 …
…und in den Dünen auf der Suche nach den ihnen zugeteilten Parzellen; Fotos: Courtesy of Ai Weiwei
Im Kunsthaus Bregenz zeigt ein raumfüllendes Modell in der zweiten Etage das gesamte Areal mit den 100 unterschiedlichen Entwürfen. Es riecht nach Pinienholz und Leim. Von chinesischen Handwerkern gefertigt, zeigt sich das massive Modell als Skulptur, welche die kuratorische Gesamtidee von Ordos 100 präsentiert.
Die einzelnen Villenentwürfe treten in einen Dialog und ergeben eine Spielwiese der Formen, Geometrien und Kubaturen. Würde das Modell etwas höher stehen, könnte es vielleicht an einen Spieltisch im Casino erinnern, auf dem sich die Jetons stapeln. Zwischen Vision und Realität lässt sich nicht nur im Casino, sondern auch in der Stadtplanung manchmal nur schwer unterscheiden. Das Projekt Ordos 100 liegt offiziell auf Eis und wird nicht realisiert.
Ai Weiwei Art Architecture
Beeinflusst von Architekten wie Shigeru Ban und Louis Kahn lassen sich die Bauprojekte Ai Weiweis vielleicht als vernakuläre Architektur beschreiben. Aus lokalen Ressourcen und mit Hilfe traditioneller Konstruktionstechniken gebaut, entstehen solche Gebäude in der Regel ohne Architekten, jedoch aus bisher gesammelten Erfahrungen und Überlieferungen. Ähnlich ist es bei den Bauten von Ai Weiwei. Einfache gestalterische Grundprinzipien sowie eine schnelle und günstige Realisierung stehen neben einer intuitiv entwickelten Ästhetik im Vordergrund. Seine Architektur ist ein klares Gegenbild zu der gesichtslosen Baupolitik Chinas.
„Three Shadows Photography Art Centre“ und „Red Brick Art Galleries“ in Caochangdi im Chaoyang Art District; Fotos: Monica Tan
Doch sieht Ai Weiwei seine Architektur auch nicht als gebaute Skulptur. Weder hochwertig noch detailliert in der Ausführung lassen sich seine Bauten kaum mit der Qualität seiner Kunstprojekte vergleichen. Sie erfüllen eine Funktion und transportieren eine Botschaft – ähnlich wie sein Blog.
Diesen beschreibt er auf der einen Seite als soziale Skulptur, auf der anderen Seite aber auch als persönliche Skizze, als eine moderne Form der klassischen Zeichnung. Jedes Wort wird Teil seiner Kunst. Ai Weiwei schreibt viel, fotografiert und dokumentiert seine Umwelt. Aus diesen Fragmenten baut er neue Ideen und neue Werke. Sprache sei Architektur, hat er einmal gesagt. Letztendlich sind eben alle Künste ein Ausdrucksmittel. Auch bei Ai Weiwei.
Autor/-in: Jeanette Kunsmann für die BauNetzWoche # 231.
„Ai Weiwei 艾未未 Art / Architecture“ ist noch bis zum 16. Oktober 2011 im Kunsthaus Bregenz zu sehen. Der Katalog zur Ausstellung ist im August erschienen.
Verfügbare Downloads: PDF Einladungsheft der Ausstellung, die offizielle PDF Presseinformation zur Ausstellung; sowie ein im Rahmen der Reihe “archithese” erschienener Aufsatz zu PDF Ai Weiwei und Caochangdi.
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Im Werk des Künstlers Joseph Beuys sowie des Philosophen Arthur Schopenhauer spielt das Leiden eine zentrale Rolle: Leid als Leben und Leben als Leid. Die Fähigkeit des Menschen zur Reflexion führt zur Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Seins und macht die Welt, in der er lebt, zur „schlechtesten aller möglichen Welten“, wie der deutsche Philosoph Schopenhauer es formuliert hat. Dieser Pessimismus ist der Grundstein seiner Philosophie. „Er hat dem Lebensgefühl des modernen, aufgeklärten Menschen einen neuen Aggregatzustand des Seins gegeben“ (Lothar Schröder).
Nachgebildeter Altar mit Vanitas-Symbolen im Innenraum des Deutschen Pavillons auf der Kunstbiennale Venedig – der Pavillon wurde als Werk des Ausnahmekünstlers Christoph Schlingensief mit der Verleihung des Goldenen Löwen gewürdigt. Foto: picture alliance – dpa
Arthur Schopenhauers Pessimismus
Schopenhauers pessimistische Weltsicht, die sich in der „Nichtigkeit des Daseyns“ manifestiert, spitzt sich in der Aussage, dass „alles Leben Leiden“ ist, zu. In einer sehr lesenswerten Einführung in das Denken Schopenhauers nimmt der Philosoph und Autor Volker Spierling Bezug auf „das Leiden, das dem Leben als Leben innewohnt“ und sieht, Schopenhauer folgend, als Mittel, sich aus diesem leidvollen Dasein zu befreien, die Kunst.
Er führt fort, dass das, was durch die Kunst dargestellt wird keine Illustration der individuellen Begierden ist, sondern dass mittels der durch Kunstrezeption gewonnenen Erkenntnis der von Schopenhauer als Wesen der Welt formulierte Wille für einen Augenblick annulliert wird. Da Schopenhauer der Meinung ist, dass es ohne Willen keine Vorstellung und keine Welt gibt, entsteht durch die Betrachtung eines Kunstwerkes ein leerer Raum, in dem sich das Leid für einige Momente verliert. Der Betrachter wird erlöst, aber der Motor des Künstlers bleibt das Leid. Dies ist auch ein zentrales Moment der Kunst des deutschen Künstlers Joseph Beuys.
Das Leiden des Joseph Beuys
In einem Vortrag von Joachim Kardinal Meisner im August 2007 zitiert dieser Beuys mit den Worten: „Der Mensch muss zunächst einmal das durchmachen, was Christus selbst durchgemacht hat“ und so ist auch das Kunstwerk Beuys’ dominiert von Leiden und Tod. Beuys hat zum Ende des 2. Weltkrieges existenzielle Erfahrungen mit Schmerz und der Allgegenwärtigkeit des Todes gemacht, vor allem, nachdem er 1943 über der Krim abgeschossen worden war. Die Wunden des schwer Verletzten wurden mit Fett versorgt und er wurde in Filz gebettet. Beide Materialien spielen im Werk Beuys’ eine bedeutende Rolle.
Installation „Zeige Deine Wunde“
In seiner Rauminstallation „Zeige Deine Wunde“ (1974-1975) beschäftigt sich Beuys intensiv mit Krankheit, Leid, Alter und Vergänglichkeit und bekräftigt vier Jahre später in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass die schonungslose Auskunft über eine Krankheit die Bedingung dafür ist, sie heilen zu können:
„Eine Wunde, die man zeigt, kann geheilt werden“.
— Joseph Beuys
Joseph Beuys, “Zeige deine Wunde”, 1974-1975, 2 Schepser, 2 weiße Tafeln, 2 doppelzinkige Forken mit Tuchfetzen, auf 2 Schiefertafeln stehend, 2 Leichenbahren, 2 Fettkisten, 2 Schultafeln, 2 Ausgaben der Zeitung “Lotta Continua”, ca. 400 x 400 cm; falls nicht anders gekennzeichnet © VG Bild-Kunst, Bonn 2010; Foto: Achim Kukulies; © Kunstsammlung NRW
Wo sich andere Künstler mit dem Ziel, das Publikum zu erstaunen oder zu erfreuen, zufrieden geben, geht Beuys noch einen Schritt weiter und konfrontiert den Betrachter auf eine schonungslose Weise mit dem „Elend der Welt“ (Pierre Bourdieu). Die Installation besteht aus einem klinisch wirkenden Raum, einem Krankenzimmer ähnlich, der mit fünf Objekten in doppelter Ausfertigung ausgestattet ist. Leichenbahren, mit Fett bestrichene oder gefüllte Blechkästen, die mit Fieberthermometer und Reagenzglas bestückt sind, sind Bestandteile dieses Kunstwerkes.
Die Autorin Martina Merten macht in einer Arbeit über Beuys’ Skulptur „2 Musikanten“ („der größte Komponist (ist) derjenige, der leidet“) auf ein Zitat des Künstlers aufmerksam, in jenem er feststellt, dass das Leiden eine höhere Geistesstufe generiert und fortführt, dass das Leid im Leben eines Mensch auch seine Vorzüge hat. Denn in erster Linie führt Leid zu Auseinandersetzung, im zweiten Schritt zu Veränderung. Der Wille nach künstlerischem Ausdruck ist in der Phase des Leids stärker als in einem Zustand der Freude, was durch den größeren Anteil an melancholischen gegenüber euphorischen Liebesliedern bestätigt werden kann.
Das Leid als Bedingung für Kreativität
In einem Gespräch mit dem Theologen Horst Schwebel spezifiziert Beuys seine Behauptung, dass das Leid der Anfang der Kreativität ist, weil das Leiden „eine ganz wichtige Art der Hervorbringung“ ist und unterscheidet die schöpferische Aktivität des Menschen in das Tun und in das Erleiden und bestimmt, dass „derjenige, der am entschiedensten etwas erleidet, auch derjenige (ist), der am entschiedensten etwas schafft“. Somit kehrt er Schopenhauers Maxime um:
Leiden ist Schöpfung, Leiden ist Leben.
Das Leid als Kunstform: Christoph Schlingensief und Ai Weiwei
In der Tradition der Versymbolisierung des eigenen Leidens als Kunstwerk steht auch der kürzlich verstorbene deutsche Künstler Christoph Schlingensief. Ein Jahr vor seinem Tod hatte das umstrittene Multitalent, das mit einer geradezu beunruhigenden Produktivität unter anderem als Regisseur, Autor und Künstler tätig war, die eigene Krebserkrankung als Oper („Mea Culpa“) am Wiener Burgtheater inszeniert und zur gleichen Zeit ein Tagebuch veröffentlicht, das seine Krebserkrankung thematisiert. Das individuelle Leid wird zur zentralen Bühnengestalt.
Diese Radikalität einer Verkreuzung von Kunst und persönlichem Leid ist auch für den chinesischen Konzeptkünstler Ai Weiwei typisch. Nachdem er im vorletzten Jahr in einem Hotelzimmer von Polizisten zusammengeschlagen worden war, weil er sich für die Erdbebenopfer von Sichuan einsetzen wollte, schickte der Sohn eines während der Kulturrevolution inhaftierten und daraufhin ins Exil gegangenen Schriftstellers Fotos von seinen Kopfverletzungen mit dem Handy um die Welt und konstatierte dies als „reale Kunst“.
Spätfolgen von Misshandlungen der chinesischen Polizei zwangen Ai Weiwei im September 2009, sich in München, wohin er für eine Ausstellung im Haus der Kunst gereist war, wegen einer Gehirnblutung operieren zu lassen. Er dokumentierte diesen Prozess mit Handyfotos, die er auf seine Twitter-Foto-Seite stellte (http://twitpic.com/photos/aiww).
„So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“
Was Arthur Schopenhauer schon vor mehr als 150 Jahren als wesentliches Element des Lebens ausgemacht hat, haben Joseph Beuys und sich auf ihn berufende Künstler mit ihren Werken dargestellt. Der oft gelingende Versuch, das Publikum zu schockieren, zu verstören und mit der Flüchtigkeit des Daseins zu konfrontieren, verweist auf die Möglichkeit und Dringlichkeit, sich mit den ängsten vor dem eigenen Schmerz auseinanderzusetzen und ihn somit bloßzustellen. Ein ins Licht getriebenes Gespenst verliert seinen Schrecken. Wer den ranzig-fauligen Geruch der Begegnung mit dem Tod oder einem existenziellen Schmerz nicht geatmet hat, wird nicht in der Lage sein, in die höchsten Sphären der Glückseligkeit aufzusteigen. Oder, wie Christoph Schlingensief es formuliert hat: „So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein“.
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
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Vor fast zweieinhalb tausend Jahren schwärmte Platon: „Wenn es etwas gibt, wofür es zu leben lohnt, dann ist es die Betrachtung des Schönen“. Und dieses Schöne entfaltet sich in voller Pracht nicht nur in der Natur, sondern auch in der Kunst, im Theater oder in der Musik. Doch spätestens seit dem frühen 20. Jahrhundert, der Zeit des Dada und des Surrealismus, tritt die Subversion auf den Plan und tritt gegen die Schönheit an. Vor knapp hundert Jahren verstanden sich Dadaismus und Surrealismus als eine Avantgarde, die sich in revolutionärer Weise, verbunden mit einer starken Skepsis, gegen die bürgerliche Gesellschaft wandte und ebenso scharfe Kritik an den kulturellen und sozialen, aber auch politischen Bedingungen ihrer Zeit übte.
Was, wenn wir keine Kunst mehr haben?
Die Künstler mahnten die Entfremdungstendenzen innerhalb der modernen Zivilisation und das damit verknüpfte rationale Verhalten der Bürger an. Denn diese Rationalität löse ein Zwangsverhalten aus, das die Menschen in Unfreiheit führe und ihnen die Möglichkeit verwehre, sich fantastischen und imaginatorischen Reisen und der damit einhergehenden Kreativität hinzugeben.
Und heute? Die Grenzen der Bürgerlichkeit sind aufgebrochen, Diversität ist das Zauberwort der Stunde, die Gesellschaft geriert sich liberal und märchenhafte Reisen finden im Internet oder im Kino statt – das Verlangen nach Rationalität und eine ausgeprägte Protestkultur sind allerdings geblieben.
Was ist die Utopie der Gegenwart?
Subversive Kunst im Mainstream
Gerade auf der Bühne hat man gelegentlich das Gefühl, dass sich ohne Radikalität, ohne Provokation und ohne nackte Leiber nichts mehr vermitteln lässt. Die einen mögen noch begeistert sein, den meisten aber treibt es nur ein gelangweiltes Gähnen hervor, dem der Verdruss folgt. Genauso wie ehemalige Tabuthemen (Drogenkonsum, Depressionen, Promiskuität oder Homosexualität) gesellschaftsfähig geworden sind, so hat auch die unangepasste Kunst die Mitte der Gesellschaft erreicht.
Subversion ein Lebensstil
Die Entstehung einer Utopie, die alle künstlerischen Bemühungen antreibt, fußt aber auf dem Wunsch nach und die Existenz einer gesellschaftspolitischen Alternative. Solange diese nicht vorhanden ist, wird es auch keine „neue“ Kunst geben. So wie die mannigfachen Lebensformen zu Beginn des 21. Jahrhunderts in jeglicher Hinsicht in kleine Nischen kriechen und sich in Mikrosysteme zersplittern, Spezialisierungen immer skurrilere Blüten treiben, so wird auch die Kunst ohne eine gemeingültige, die Mehrheit ansprechende Botschaft keinen gemeinsamen Nenner mehr finden können.
Mobilitäts- und Flexibilitätsfetischismus
Lediglich die Medien und der Kunstmarkt werden diktieren, was Kunst zu nennen und wie teuer sie zu bezahlen ist, aber wird sie uns neben ihrer intellektuellen Mission wirklich nahe kommen können? Wird sie begeistern, berauschen, erregen, erschüttern, uns packen, uns erbeben und zittern lassen? Sie wird es tun – wenn der natürliche Höhepunkt eines sich selbst beschleunigenden Wachstums erreicht ist.
Vor fast 200 Jahren entwickelte sich nach dem Wiener Kongress eine Kulturepoche namens Biedermeier – ein Rückzug in die Idylle; in die Landschaftsmalerei (Adolph Menzel und Carl Spitzweg), in die Hausmusik oder in die (Wiener) Kaffeehäuser. Vielleicht führen die sich selbst potenzierende Hektik des Alltags, Mobilitäts- und Flexibilitätsfetischismus und die kaum noch nachvollziehbare Geschwindigkeit sich permanent selbst ersetzender technischer Errungenschaften wieder zu einem Rückzug ins Private – ein gesellschaftlicher Burn-Out, der in eine Ruhephase und die Sehnsucht nach Schönheit und Kontemplation mündet, ein Verlangen nach Vollendung und Harmonie in der Musik oder in der Kunst.
Musikalische Vollkommenheit
Reise ins Herz des schwarzen Kontinents
Einer, des Lebens in der westlichen Zivilisation überdrüssig, der dem musikalischen Fremden erlag und ihm folgen musste, ist der Amerikaner Louis Sarno. Er lebt nun schon seit über 25 Jahren im Kreise eines Pygmäenstamms, nachdem er ihre Gesänge im Radio gehört hatte, wie Michael Obert in einem Artikel des ZEIT-Magazins (03/11) berichtet:
„Diese fremdartigen Harmonien machten mir damals Gänsehaut, sie wirkten hypnotisch auf mich – pure Magie“.
Diese sphärischen Klänge, ein Geflecht von sich absenkenden und wieder in unendliche Höhen aufsteigenden Tönen, spiegeln das Leben in der Natur, vor allem in den unerschöpflichen Weiten des Waldes wider: Sie sind die sich im Wind bewegenden Zweige, das Rauschen und Rascheln des ineinander verzweigten Grüns der Bäume. Louis’ Mutter beschreibt ihn als einen, der „immer alles genau wissen und herausfinden“ wollte, der nach
„Antworten auf die großen Fragen (…) in den ursprünglichen Formen der Musik und der Natur“
suchte. Die BaAka, der Pygmäenstamm, orientieren sich in der unergründlichen Unendlichkeit ihres Dschungels an den Geräuschen der Wasserläufe, am Knarren der Bäume, am Gesang der Vögel und an den Melodien des Windes – Töne, die zur wesentlichen Inspiration ihrer Musik geworden sind. Sarno selbst sieht diese Musik als
„Ausdruck eines akustischen Weltverstehens“.
Warum fühlte er sich derart von dieser Musik angezogen, dass er die USA, sein Leben und den alltäglichen Luxus der zivilisierten Welt hinter sich ließ und im tiefsten Dschungel Zentralafrikas Teil der BaAka-Gemeinde wurde? Was schwingt zwischen diesen Tönen, die ihn noch heute so tief berühren?
Musik im Inneren
Die Natur ist eine wesentliche Inspirationsquelle dieser Musik. Ihre Gewaltigkeit, ihre Schönheit, ihre Unberührtheit oszillieren zwischen den Lauten. Sarno suchte möglicherweise unbewusst nach einem Ort wie diesem und sah ihn in der Musik dargestellt. Diese Musik berührte eine vielleicht tief in seinem Inneren verborgene Sehnsucht nach Freiheit, nach Lebendigkeit und Ursprünglichkeit und so sprang er durch das Fenster in eine ihn endlich beruhigende Welt.
© Matthias Ziegler
Kunst öffnet Fenster
Und kreiert ein Bild des Menschlichen
Der Opernsänger Rolando Villazón sang im November des letzten Jahres in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau ein Lied über das Wesen der Kunst: „Kunst öffnet ein Fenster. Sie kreiert einen Ort, an dem wir einen Widerhall finden: für unsere Ängste, für unsere Melancholie, für unsere Traurigkeit und für unsere Freude. Kurzum: ein Bild des Menschlichen.“
Wenn ein Künstler ein authentisches Werk schafft, trägt es einen wesentlichen Teil seiner Persönlichkeit mit sich. Die Künstlerin Louise Bourgeois sah die Kunst als Möglichkeit, ein persönliches Defizit zu sublimieren, eine unbehagliche Erinnerung zu verarbeiten. Spricht uns also ein Kunstwerk nicht an sich an, sondern die subtile individuelle Botschaft der Persönlichkeit, die es geschaffen hat? Ist dieser Teil des Charakters auch ein Teil von uns, der unbewusst angesprochen wird? Sehen wir uns im Kunstwerk selbst und sind deshalb so ergriffen?
Wege der Kunst im 21. Jahrhundert
Kunst ist ein Bild des Menschlichen. Die unsichtbare Verbindung, die ein ergreifendes Bild zwischen ihm und einem Individuum erschafft, entspricht dem Wesen der Freundschaft: Das Bild versteht uns und wir verstehen das Bild.
Doch zurück zur Utopie der Kunst. Kunst ist als vom Individuum geschaffenes Kulturgut ein Spiegel der Gesellschaft und so wie sich die Menschen, zumindest in der westlichen Zivilisation, sich in wesentlich zwei Welten zu Hause fühlen, wird sich vermutlich auch die Kunst der Zukunft in zwei oder drei Sphären aufteilen:
- auf der einen Seite die plakative, subversive, provokative, aufreizende, nach Aufmerksamkeit geifernde Kunst eines Damien Hirst (der als einer der jüngsten wichtigsten zeitgenössischen Künstler zugleich der reichste ist) oder Jeff Koons, die das stetige wirtschaftliche und technische Wachstum reflektiert und nur den Weg an die Spitze kennt,
- auf der anderen Seite die schöne, sich mit philosophischen und ästhetischen Themen auseinandersetzende Kunst eines Gerhard Richter oder Peter Doig; und
- vielleicht noch die gesellschaftspolitisch oder psychologisch verortete Kunst, die auf die Entfremdungstendenzen des Individuums und seine Rolle in der Gesellschaft hinweist wie Bruce Nauman dies tut oder deren Schöpfende als aufmerksame Beobachter ihrer Welt versuchen, mit Hilfe der Kunst „die Welt zu erkennen“, wie Wolfgang Tillmans das formuliert hat.
Funktionen der Kunst
Bindeglied und Prognose
Kunst wird sich in Zukunft in unterschiedlichen Rahmen bewegen und den Menschen entweder als Prestigeobjekt, also als Legitimation ihres kulturellen Habitus’ dienen oder sie wird auf die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Missstände hinweisen, wie das zum Beispiel die Street-Art tut. Für einen, zumindest im Augenblick, verschwindend geringen Teil der Rezipienten und Schaffenden wird Kunst allerdings bleiben, was sie im Wesentlichen ist und immer war:
ein Ausdruck des Schönen, Ästhetischen, des Ergreifenden, eine Darstellungsart des Nichtdarstellbaren, ein Medium, das zu religiöser Ergriffenheit führen kann –
ein Bindeglied zwischen seinem Schöpfer und seiner individuellen Farbpalette aus mannigfaltigen expressiven Schattierungen und kognitiven Nuancen und denjenigen, die der Farblosigkeit der von Rationalität, Wachstum und Kapital dominierten Welt entflohen sind.
Markt und Medien
Sicher ist eines: Der Preis, mit dem ein Kunstwerk der Gegenwart etikettiert wird, ist kein Hinweis auf die subjektive Qualität des Bildes, sondern lediglich ein Beispiel für die Macht des Marktes sowie der Medien und die damit verbundene Produktion von Simulacra, die für die Postmoderne typisch sind. Einige Künstler werden in Zukunft auf mit Kapital gepflasterten Pfaden wandeln, doch einige werden uns weiterhin berühren. Denn: Wenn es etwas gibt, wofür es sich zu leben lohnt, dann ist es die Fähigkeit, die Empfindung der Gefühlsseligkeit erfahren zu können – durch berührende Töne: leise und laute, helle und dunkle.
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
Wie immer bin ich neugierig zu hören, was ihr denkt.
Im letzten Jahr hat der deutsche Konzeptkünstler Hans-Peter Feldmann den Hugo-Boss-Preis, der seit 1996 (der erste Preisträger war der Amerikaner Matthew Barney) zweijährlich vergeben wird, erhalten. An diese Auszeichnung, die mit 100.000 US-Dollar dotiert ist, ist eine kürzlich eröffnete Ausstellung im New Yorker Guggenheim gekoppelt, die noch bis Anfang November zu sehen ist. Das Preisgeld hat Feldmann für diesen Zweck spontan als einmalige Installation an die Wände der Ausstellungshalle mit Reißzwecken heften lassen – Dollar- für Dollarnote.
Feldmann, der Hüter des Alltäglichen und Trivialen
Der vor 70 Jahren geborene Feldmann hat Malerei in Linz studiert und experimentiert seit Ende der 1960er Jahre in erster Linie mit Bildern. Dabei fotografiert er nicht nur selbst, sondern bedient sich auch an fremdem Material, das er kombiniert und in einen neuen Kontext eingliedert. Feldmann ist ein Sammler alltäglicher Phänomene, deren Abbilder er zu Serien zusammenfügt. Allein zwischen 1968 und 1974 entstanden so etwa 35 Bilderhefte. Feldmann stößt mit „visuellen Codes“ (Thomas Weski) Assoziationsketten an, konserviert Bilderwelten. Feldmann ist Chronist, Herumtreiber, Sammler, Beobachter, Archivar, ein Hüter des Alltäglichen und vor allem ein Konsument: „Ich sehe mich als jemanden, der Bilder anschaut“ (Monopol – Magazin für Kunst und Leben). Sein Talent auf den Punkt gebracht: „Gucken“.
Keep it simple!
„Ich hab es gern einfach“ erklärt Feldmann in einem Interview mit der ZEIT. Und die Kunst liegt so nah: „In der Bildwelt des normalen Alltags, den trivialen Medien wie Fernsehen, Zeitschriften und so weiter, findet mehr Kunst statt als in den Kunstwelten und in manchem Museum“ (artnet – Kunst online). Und so gibt er einen weiteren, wesentlichen Rat fürs künstlerische Leben:
„Lest keine Kunstbücher, besucht keine Kunstschulen. Hört nicht darauf, was andere über Kunst sagen, sondern macht sie einfach.“
— Hans-Peter Feldmann im Interview mit art – Das Kunstmagazin
Geld = Kunst? Hans-Peter Feldmanns Installation im Guggenheim Museum anlässlich seines Erhalts des HUGO BOSS PRIZE 2010; falls nicht anders gekennzeichnet © Solomon R. Guggenheim Museum, New York. Foto: Tanya Ahmed, New York 2011
Einfach tun, „den Weg zum Ziel machen“, die Pracht und Mannigfaltigkeit des alltäglichen Lebens entdecken, mithilfe der Kunst, die „uns innehalten lässt“. In einer beschleunigten, ökonomisierten und durchrationalisierten Welt, in der wir mit Scheuklappen durch den Alltag hetzen, kann die Kunst „sehr, sehr lehrreich sein“ (artnet – Kunst online).
Also, Künstler: Raus aufs Feld, Mann: Guggen, heim und einfach tun.
Autor/-in: Inga Ganzer
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Übrigens: Tages-Aktuelle Kunstnews- und Meldungen und mehr von uns gibt’s hier.
UPDATE: Das rfi (Radio France Internationale) hat im Rahmen der Reportage “L’énergie verte en Europe / Grüne Energie in Europa” einige Stimmen aus meinem Workshop ausgestrahlt (min. 08:17 – 12:40) – danke dafür an Deborah Berlioz.
Hier ist der Vortrag, den ich an diesem Wochenende im Ökowerk Berlin über Guerilla Gärtnern gehalten habe. Deutlich wurde, daß es viele konkrete Fragen und einen Bedarf an Austausch und Aktionen gibt.
Neben einem Ausblick auf verschiedene Standpunkte zum Thema, gibt der Vortrag eine kompakte Bestandsaufnahme unserer umweltpolitischen (und städtebaulichen) Situation, die Guerilla Gardening Geschichte und eine handvoll Rezept-Mixturen.
Die unkommentierten Folien sind vermutlich nicht interessant, wenn man nicht vor Ort war und an dem Workshop teilgenommen hat.
Sowohl als Ausgleich zu Architektur und Design, wie auch als Inspiration in der Diskussion mit den Beteiligten hat dieser Termin viel Spaß gemacht und wird als künftig wiederkehrendes Angebot in das Ökowerk-Programm aufgenommen.
Vortrags – PDF (11.3MB) downloaden.
UPDATE: Nach gelungener Publikation und Ausstellung gibt es jetzt auch aktuelle Geschichten und Meldungen rund um das Erscheinen des Bildbandes zu lesen.
Ein Bildband mit Poträt-Fotografien von Dirk Vogel erscheint. Herausgeber ist die Robert-Havemann-Gesellschaft. In dem Buch werden die Fotos von 63 Frauen und Männern, die sich für Frieden, Menschenrechte, Freiheit und Demokratie in der DDR eingesetzt haben und zu den Akteuren der Friedlichen Revolution zählten, durch biografische Texte verschiedener Autoren und ein Essay von Claudia Rusch ergänzt. Die Porträts werden demnächst auch in einer Wanderausstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft zu sehen sein.
Mit der Robert-Havemann-Gesellschaft als Herausgeberin ist zur Jahreswende der Portrait-Bildband “Gesichter der Friedlichen Revolution” erschienen – obenstehend der zur Herausgabe publizierte Pressetext der Robert-Havemann-Gesellschaft.
Nachdem ich durch ERCO im letztem Jahr ein paar inspirierende Tage (und Abende) mit dem leidenschaftlichen Dortmunder Fotografen Dirk Vogel verbracht habe und nicht anders konnte, als mit ihm an der Portrait-Arbeit für den Bildband schwanger zu gehen (wir mögen jedes einzelne Gramm an dir Dirk), freue ich mich besonders heute diese kurze Nachricht posten zu können.
Übringens wurde gestern, am Vormittag des 15. Januar 2011, “STASI. Die Ausstellung zur DDR-Staatssicherheit” als neue Dauer-Ausstellung der BStU im frisch bezogenen Bildungszentrum der Stasi-Unterlagenbehörde in der Zimmerstraße 90/91 MAP nahe dem Checkpoint Charly durch Bundespräsident Christian Wulff eröffnet – auf den Tag 21 Jahre nach der Erstürmung der Stasi-Zentrale in Ost-Berlin durch Bürger der DDR am 15. Januar 1990.
Im ersten und zweiten Teil der Serie wurden die mit künstlerischer Schöpfung verknüpften Eigenschaften vorgestellt als auch die vom Kunstmagazin Monopol 2007 bestimmten zehn wichtigsten zeitgenössischen Künstler etwas näher unter die Lupe genommen. Im dritten Serienteil geht es nun zurück in die Vergangenheit.
Quelle: Stern.de
Passend zum Dilemma des Kunstmarkts: Peter Paul Rubens, “Das Massaker der Unschuldigen”, entstanden um 1610. Das Gemälde zeigt die biblische Szene, in der nackte Kinder von Soldaten Herodes ihren Müttern entrissen und getötet werden.
Da der gegenwärtige Kunstmarkt eigentlich Marktkunst heißen müsste und sich ständig selbst überbietende Rekordpreise im Zentrum der medialen Kunstberichterstattung stehen, werden diejenigen Künstler ein wenig näher betrachtet, deren Werke auf Auktionen die höchsten Gewinne eingefahren haben.
Alle zehn Werke, bzw. Bilder wurden bei Sotheby’s (mit Sitz in New York) oder Christie’s (mit Hauptquartier in London) versteigert. Wir begegnen dem Spanier Pablo Picasso, dem Schweizer Alberto Giacometti, dem Österreicher Gustav Klimt, dem Iren Francis Bacon, dem Niederländer Vincent van Gogh, den Franzosen Claude Monet und Edgar Degas sowie dem Flamen Peter Paul Rubens und ihren Werken. (Stand: Mai 2010)
- Was sind das für Werke, welche Geschichten verbergen sich dahinter?
- Und: Wird Kunst immer mehr zum Statussymbol?
Paris ist nicht nur die Stadt der Liebe
1. Künstler?! Fünf Thesen (I)
2. Künstler?! Die wichtigsten der Gegenwart (II)
3. Künstler?! Teuerste Werke (III)
4. Künstler?! Wie man berühmt wird (IV)
Im zweiten Teil der Serie hat sich gezeigt, dass die wichtigsten zeitgenössischen Künstler aus dem Okzident, aus den USA oder Europa stammen. Dies gilt in ähnlicher Weise auch für die Künstler der teuersten Werke der Welt, mit einem wesentlichen Unterschied: Diese zehn Kunstwerke stammen alle aus der Alten Welt, vor allem aus Südwesteuropa. Paris ist das Zentrum schlechthin und führt als Entstehungs- und Ausstellungsort die Liste der Städte, die in der geographischen Biographie der Bilder eine Rolle spielen, unumstritten an. Und so kann es auch keine Überraschung sein, dass der berühmteste Künstler aller Zeiten, Pablo Picasso (1881-1973), der einflussreichste künstlerische Schöpfer der Neuzeit, der nahezu alle Genre umfassende spanische Maler, Grafiker, Bildhauer und mit unmenschlicher Energie und Leidenschaft ausgestattete Lebemann mit gleich drei Werken in den TOP10 vertreten ist. Den Anfang macht an dieser Stelle allerdings Edgar Degas auf Platz zehn.
Die teuerste Pastellzeichnung: Degas’ „Danseuse au respos“ (10)
Die Tänzerin in Ruhestellung (1879) ist das einzige Bild in diesem erlauchten Kreis, das kein Gemälde ist. Die Pastellzeichnung von Edgar Degas (1834-1917) stellt sich während der Herbstauktionen 2008, inmitten von Horrornachrichten aus Wirtschafts- und Finanzwelt als große Überraschung heraus: 3,7 Mio. US-Dollar ist sie seinem neuen Besitzer wert.
Edgar Degas, „Danseuse au respos“ um 1879, Pastel und Gouache auf Papier, 59 x 64 cm
Interessant ist auch, dass es das einzige Werk ist, dass über 100 Jahre im Besitz einer einzigen Familie war: Es gehörte Degas’ Freund Jules-Emile Boivin und dessen Nachfahren, der es um 1885 für 1.200 Franc kaufte, um seinem Freund aus einer finanziellen Schieflage zu befreien. Sotheby’s begründet den hohen Preis damit, dass kein anderer Künstler seiner Zeit in der Lage gewesen ist, die besondere Atmosphäre der Theaterwelt so überzeugend und ergreifend darzustellen, wie Degas dies konnte.
Der teuerste Irrtum:
Peter Paul Rubens’ „Massaker der Unschuldigen“ (9)
Dieses Bild des in Deutschland geborenen Flamen Rubens (1577-1640), das um etwa 1610 entstanden und in einem bemerkenswerten Zustand ist, gehört zum Frühwerk des Barockmalers und Diplomaten. Vermutlich ist das der Grund, warum es jahrelang dem Rubens-Schüler Jan van den Hoecke zugeschrieben wurde und vor seiner Entdeckung 2001 lediglich einen Schätzwert von etwa 37.000 Euro hatte. Obwohl von den Besitzern mehrfach der Versuch unternommen wurde, das Bild zu verkaufen und es auch ausgeliehen wurde, wurde lange niemandem der Wert des Bildes bewusst.
Sotheby’s rechnete bei der Versteigerung im Juli 2002 mit einem Erlös von bis zu 10 Mio. Dollar. Eine solche Entdeckung, wie sie den Kunstexperten wohl nur alle 20 Jahre gelingt, hat seinen Preis – verkauft wurde es für mehr als das Siebenfache (76,7 Mio. USD).
80 Jahre unter Verschluss:
Claude Monets „Le Bassin aux Nymphéas“ (8)
Dieses Ölgemälde (1840-1926) mit einer Größe von etwa einem auf zwei Meter, das 1919 entstand, wurde zuletzt 1927 im Arts Club (Philadelphia) öffentlich gezeigt. An diesem Bild lässt sich ein enormer Preisanstieg verfolgen. 1971 wurde das Bild für 320.000 Dollar bei Sotheby’s versteigert, im Juni 2008 ging es für 80,5 Mio. US-Dollar an den Meistbietenden. Der Preis wird damit erklärt, dass dieses Bild, Teil einer Viererserie, das einzige ist, das noch öffentlich verfügbar ist.
Eines hängt im MoMA, eines wurde 1992 bei Christie’s versteigert und das vierte wurde in zwei Teile zerschnitten. Es ist zudem ein sehr persönliches Bild des Franzosen, der es nach vielen Jahren nur als Idee in seinem Kopf in seiner Spätphase malte. Als Vorlage dienten seine selbst angelegten Seerosenteiche.
Das unruhige Leben des Dr. Gachet (7)
Van Goghs (1853-1890) Gemälde „Porträts des Dr. Gachet” (1890, 68 x 57 cm) wurde 1990 für 85,2 Mio. US-Dollar von einem Japaner ersteigert. Anhand der Geschichte dieses Bildes lässt sich nachzeichnen, welche wechselvolle Biographie Bilder haben und wie sehr sie instrumentalisiert werden können.
Van Gogh wurde erst posthum berühmt und zwar durch eine geschickte Marketingstrategie des Kunstkritikers Julius Meier-Graefe, der den Niederländer zum „Christus der Moderne“ proklamierte. Vor allem die Geschichte des abgeschnittenen Ohres wurde missbraucht, um einen Künstlertypus zu kreieren, der zwischen Genie und Wahnsinn changiert. Die amerikanische Kunstgeschichtlerin und Journalistin Cynthia Saltzman hat in ihrem Buch „Das Bildnis des Dr. Gachet. Biographie eines Meisterwerkes“ die Geschichte des Bildes nachgezeichnet.
Nachdem der Künstler im Entstehungsjahr des Bildes gestorben war, wechselte das Bild in den Besitz von Theo van Gogh, dem Bruder des Malers. Dessen Witwe verkaufte es für 300 Francs an eine Sammlerin aus Dänemark. Der deutsche Kunsthistoriker Georg Swarzenski, der sich stark für die Museenlandschaft in Frankfurt am Main einsetzte, erwarb das Bild 1912 für das Frankfurter Städelmuseum. 1937 wurde das Bild als „entartete Kunst“ beschlagnahmt und von Hermann Göring (zusammen mit zwei anderen Bildern) für eine halbe Million Reichsmark an einen niederländischen Bankier veräußert. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges zog das Bild in die USA, gelangte dann vor etwa 20 Jahren nach Japan und wurde seitdem nie wieder gesehen. Weder der Zustand noch der Aufenthaltsort des Bildes sind zurzeit bekannt. emgesamt hatte das Bild 13 Besitzer.
Das teuerste Bild der Nachkriegszeit:
Francis Bacons „Triptych, 1976“ (6)
Dieses Bild ist mit einem Verkaufswert von 86,3 Mio. USD das teuerste Bild der Nachkriegszeit und wurde im Mai 2008 anonym versteigert. Es handelt sich bei diesem knapp zwei auf anderthalb Meter großem Triptychon um ein für den Künstler sehr typisches Bild, der sich in erster Linie für die Darstellung des menschlichen Körpers interessiert hat und dieses Werk mit einer Vielzahl bedeutungsgeladener Symbole angefüllt hat.
Francis Bacons „Triptych, 1976“, 1976, Öl auf Leinwand, drei Tafeln á 198.1 x 147.3 cm; falls nicht anders gekennzeichnet © The Estate of Francis Bacon 2006; Foto: Cate Gillon / Getty Images.
Dieser Hang zur Deformation versinnbildlicht Bacons Auseinandersetzung mit dem Thema Zerstörung und Verfall und ist vermutlich die Konsequenz der Dialektik zwischen einem exzessiven Lebensstil und der stark ausgeprägten Intellektualität des 1909 in Dublin geborenen und 1992 in Madrid verstorbenen Künstlers, der von sich selbst sagte: „Es gab so viel Krieg in meinem Leben“. Dieses Bild gehörte bis zur Versteigerung der Marlborough Gallery, London, von wo aus es unter anderem nach Paris, Kassel, Madrid, Moskau und New Haven (Yale University) ausgeliehen wurde.
Die Kopie des einst teuersten Bildes der Welt:
Klimt’s Bildnis der „Adele Bloch-Bauer II“ (5)
Adele Bloch-Bauer war die Frau des schwerreichen Industriellen und Mäzen Ferdinand Bloch-Bauer und wurde von Gustav Klimt (1862-1918) zweimal gemalt. Diese zweite Version (1912) ist ein klassisches Jugendstilgemälde, das die Porträtierte in edler Kleidung vor einem farbenfrohen Hintergrund zeigt. Im November 2006 wurde es für 87,9 Mio. USD versteigert. Die erste Version, auch als die „Goldene Adele“ bekannt, ging 2006 für 135 Mio. USD an einen Sprössling der Mode-Dynastie und Präsidenten des Museum of Modern Art, Ronald Lauder. Es avancierte kurzzeitig zum teuersten Bild der Welt, wurde dann aber wenige Monate später von Jackson Pollocks No. 5 (140 Mio. USD) abgehängt.
Picassos Bilder eines „Garcon á la pipe“ und seiner Geliebten
Dora Maar (3 & 4)
Auf Platz drei und vier befinden sich Picassos „Junge mit Pfeife“ (1905) für 104 Mio. US-Dollar (Mai 2007) sowie „Dora Maar mit Katze“ (1941) für 95,2 Mio. US-Dollar (Mai 2006). Picassos Garcon gehört thematisch in den Übergang von der Blauen zur Rosa Periode. Es ist sicherlich eines der schönsten Bilder Picassos und führte die Liste der teuersten Werke jahrelang auch an. Er selbst sagte über dieses Ölgemälde, er habe „dieses Werk zu einem Meisterwerk gemacht“. Es ist ein zudem ein Beispiel dafür, wie bedeutend der Einfluss des Zufalls am Gelingen eines großartigen Bildes sein kann. So hatte Picasso schon längere Zeit daran gearbeitet. Eines Abends kam er in sein Atelier:
„[...] and dramatically transformed in a moment of sudden empiration.”
Pablo Picasso „Junge mit Pfeife“, 1905, Öl auf Leinwand, 100 x 81.3 cm; Privatbesitz.
Vor einem mit Blumen geschmückten rosabraunen Hintergrund sitzt ein in Blau gekleideter junger Mann, der den Betrachter nachdenklich und skeptisch anblickt und eine Pfeife in der Hand hält. Die beiden Gesichtshälften drücken unterschiedliche Stimmungen aus. Während die linke Hälfte, die perspektivisch auch größer wirkt, aufmerksam schaut, wirkt die hintere, rechte Hälfte melancholisch und verhärtet.
Der „Junge mit Pfeife“ steht im Gegensatz zu Picassos „Dora Maar“: dieses Bild war bis zu seiner spektakulären Versteigerung der Öffentlichkeit kaum bekannt. Der Junge mit Pfeife hingegen war allein in den 1950er Jahren fünfmal in den USA zu sehen, davon allein dreimal im Museum of Modern Art (New York).
Versteigerung bei Sotheby’s New York im Jahr 2006 – „Dora Maar au chat“, 1941, Öl auf Leinwand, 130 x 97 cm; Foto: Timothy A. Clary / AFP / Getty Images.
Das Ölbildnis, das Picassos Geliebte von Mitte der 1930er bis Anfang der 1940er Jahre, Dora Maar, darstellt, zeigt die Muse, die einer Heiligen gleich aufrecht auf einem Stuhl vor einem hellen Hintergrund, eine Katze auf der Lehne, sitzt. Sie präsentiert sich in kräftigen Farben, einem Hut und lackierten Fingernägeln. Dieses für Picasso typische Porträt zeigt Frau Maar gleichzeitig im Profil als in der Frontansicht, mit einem Lächeln im Gesicht. Das Bild hatte in seiner 70jährigen Geschichte nur drei Besitzer, einer davon der legendäre Berliner Kunstsammler Berggruen und wurde in dieser Zeit nur dreimal öffentlich gezeigt, zuletzt 1968 am Arts Institute of Chicago.
Mit großen Schritten auf Platz zwei:
Alberto Giacomettis “L’homme qui marche I”
Dieses Meisterstück Giacomettis, eine 1,83 m hohe Plastik in sechs Bronzegüssen und vier Künstlerexemplaren aus dem Jahr 1960, zeigt einen hageren, leicht nach vorn gebeugten, „schreitenden Mann“ mit überlangen Gliedmaßen und war ihrem neuen Besitzer im Februar 2010 104,3 Mio. US-Dollar wert. Eine der Ikonen moderner Kunst ist seit 1998 auf dem Schweizer 100-Franken-Schein abgebildet.
Nach einer surrealistischen Phase seit dem Ende der 1920er Jahre im Kreise von Louis Aragon, Jean Cocteau, Max Ernst oder Joan Miró hatte Giacometti (1901-1966) schon seit Mitte der 1930er Jahre mit der Modellierung von kleinen Plastiken begonnen und fasste damit vor allem Freunde und Bekannte in eine Figur. Aus diesen Miniaturen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg erste Skizzen von Figuren mit überlangen Extremitäten. Die Bronzeplastik hat trotz ihres schmalen Körperbaus etwas Entschlossenes, was auch durch den nach vorn gebeugten Körper betont wird. Die herabhängenden Arme verweisen allerdings auf eine eher abwartende Position. Die Autorin, Kuratorin und Giacometti-Exptertin Valerie J. Fletcher formulierte es so: „Walking Man I stands as a symbol of humanity always striving, ever seeking“.
Das teuerste Gemälde der Welt:
Nackte, grüne Blätter und Büste
Dieses Ölgemälde mit dem Originaltitel „Desnudo, hojas verdes y busto“ (eng.: Nude, Green Leaves and Bust) stammt aus dem Jahr 1932 und somit aus einer Periode, in der Picasso (nach der etwa eine Dekade bis 1919 dauernden kubistischen Phase) sich von Klassizismus und Surrealismus beeinflussen ließ. Seine bevorzugten Motive aus dieser Zeit sind Künstler & Modell sowie der Minotaurus bzw. Stier, der für Wolllust und Rücksichtslosigkeit steht und auch im wichtigsten Bild dieser Phase „Guernica“ (1937) eine wesentliche Rolle spielt. Blau- und Grüntöne domineren das Bild. Eine Frau, Picassos Geliebte Marie-Thérèse Walter, liegt am unteren Rand des Bildes auf dem Rücken neben einer Schale mit Äpfeln und reckt sich wollüstig vor einem blauen Vorhang. Rechts über ihr steht eine ihr ähnlich sehende Büste auf einem antiken Sockel, links über ihr ranken sich die grünen Blätter einer Pflanze. Warum es diesen Wert hat, vermag man nicht sagen. Vielleicht spielt eine Rolle, dass das Bild in das „annus mirabilis“ (1931-32) fällt, dem kreativsten Jahr des Künstlers, wie sein Biograph John Richardson schreibt.
Pablo Picasso: Gott unter Schöpfern
Dieser Künstler hat mit seiner epochemachenden thematischen wie auch technischen Breite, mit seiner explosionsartigen Ausdruckskraft einen nicht mehr zu fassenden Einfluss auf einen Großteil der ihm Nachgeborenen gehabt.
In einem Lexikon hat der Picasso-Experte Professor Johannes M. Fox die unglaublichen Details und Facetten der Personifizierung der Modernen Kunst zusammengetragen. Demnach hat Picasso etwa 37.000 Werke geschaffen und jedem einzelnen Tag seines Lebens mehr als ein Werk entgegengestellt („Nackte, grüne Blätter und Büste“ ist nach dieser Kalkulation in weniger als 24 Stunden entstanden; bei einem Preis von 106 Millionen US-Dollar liegt der Sekundenlohn Picassos bei etwa 1.200 USD). Zum umfassenden Werk des Spaniers gehören:
- Ölbilder,
- Grafiken,
- Skulpturen,
- Keramiken,
- Bühnenbilder,
- Gedichte,
- Fotografien und vieles mehr.
Picasso ist DAS Sinnbild für Kreativität, Ausdruckskraft, Mannigfaltigkeit, Lebensfreude und ein Beispiel dafür, wie sehr eine außergewöhnliche, vor Kraft trotzende, aber auch charakterlich unlenksame Persönlichkeit die Chora einer Schöpferkraft ist, wie sie ihresgleichen sucht und vermutlich immer suchen wird.
Picasso und der Wunsch, zu masturbieren
Die beiden zuletzt im Jahr 2010 versteigerten Werke sind auch die teuersten. Solange die Reichen immer reicher werden und über riesige finanzielle Ressourcen verfügen, sich auch die Neumilliardäre aus Russland, Indien und China immer mehr für Kunst, entweder als Anlage- oder Prestigeobjekt, interessieren, werden die Preise für die Klassiker der Moderne in der Zukunft weiter steigen.
Über den Wert der Kunst sagt das nicht viel aus. Die Soziologen Jörg Rössel und Jens Beckert haben in einer Studie über den Zusammenhang von Kunst und Preisen 2004 festgestellt, dass „kunstinterne Bewertungen und Aktivitäten … die Reputation und die öffentliche Wahrnehmung eines Künstlers ermöglichen und konstruieren“ und eben dieses Image für die Preisbestimmung von immanenter Bedeutung ist.
Der Londoner Blogger Tom Flynn drückt es etwas weniger wissenschaftlich aus:
„The very name Picasso is enough to have art investment fund managers and hedge fund billionaires masturbating into their spreadsheets.”
Aus träumerischer Farbgebung, eindrucksvoller Ikonographie, aus ergreifender Transzendenz und genialem Subtext werden Zyklen, Indizes, Dividenden und Blue Chips.
Post Scriptum
Berechnet man den Wert pro cm2 der Werke, erhält man (Giacometti ausgeschlossen), beginnend mit dem letzten Platz: Bacon, Rubens, Klimt, Monet, Picasso (Nackte), Picasso (Maar), Degas, Picasso (Garcon) und als den großen Gewinner Vincent van Gogh mit seinem Bild, von dem man nicht weiß, ob es überhaupt noch existiert, weil der 1996 verstorbene letzte Besitzer folgenden Wunsch hatte:
„Legt das Bild in meinen Sarg, wenn ich sterbe [...]“
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
Literatur:
- Fox, Johannes M. (2008): „Picassos Welt (2 Bände). Personen, Orte, Werke, Einflüsse, Sammlungen. Ein Lexikon.“, Projekte-Verlag.
- Rössel, Jörg & Jens Beckert (2004): „Kunst und Preise. Reputation als Mechanismus der Reduktion von Ungewissheit am Kunstmarkt.“, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 56(1): 32-50.
Bei soviel Gier darauf, Kunst “zu besitzen” verschlägt’s mir erstmal die Sprache. Anregungen, Fragen und Kritik beantworten wir wie immer gern hier – danke Euch.
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Im ersten Teil dieser Serie wurden die mit künstlerischer Schöpfung verknüpften Eigenschaften Abweichung, Stilgefühl, Integrität, die Bedeutung des Handwerks sowie Konzentration vorgestellt, die sich aus der Lektüre von Zitaten von Dichtern, Philosophen und Künstlern über ihre Profession ergeben haben. In diesem zweiten Teil, der im Rahmen unserer ARTlectric-Ausschreibung gestellten Frage “Was macht den Künstler zum Künstler?”, werden nun die vom Kunstmagazin Monopol im Jahr 2007 bestimmten zehn wichtigsten zeitgenössischen Künstler etwas näher unter die Lupe genommen.
- Was haben diese Künstler gemein oder worin unterscheiden sie sich?
- Können aus ihrer Herkunft,
- ihrer Ausbildung,
- der Art ihrer ersten und größten Erfolge,
- aus den von ihnen bevorzugten künstlerischen Methoden und Techniken
- und aus den in ihren Werken transportierten Botschaften
weitere Rückschlüsse darauf, was den Künstler zum Künstler macht, gezogen werden? Die von Monopol gewählten wichtigsten Künstler der Gegenwart sind: Isa Genzken (D), Richard Prince (USA), Jeff Koons (USA), John Baldessari (USA), Gerhard Richter (D), Damien Hirst (GB), Bruce Nauman (USA), Peter Doig (GB/SCO), Louise Bourgeois (FRA/USA) und Wolfgang Tillmans (D).
Gerhard Richter, “Zwei Liebespaare”, 1966, Öl auf Leinwand, 115 x 160 cm; falls nicht anders gekennzeichnet © Gerhard Richter / mit freundlicher Genehmigung des Künstlers; Daros Collection, Fondation Beyeler, Schweiz.
Die Herkunft bleibt in Kopf und Seele
Wenig überraschend wirkt das Faktum, dass alle zehn Künstler aus dem Okzident, aus den USA oder Europa stammen. In der Rangliste finden sich drei Deutsche, vier Amerikaner, zwei von den Britischen Inseln sowie eine Französin. Relativiert man diese Anzahl um die Größe der Länder, fällt die Bedeutung Deutschlands für die zeitgenössische Kunst auf.
Noch bemerkenswerter ist, dass sich alle deutschen Künstler einem Ort verhaften lassen: der Kunstakademie Düsseldorf, was ebenso für den Amerikaner Bruce Nauman (s. auch Innen und Außen: Bruce Nauman und Olafur Eliasson) als auch für den Schotten Peter Doig zutrifft. Die deutschen Metropolen Berlin, Hamburg oder München sind zum Zeitpunkt der Wahl nur Randerscheinungen. Für die Hauptstadt könnte sich dies in den nächsten Jahren allerdings ändern.
Seit ca. 5 Jahren ist eine vielseitige Kunstszene, sowohl eine lebendige Off-Szene als auch eine Bühne für etablierte Galerien und Kunstexperten entstanden, die sich vom Pionier-Galerienviertel „Mitte“ langsam über die ganze Stadt ausbreitet und bis heute sogar in die Schmuddelkieze der Potsdamer Straße MAP oder nach Neukölln MAP vorgedrungen ist. Zudem ist die Stadt im nationalen und internationalen Vergleich hinsichtlich der Lebenshaltungskosten ein wahres Paradies und viele, vor allem nordeuropäische Künstler nutzen die Gelegenheit, die preiswerten Ateliers in ehemaligen Industrieanlagen oder Regierungsgebäuden der DDR zu besetzen. Einige sehr erfolgreiche Galerien wie beispielsweise Sprüth Magers haben ihre Hauptresidenzen an die Spree verlegt. Bei den amerikanischen Künstlern ist entweder die Metropole der Ostküste, der „Big Apple“, der wesentliche Anziehungspunkt oder die an der Westküste gelegene „Stadt der Engel“ die Inspirationsquelle. Ebenfalls erstaunlich ist das durchschnittliche Alter der hier präsentierten Künstler, das bei etwa 65 Jahren liegt. Der jüngste ist der Deutsche Tillmans (*1968), die älteste die im letzten Jahr verstorbene Louise Bourgeois (*1911).
Wolfgang Tillmans, “Freischwimmer”, 2003, Chromogen-Entwickler auf gerahmtem C-Typ Druck, 280 x 140 cm; falls nicht anders gekennzeichnet © Wolfgang Tillmans; Galerie Daniel Buchholz, Köln.
„Aller Kunst muss das Handwerk vorausgehen …“
So heißt es schon in Goethes „Wilhelms Meister Wanderjahre“. Eine gute Ausbildung ist in fast jedem Beruf die Basis für Erfolg, auch wenn Quereinsteiger den Mut zur Lücke immer wieder beweisen und mit Glück sowie Beharrlichkeit ebenso Chancen haben, erfolgreich zu werden. In der Monopol-Liste ist Richard Prince derjenige, der keine Universität besucht und keine institutionell verankerte künstlerische Ausbildung genossen hat.
Dass allerdings neun von zehn der wichtigsten zeitgenössischen Künstler ihr Handwerk und ihre Kenntnisse an Hochschulen oder Kunstschulen erworben haben, manche sogar an mehreren, bestätigt die These, dass „Handwerk goldenen Boden“ hat. Doch es gibt Unterschiede. Während die Hälfte der Künstler ein durchschnittliches künstlerisches Studium absolviert hat, haben zwei der Künstler, John Baldessari und Peter Doig über einen Zeitraum von zehn Jahren ihre Kenntnisse und Fähigkeiten an unterschiedlichen Universitäten erhalten. Und auch Gerhard Richter hat vor dem Studium eine zusätzliche Ausbildung zum Schriften- sowie Bühnen- und Werbemaler absolviert. Zwei der Künstler, Tillmans und Doig, unterrichten als Professoren mittlerweile selbst angehende Künstler an der Frankfurter Städelschule sowie an der Düsseldorfer Kunstakademie.
„[...] Studierenden die Pforte zur Kunst als umfassendes Universum zu öffnen und somit die Leidenschaft zu entfachen, in Kunst und Kultur aufzugehen [...]“
Und noch eines ist bemerkenswert: Bruce Nauman hat neben Kunst auch Mathematik und Physik studiert und sieht sich selbst von Persönlichkeiten beeinflusst, die mit Kunst weniger zu tun haben: Ludwig Wittgenstein, Samuel Beckett oder John Cage. Was ist die Aufgabe eines Studiums, was soll es vermitteln? Wenn durch das soziale Umfeld, beispielsweise durch künstlerische Berufe der Eltern, der Zugang zur Kunst nicht schon vor dem Studium gelegt wurde, besteht der wichtigste Auftrag darin, den Studierenden die Pforte zur Kunst als umfassendes Universum zu öffnen und somit die Leidenschaft zu entfachen, in Kunst und Kultur aufzugehen, also die Basis für eine ästhetische oder philosophische Wahrnehmung zu schaffen.
Peter Doig, “Lapeyrouse Wall”, 2004, Öl auf Leinwand, 200 x 250.5 cm; falls nicht anders gekennzeichnet © Peter Doig; Werk in Privatbesitz und zur Schenkung dem MoMA, New York avisiert.
Eine weitere Aufgabe ist natürlich die Ausbildung im Handwerk, das Heranführen an verschiedene Techniken, das Experimentieren und Vertiefen sowie die theoretische Ausbildung, das Lehren der stilistischen Elemente verschiedener Kunstepochen und ihrer gesellschaftlichen Einbettung. Im besten Fall erhalten die Studierenden eine interdisziplinäre Ausbildung, um die Berührungspunkte zur Literatur, zur Musik und vielleicht auch zu den Naturwissenschaften aufzuspüren und damit die Fähigkeit zu erlangen, grenzüberschreitend zu denken.
Erfolg ist die Kunst …
„[...] dem Sinnvollen das Rentable vorzuziehen.“
So denkt ein Wirtschaftswissenschaftler wie Helmar Nahr. Zum Glück gilt dieses Dogma für die meisten unserer Künstler nicht.
Erfolg ist den hier porträtierten Künstlern teilweise schon in sehr frühen Jahren vergönnt gewesen, einige von ihnen sind mit dem ersten großen Erfolg weltberühmt geworden, manche viele Jahre von der Masse unbeachtet und ein Geheimtipp geblieben. Die meisten jedoch haben sich Stück für Stück in kleinen Schritten etabliert.
Ein Grund für den oft frühen Erfolg ist sicherlich die fortschreitende Globalisierung, die auch vor der Kunstwelt nicht halt macht, die wachsende Macht der Medien sowie elaborierte Marketingmaßnahmen der Künstler oder ihrer Agenten. Bis auf Louise Bourgeois können alle Künstler vor ihrem 40. Lebensjahr einen ansehnlichen Erfolg verbuchen: Auftritte auf großen, etablierten Ausstellungsplattformen wie der Documenta, Rekordpreise für versteigerte Einzelwerke im (manchmal zweistelligen) Millionenbereich, Ehrungen für das Lebenswerk auf internationalen Ausstellungen wie der Biennale Venedig, Präsentationen in den großen Museen und Galerien wie des New Yorker MoMA, der Londoner Tate, dem Centre Pompidou oder gar vollmundige Vergleiche mit dem wohl berühmtesten Künstler des 20. Jahrhunderts, Pablo Picasso, eine Analogie die „The Guardian“ in Bezug auf Gerhard Richter nicht scheut.
Ein besonderer Erfolg wird Wolfgang Tillmans im Jahr 2000 zuteil, der als der erste nicht aus England stammende Künstler den renommierten Turner Prize erhält. Wenn sich Erfolg am Geld bemisst, dann ist wohl Damien Hirst der erfolgreichste, der als reichster Künstler der Gegenwart gilt.
Doch wer ist der berühmteste? Wenn man eine Googleanfrage formuliert (der Name des Künstlers sowie die Stichworte „art“ bzw. „Kunst“), führt dies zumindest in der Tendenz zu einer Beantwortung dieser Frage.
Jeff Koons, “Michael Jackson and Bubbles”, 1988, Keramik, 106.7 x 179.1 x 82.5 cm; falls nicht anders gekennzeichnet © Jeff Koons / The Broad Art Foundation, Santa Monica; Foto © Douglas M. Parker Studio, Los Angeles.
Bei der ersten Anfrage („art“) gibt Jeff Koons den Ton an, gefolgt von Gerhard Richter und Richard Prince. Bei der zweiten Anfrage („Kunst“) sitzt Gerhard Richter auf dem Thron, gefolgt von Damien Hirst und Jeff Koons. Auch wenn eine solche Anfrage nur einen Kurs aufzeigen kann, liegen Wolfgang Tillmans und Richard Prince mit weniger als 100.000 Hits im der deutschen Kategorie auf den letzten Plätzen, im englischsprachigen Bereich führt Peter Doig, relativ abgeschlagen, die Negativliste an.
Kunst der Gegenwart – das Ende der Malerei?
Die Methoden und Techniken, Kunst zu machen sind vielförmig und werden sich in Zukunft, begleitet vom Trend der Interdisziplinarität, noch weiter differenzieren. Steht bis zu Beginn der Postmoderne die Malerei sowie auch die Bildhauerei im Fokus der Kunst, haben sich vor allem Installationen und Fotografien durchgesetzt und ihre Gestalter berühmt gemacht.
Die meisten der hier dargestellten Künstler haben die Installation zur Hauptfigur ihrer Kunst erhoben, die anderen verstreuen sich zu gleichen Anteilen auf Fotografie, Konzept- und Medienkunst sowie Malerei. Einige von ihnen sind vielseitig aktiv und legen sich kaum auf ein Medium fest, wie beispielsweise Baldessari oder Genzken. Die jüngeren unter den Künstlern (Tillmans, Hirst und Doig) haben sich mit ihrer Methode mehr oder weniger auf eine Technik festgelegt, Tillmans und Doig haben sogar nur eine Technik zu ihrem Ausdrucksmittel gemacht.
Isa Genzken, “Church (Ground Zero)”, 2008, verschiedene Materialien; falls nicht anders gekennzeichnet © Isa Genzken; Foto © Hauser & Wirth Zürich/London, sowie Galerie Daniel Buchholz, Köln.
Und auch die Originalität der Techniken spielt keine übergeordnete Rolle. Lediglich Damien Hirst hat mit völlig neuen Gestaltungsformen, seinem in Formaldehyd eingelegten Hai oder mit Diamanten besetzten Schädel, Aufmerksamkeit erregt. Nimmt man die beiden berühmtesten Künstler, Gerhard Richter und Jeff Koons, als Maßstab, kann man ein größeres Interesse an Skulpturen und Malerei sowie Fotografie ableiten.
Was will uns der Künstler damit sagen?
Jeder respektierte Künstler unternimmt mit der Schaffung eines Kunstwerkes den Versuch, etwas mitzuteilen; dies kann entweder eine gesellschaftspolitische Botschaft sein, aber auch einfach nur ein Ausdruck eines inneren Zustandes, eine Aufarbeitung eines individuell drängenden Themas.
„Die Kunst ist ein Privileg zu sublimieren.“
— Louise Bourgeois (* 25. Dezember 1911 in Paris; † 31. Mai 2010 in New York City)
Die Kunst ist ein „Privileg zu sublimieren“, wie Bourgeois das formuliert hat. Doch neben dieser persönlichen Aufarbeitung steht auch noch die gesellschaftskritische Dimension im Fokus der Arbeiten der französischen Künstlerin und sie schafft damit eine „völlig eigenständige Sprache“ (SPIEGEL).
Mit seiner Re-Fotografie ist auch Prince kritisch, indem er zu Ikonen aufgestiegene Konsumobjekte „aus der perfekten Werbewelt in die unperfekte Wirklichkeit zurückholt“ (SPIEGEL), auch wenn hier ein fader Beigeschmack bleibt: Prince wird als Urheber des teuersten Einzelfotos der Welt selbst zu einem Beispiel der Kultur, die er kritisiert und karikiert.
Auf Verstörung und Konfrontation setzen die Amerikaner Koons und Nauman. Während Koons die fast klinisch anmutenden Oberflächen seiner Skulpturen nutzt, um „schmutzige“ Motive darzustellen, konfrontiert Nauman sein Publikum mit der Suche nach der eigenen Wirklichkeit. Seine Objekte bieten die Möglichkeit zur Selbsterfahrung, zur Reflexion, zum Perspektivenwechsel. Nauman ist der Therapeut unter den Künstlern, der die Besucher in Situationen drängt, in denen sie mit sich selbst und ihren inneren Zwängen und Wünschen in Widerspruch gesetzt werden.
Die individuelle, subjektive Darstellung der Realität steht bei den zu Beginn der 1930er Jahre geborenen Baldessari und Richter eine erhebliche Rolle – die Aufdeckung von Unvereinbarkeiten und Unstimmigkeiten. Interessant ist auch, dass beide Künstler einen Teil ihrer Kunst verbrannt haben: Richter vor der Flucht in die Bundesrepublik zu Beginn der 1960er Jahre, Baldessari in seinem Aufsehen erregenden „Cremation Project“ etwa zehn Jahre später. Der SPIEGEL sieht Gerhard Richters Verdienst in der Etablierung des „Zweifels an der Darstellbarkeit“ und so ist auch sein Werk von Widersprüchen geprägt. Einerseits sieht er sich der fotorealistischen Darstellung verbunden, andererseits der Abstraktion, die sich in seinen Glas- und Spiegelobjekten sowie Installationen zeigt. Richter seziert die Gegenwart, indem er sich wie ein Wissenschaftler forschend und experimentierend mit ihr auseinandersetzt und damit auch wieder Nauman begegnet.
John Baldessaris Studio mit zum letzten Mal, vor ihrer Verbrennung im “Cremation Project” ausgestellten Werken, 1970; Foto © John Baldessari, Los Angeles.
Der Brite Hirst sieht sich dem Kommerz auf das Stärkste verhaftet. 1988 gründet er die Young British Artists (YBA), organisiert die Kunstmesse Frieze, dreht Musikvideos, produziert Pop-Songs und richtet sich ein Restaurant ein. Hirst ist damit ein regelrechter Celebrity und steht in einer Liste mit Superstars, die über ihre eigentliche Profession hinaus überall mitmischen – ein „Businessartist“ wie der SPIEGEL treffend beschreibt.
Das Gegenteil ist Peter Doig. Seine Vorliebe für Landschaften ist vielleicht auf seine „Jugenderinnerungen an die kanadische Wildnis“ (SPIEGEL) zurückzuführen. Vielleicht sehnt er sich nach Ruhe und Meditation, nachdem er als Kind nie länger als drei Jahre irgendwo gewohnt und insgesamt neun Schulen besucht hat.
Grundlagen für die Arbeit als Bildhauerin erhielt die Französin
Louise Bourgeois an der „École Nationale Supérieure des Beaux-Arts“ in Paris Mitte bis Ende der 1930er Jahre, als es noch nicht üblich war, Frauen eine Hochschulbildung anzuerkennen. Unter Umständen ist es genau diese Benachteiligung, die aus der Künstlerin eine streitlustige, unerschrockene Persönlichkeit gemacht hat:
„Mich interessieren die Ambitionen der Menschen (…), ihr enormer Drang, ihren Platz in der Welt zu verteidigen“.
Bourgeois hat die Kunst immer als Privileg betrachtet, ihre Kindheit aufzuarbeiten. Tillmans ist ein Beobachter, der ein ästhetisches wie politisches Interesse hat. Er selbst sagt über sich: „Ich mache Bilder, um die Welt zu erkennen“. Seit Anfang des neuen Jahrtausends erprobt sich Tillmans auch in Abstrakter Fotografie. Bekannt geworden sind vor allem seine Freischwimmer.
It didn’t exist until I did it
1. Künstler?! Fünf Thesen (I)
2. Künstler?! Die wichtigsten der Gegenwart (II)
3. Künstler?! Teuerste Werke (III)
4. Künstler?! Wie man berühmt wird (IV)
Um ein Künstler zu werden, ist eine institutionell verankerte Ausbildung von essentiellem Belang, zumal sich daraus erste Kontakte ergeben können, die zu ersten Ausstellungen führen. Innerhalb dieser Lebens- und Schaffensphase ist zudem auch die Heranführung an die Kunst und die Entfachung einer Leidenschaft für diese Kulturgattung von Bedeutung. Weiterhin wird hier zumeist die Basis für die dem eigenen Selbst am ehesten entsprechende Technik gelegt. Durch das Experimentieren mit unterschiedlichen Materialien tritt das Bevorzugte bald an den Tag. Die Auseinandersetzung mit den wichtigsten Künstlern hat nach dem ersten Teil dieser Reihe bis hierher gezeigt, dass keine Technik automatisch Erfolg verspricht. Sie muss nur authentisch sein und deshalb ist es umso wichtiger, solange zu experimentieren, bis die Funktion ihre Form gefunden hat.
Außerdem scheint es, zumindest in der Gegenwart, von Vorteil zu sein, Amerikaner oder Westeuropäer zu sein, um wirklich erfolgreich zu werden. Die zunehmende Globalisierung wird dies sicherlich bald ändern, wie die Prominenz des chinesischen Künstlers Ai Weiwei zeigt. Viele der hier porträtierten Künstler haben eine Geschichte, sie haben Lebenserfahrungen gesammelt, an unterschiedlichen Orten und in verschiedenen Kulturen gelebt. Wer in der Kunst erfolgreich sein will, muss hinaus aus seiner Welt: sich ausprobieren, Perspektiven sammeln und die Fähigkeit erlangen, grenzüberschreitend zu denken. Denn die Aneignung eines übergreifenden Denkens, die intellektuelle oder philosophische Auseinandersetzung mit der Welt und sich selbst, ist für die Entwicklung einer Botschaft, Kritik, Subversion oder einfach nur die individuelle Auseinandersetzung mit der Welt sein kann, unabdingbar.
Kunst braucht einen Antrieb, Kunst braucht Leidenschaft, nicht nur für die Kunst selbst, sondern auch für das Leben an sich. Und nicht zu vergessen: Kunst ist Tat, wie Damien Hirst im Jahre 1995 nach der Kritik, dass jeder in der Lage sei, diese Art von Kunst zu schaffen, bemerkt:
„It’s very easy to say, I could have done that, after someone’s done it. But I did it. You didn’t. It didn’t exist until I did it.“
— Damien Hirst
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
So… der Artikel ist lang geworden, aber sicher nicht zu lang – für Eure Anregungen sind wir wie immer offen und beantworten Eure Fragen gern hier.
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Die Frage „Was ist Kunst?“ hat sich schon Platon gestellt und bislang hat noch niemand eine einfache und damit befriedigende Erklärung gefunden. Zu komplex ist dieses Phänomen.
Diese Serie wird auch keine Auskunft darüber geben, vermutlich, weil es keine Antwort gibt. Die Beurteilung der Qualität von Kunstwerken ist eine höchst subjektive Angelegenheit – und das ist auch gut so. Wichtig ist, dass sie wirkt und nicht, warum. Wie schon in unserer ARTlectric-Ausschreibung angekündigt, möchte sich diese vierteilige Serie allerdings der Frage annähren: Was braucht es zum Künstlersein? Und was macht den Künstler zum Künstler?
Aber nicht die Beantwortung dieser vielschichtigen, sicherlich polarisierenden Angelegenheit steht im Vordergrund; vielmehr soll es darum gehen, einen Diskussions- und Inspirationsraum zu öffnen.
Unterschiede in Gemeinsamkeiten
1. Künstler?! Fünf Thesen (I)
2. Künstler?! Die wichtigsten der Gegenwart (II)
3. Künstler?! Teuerste Werke (III)
4. Künstler?! Wie man berühmt wird (IV)
Im ersten Teil kommen nicht nur bildende Künstler, sondern auch Dichter, Schriftsteller & Philosophen zu Wort. Anhand von Zitaten von Schöpfergeistern und Gestaltern werden fünf Eigenschaften herauskristallisiert, die ein Künstler ihrer Meinung nach haben sollte.
Im zweiten Teil werden die zehn wichtigsten, zeitgenössischen Künstler, vom Kunstmagazin Monopol im Jahr 2007 bestimmt, unter die Lupe genommen und der Versuch gestartet, ihren gemeinsamen Nenner zu finden. Es handelt sich um: Isa Genzken (D), Richard Prince (USA), Jeff Koons (USA), John Baldessari (USA), Gerhard Richter (D), Damien Hirst (GB), Bruce Nauman (USA), Peter Doig (GB/SCO), Louise Bourgeois (FRA/USA) und Wolfgang Tillmans (D).
Im dritten Serienteil geht es zurück in die Vergangenheit. Es werden die Künstler ein wenig näher betrachtet, deren Werke als die teuersten der Welt gelten (Stand: Juni 2008). Wir begegnen dem Amerikaner Jackson Pollock (1.), dem Österreicher Gustav Klimt (2., 5.), dem Spanier Pablo Picasso (3., 4.), dem Iren Francis Bacon (6.), dem Niederländer Vincent van Gogh (7.), den Franzosen Claude Monet (8.) und Auguste Renoir (9.) sowie dem Flamen Peter Paul Rubens (10.). Was sind die gravierenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser Berühmtheiten?
Im abschließenden vierten Teil werden die gewonnenen Erkenntnisse resümiert. Außerdem wird eine Sammlung von (nicht ganz ernst gemeinten) Ratschlägen präsentiert, wie man am besten und / oder schnellsten ein berühmter Künstler wird.
Profession und These
Sicherlich haben sich schon viele gefragt, was denn den Künstler zum Künstler macht, unabhängig von Kunstinteresse und Bildung. Entweder, weil sie das Werk einer Person nicht als Kunst empfinden oder weil sie vom Künstlerdasein, das oft nicht der Wirklichkeit entspricht, beeindruckt sind. Es gibt sicherlich mehr Menschen, die davon träumen, als sie zugeben würden.
Das Bild dieser Profession ist verklärt, manchmal wird es auch abwertend betrachtet. Wenn jemand von einem „Überlebenskünstler“ spricht, ist das durchaus anerkennend gemeint. Von der Ratio diktierte Erfolgsmenschen benutzen Begriffe wie „Künstlerpack“ mitunter abfällig.
Wir nähren wir uns also der Frage an, was den Künstler zum Künstler macht und lassen nun einfach die Künstler selbst zu Wort kommen. Schaut man sich an, was Künstler (wie gesagt, unter ihnen auch Schriftsteller, Dichter und Philosophen) über Künstler sagen, entstehen bald einige Thesen.
Cindy Sherman, “Untitled”, 2010, Pigmentdruck auf selbstklebendem Phototexstoff (Abmessungen variabel); falls nicht anders gekennzeichnet © Cindy Sherman / mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin; Sprüth Magers, London.
1) Abweichung
Künstlertum zeichnet sich durch eine Andersartigkeit aus, durch eine Differenz von der Norm, durch das Hören auf die innere Stimme, durch spielerische Unkonventionalität, die auch anarchistische Züge tragen darf.
Dies machen die folgenden Stimmen deutlich:
Der irische Schriftsteller und Lebemann Oscar Wilde (1854-1900) ist der Meinung, dass „der Künstler der einzige Mensch [ist], der nie ernsthaft ist“, obwohl die Kunst „das einzig Ernsthafte auf der Welt ist“. Und weil die Kunst ernsthaft (also aufrichtig, bedeutungsvoll und ehrlich) genug ist, ist „die beste Regierungsform für den Künstler“ gar keine Regierung. Und noch etwas weiß Wilde über den großen Künstler:
„[der Künstler] sieht die Dinge niemals so, wie sie sind“, denn „wenn er sie so sähe, wäre er kein Künstler mehr“.
— Oscar Wilde, irischer Schriftsteller und Lebemann
Der britische Autor und Journalist Gilbert Keith Chesterton (1874-1936) unterscheidet den guten vom schlechten Künstler. Der eine ist jener, „den man verstehen kann“, der andere, „der immer missverstanden“ wird. In diese Kerbe schlägt auch der österreichische Schriftsteller, Aphoristiker und Übersetzer Alfred Polgar (1873-1955), der glaubt, dass der Kritiker, „den Künstler, den er nicht versteht, das fühlen“ lässt. Und der Künstler wiederum, so Wilhelm Busch (1832-1908), deutscher Dichter und Humorist, „fühlt sich stets gekränkt, wenn’s anders kommt, als wie er denkt“.
Die deutsche Dichterin und Zeichnerin Else Lasker-Schüler (1869-1945) ist der Überzeugung, dass sich ein Künstler nicht nach der Uhr richten darf, sondern „nach dem Zeiger des Universums“. Ganz ähnlich argumentiert der spanische Philosoph José Ortega y Gasset (1883-1955), der glaubt, dass „der Künstler [...] die Augen vor der äußeren Welt“ verschließt und „den Blick auf die subjektiven Landschaften seiner Seele“ wendet.
Der Beatnik William S. Burroughs (1914-1997) sieht es poetisch: „Die Funktion des Künstler besteht darin, die Erfahrung eines überraschten Erkennens wachzurufen“, also den Betrachter auf etwas Unbewusstes aufmerksam zu machen. Heinrich Laube (1806-1884), deutscher Schriftsteller und Dramatiker, spricht dem wahren Künstler Eitelkeit zu, während Marilyn Manson (*1969), Enfant terrible der zeitgenössischen Rockmusik, glaubt, dass die Fähigkeit zur Provokation zum Künstler gehört. Ansonsten wird er unsichtbar.
Und während viele Menschen in Bewerbungsschreiben ihre Problemlösungskompetenz preisen, ist der Künstler einer, so das österreichische Multitalent Karl Kraus (1874-1936),
„[der Künstler einer] der aus der Lösung ein Rätsel machen kann“.
— Karl Kraus, österreichischer Tausendsasser
2) Stilgefühl
Der Künstler braucht eine Gabe zur Schöngeistigkeit und Ästhetik, zur Leichtigkeit und Sinnlichkeit, zum kindlichen Blick auf die Dinge, wie folgende Künstler glauben:
Ulysses-Schöpfer James Joyce (1882-1941) sieht in der Aufgabe des Künstlers die „Erschaffung des Schönen“. Kunst ist eine Art von Leichtigkeit, im Gegensatz zur Philosophie, die schon ernst macht, „wo der Künstler noch spielt“, so Carl August Emge (1886-1970), deutscher Rechtsphilosoph. Die Verbindung zwischen Kunst und Philosophie knüpft auch der deutsche Dichter und Dramatiker Zacharias Werner (1786-1823), denn ein Künstler ist seiner Meinung nach nicht nur „charmanter Gesellschafter oder Lebensphilosoph“, sondern auch „Priester des Ewigen“. Mark Rothko (1903-1970), lettisch- amerikanischer Wegbereiter des Abstrakten Expressionismus, sieht dem bildenden Künstler nur zwei gleichwertige Berufe, des Dichters und des Philosophen. Sie verfolgen das gleiche Ziel und wollen „ihr Verständnis der Wirklichkeit so konkret wie möglich zum Ausdruck bringen“. Für die deutsche Malerin Paula Modersohn-Becker (1876-1907) braucht der Künstler nur „Sinnlichkeit bis in die Fingerspitzen“.
„Sinnlichkeit bis in die Fingerspitzen“.
— Paula Modersohn-Becker, deutsche Malerin und Wegbereiterin des Expressionismus
Paula Modersohn-Becker, “Kinderakt mit Storch”, 1906, Öltempera auf Leinwand, 73 x 59 cm; mit freundlicher Genehmigung des Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen.
Adalbert Stifter (1805-1868), Schriftsteller und Maler aus Österreich, attestiert den „höchsten Künstler[n] der Welt die lieblichste kindlichste Naivität“, die in ihrem Idealismus „demütig sind“. „Der wahre Künstler“, so glaubt er, „stellt sich die Frage gar nicht, ob sein Werk verstanden werden wird oder nicht“.
3) Integrität
Die obersten Gesetze des Künstlers sind Moral und Wahrhaftigkeit. Nicht bis in jede kleinste Handlung hinein, aber im Großen und Ganzen müssen die Handlungen des Künstlers mit seinen idealistischen Anschauungen übereinstimmen.
Zacharias Werner ist der Meinung, dass der Mensch die Moral „einsehen und respektieren“ muss. Der Künstler muss nicht moralisch sein, darf sie in seinem Kunstwerk allerdings nicht verletzten. Wer bislang geglaubt hat, dass Künstler zu den Gesetzlosen gehören, wird von Gilbert Keith Chesterton eines Besseren belehrt:
„Es ist unmöglich, Künstler zu sein und dabei Schranken und Gesetze nicht zu achten. Die Kunst ist Begrenzung; zum Wesentlichen eines Bildes gehört der Rahmen“.
— Gilbert Keith Chesterton, englischer Buchautor und Journalist
4) Handwerk
Mark Rothko (den ihr übrigens auch auf dem Titelbild dieses Beitrags seht) glaubt, dass der Künstler „nur so viel Kunstfertigkeit“ braucht, „wie erforderlich ist, um sein konkretes Ziel zu erreichen“. Das Handwerk ist dennoch ein absolutes Muss.
5) Konzentration
Ein Künstler braucht ein Mindestmaß an Konzentration, die Fähigkeit, tief in sich zu dringen, die Achtsamkeit, auch Details wahr zu nehmen, aber auch Beharrlichkeit und Ausdauer sowie die Begabung zur Andacht.
Aloys Greither (1914-1986), deutscher Arzt und Biograph, sieht Mozart als „den Künstler par excellence [...]: von seinem Werk besessen, dabei naiv und unbewußt seiner Schöpferkraft anheimgegeben, alles um sich herum vergessend oder nur als Kulisse seines künstlerischen Daseins wahrnehmend“. Ein anderer weit verbreiteter Irrglauben ist es, dass ein Künstler durch und durch Künstler ist, dass er 24 Stunden am Tag mit Ideen schwanger geht und mit seinen Gedanken in den Bäumen hängt. Der österreichische Autor Stefan Zweig (1881-1942) belehrt uns eines Besseren:
„alles Wesentliche, alles Dauernde, das ihm gelingt, geschieht immer nur in den wenigen und seltenen Augenblicken der Inspiration“.
— Stefan Zweig, österreichischer Schriftsteller
Auch der deutsche Dadaist und Surrealist Max Ernst (1891-1976) spricht vom „Märchen vom Schöpfertum des Künstlers“.
Vorläufiges Fazit
Nach diesen Stimmen braucht der Mensch, um zum Künstler zu werden, also
- erstens die Fähigkeit, sich von gängigen Konventionen abzuheben,
- zweitens einen gut ausgeprägten Sinn für Schönheit und Ästhetik,
- drittens ein Gespür für moralisches Verhalten,
- viertens eine solide, handwerkliche Ausbildung sowie
- fünftens die Fähigkeit zur Konzentration.
Diese Begabungen und Kenntnisse irgendwann sein eigen zu nennen, ist oft das Ergebnis eines langen, manchmal schmerzhaften Entwicklungsprozesses. Viele bekannte Künstler sind auf dem Weg zur Berühmtheit oft steinige Pfade gegangen – der Weg ist das Ziel und es wird sich noch zeigen, dass dieser Weg oft mehr Abzweigungen als gerade Pfade enthält.
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
Literaturempfehlungen:
- Michael Hauskeller (2005): „Was ist Kunst? Positionen der Ästhetik von Platon bis Danto“, Beck Verlag (auch über Google-Books).
- Carla M. Prette & Alfonso De Giorgis (2000): „Was ist Kunst?“, Neuer Kaiser Verlag.
- Volker Harlan (2010): „Was ist Kunst? Werkstattgespräch mit Beuys“, Urachhaus Verlag.
- Andreas Mäckler (2007) (Hrsg.): „1460 Antworten auf die Frage: Was ist Kunst?“, Dumont Buchverlag.
- Wolfram Völcker (2009) (Hrsg.): „Was ist gute Kunst?“, Hatje Cantz Verlag.
- Zitatquelle: Wikiquote Suchwort: Künstler
Soviel für den Moment – vergesst bitte nicht, fleißig unsere ARTlectric-Ausschreibung an verwandte und bekannte Glückspilze weiterzuleiten. Eure Anregungen, Fragen und Hinweise bitte wie gehabt via Twitter. Danke.
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Wie wird das Ganze aussehen?
- Eure Arbeiten werden, wie in dem Beispiel für unseren geschätzten Freund und Fotografen David Klammer, innerhalb aller Artikel bei uns gefeatured (s. Box).
- Wir veröffentlichen Eure Werke (ein wenig Input von Euch vorausgesetzt) in ähnlich umfangreichen Beiträgen, wie zum Beispiel diesem.
- Zusätzlich habt ihr die Chance, Eure Arbeiten über unsere Social-Media Profile zu veröffentlichen und einem breitem Publikum zu zeigen.
Übrigens: Mit dieser Ausschreibung ist auch der Start einer vierteiligen Serie verbunden, die sich der existentiellen Frage „Was macht den Künstler zum Künstler?“ annähern soll.
À propos ARTlectric-Promotionpaket gewinnen
Neues Spiel, neues Glück bzw. Neues Jahr, neue Vorsätze – die TOP 10 der guten Vorsätze der Deutschen für das Jahr 2010 waren:
- mit dem Rauchen aufhören und weniger Alkohol trinken
(schadet dem Bundesfiskus und der Gastronomie) - weniger Fernsehen
(GEZ müssen wir sowieso bezahlen) - sparsamer sein
(Wer kurbelt dann die Wirtschaft an?) - abnehmen
(lieber Pfundskerl als Hungerhaken) - gesünder ernähren
(“Ich ess nur, was ein Gesicht hat”) - mehr Zeit für Familie und Freunde
(haben wir beim gemeinsamen Fressen und Saufen) - sowie mehr Zeit für sich selbst
- mehr Bewegung
(wohin?!) - Stress abbauen
(natürlich Kunst machen)
Anyway – vermutlich waren das auch schon die guten Absichten für 2009 und 1978… weitaus innovativer ist unser Vorsatz für 2011:
Mehr Kunst für alle!
Also. Los geht’s! Einfach die Ausschreibung weiterleiten, selbst mitmachen und Daumen drücken. Fragen, Anregungen und Tips beantworten wir gern hier.
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In der Reihe „come closer, verantwortliches design“ lädt der df designerinnen forum e.V. zum Jahresabschlussevent im Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main – diesmal gibt es eine philosophische Sinnsuche in der Welt des Sustainable Designs und der Nachhaltigkeit.
- Thinking Design – Design trifft Philosophie
Donnerstag, 25.11.2010, 19:30 Uhr
Museum für Angewandte Kunst Frankfurt a. M.,
Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main MAP
“Die Wachstumsgesellschaft gehört der Vergangenheit an. Längst haben wir bemerkt, dass die Infantilität des unbeschränkten „Habenwollens“ uns nicht wirklich erfüllt. [...]“
Wenn wir einkaufen, geht es häufig um das „Seinwollen“, d.h. nicht um die Produkte als solche, sondern um den ideellen Mehrwert, den sie uns bieten. Bewusst oder unbewusst geht es um die Suche nach den wahren Werten, nach dem Sinn des Lebens.
Wenn wir begreifen, dass der bewusste Verzicht auch etwas Bereicherndes haben kann, dann verändert sich unser Blick auf die Welt und auf unser eigenes Leben.
Wir sind unterwegs in eine neue Dimension, die Qualität an Stelle von Quantität setzt. In Vortrag, Ausstellung und Diskussion stellen wir uns den Fragen:
- Welches sind die möglichen Orientierungspunkte und Maßstäbe, die uns dabei leiten können?
- In welchem ästhetischen und ethischen Horizont und Selbstverständnis bewegen sich Designer in Zukunft?
- Kurz: Was definiert nachhaltiges und innovatives Design?
Referent:
Dr. Christoph Quarch, Philosoph und Publizist, beschäftigt sich mit Fragen der philosophischen Lebenskunst, der philosophischen Hermeneutik und der Religionsphilosophie.
Anmeldungen unter Come closer.
A journey through contemporary art: In his film debut, a documentary about (street) art the English artist Banksy invites the audience to his movie “Exit through the Gift Shop” (we’d rather call it “Leave some money while passing Go!”), nastily smelling like self-adulation in the first view, the superstar of street artists, the still unknown Englishman Banksy, thwarts the cultural activities of 21st century in an intelligent, profound, ironic and very entertaining way and reveals the interdependencies between underground and commerce. By constructing an artistic career he is able to answer the often discussed and often asked question “What is art?” at least regarding its present situation in a very convincing way. Using subtle instruments he is able to express what art is, what art states and how much money art generates.
At the end of his documentary the audience will be left with some profound questions:
- What’s reality,
- what’s construction?
And you’ll be unknowingly led to ask:
- What’s an image,
- and what’s fake?
The terrific rise of the obsessive video artist, Thierry Guetta is a simulation. By caricaturing his career Banksy unmasks the mechanisms of the art-market. Guetta is almost forced to be an artist after he escorted street artists with a video camera in a nearly manic way. As he fails being a documentary movie maker he follows the advice of the master and is trying to be an artist. Being a cockalorum caught in a process of artistic adolescence he names himself “Mr. Brainwash” and drops clanger after clanger in the artistic community. Finally, unfathomably and by a nearly brilliant overestimation of his own capabilities he is getting (supposedly) successful. At the end of the movie Banksy resumes that:
“Andy Warhol forced the icons of popular culture into the shallow waters of meaninglessness. But Guetta drowned them.”
— Banksy
- What are the essential messages of this documentary?
- What is the main critic of the street art icon?
Artists got a clou unless they get famous
Becoming popular in the public space at the beginning of their development especially street art has a socio-political, nearly democratic impetus. The artists want to draw the attention to something, they want to animate the homo postmodernensis – acting high-flying, moving hastily through the town and wearing blinkers – to stop and to think. Often street art is a position against consumers’ behaviour, capitalism, the diktat of advertisement as well as public order and is sometimes having an anarchic character.
When getting famous they are forced to adapt to the market and get into intellectual imprisonment as they are not making art by art then, but in order to satisfy their agents and collectors – well and since you’ve of course prick-eared read our “50 ultimate hints how to become a famous artist” you’ll remember that:
„The very name Picasso is enough to have art investment fund managers and hedge fund billionaires masturbating into their spreadsheets.”
— Tom Flynn, London
But: Arts got to be free
By this maxim street art is again presenting itself an idealistic example. Every street artist has the freedom to show his art wherever, whenever and how often he wants to.
- He can paint afresh,
- he can remove,
- he can extent
- or complete it.
But as soon as his art is getting between the wheels of the market the artist has to adapt to the dictation of market mechanisms. Gallery owners, collectors and trade press judge his piece of art, value it and push the artist into a niche he has to fill out. Not doing so the artists pass the mike to another one. Art is generated by individual freedom and by self-determination it has to be continued.
Art is made successful by others – artists do not have influence at this fact
There are artists only getting famous after their death. A good example is described by the art historian and journalist Stefan Koldehoff explaining the posthumous rise of a famous artist in his book “Van Gogh – myth and reality” (both links German). Some time after van Gogh died the prominent art critic Julius Meier-Graefe utilised the opus of van Gogh to propagandise Jugendstil. But it didn’t match. The Dutch post-impressionist got between the wheels of trends and was alienated for decoration purposes. Meier-Graefe tried to counteract and proclaimed van Gogh as a “Christ of Modern Times” who now was pegged as an artist only being able to hold the balance between genius and insanity by doing art.
In Banksy’s documentary the fictive artist Thierry Guetta is only found attentive ears because he was offered help by the Englishman and other street artists, the Frenchman exploited in a megalomaniac manner. Guettas fast forward rise directly led into his decline. In the movie this failure is symbolised by a collapsing wall on which the title of Guettas exhibition is written: “Life is beautiful”.
Because: Art has to maturate
A local proverb goes: “Kunst kommt von können” (German pronunciation: [Kʊnst kɔmt fɔn ˈkœnən]) meaning literally “Art originates from ability”. This ability not only includes learning a handcraft, it also contains creativity and the talent to implement a message. The greatest and most important artwork is only often the consequence of a banal idea being packed into an artless form but, however, it explodes in our head, flushes slowly into every twist of our brain and inspires us in very different manners. An extraordinary piece of art forever stays in our head. Art needs freedom and mind, less education. Because a theoretically overfeed artist will get caught within the coordination system of
- data,
- facts,
- epochs and
- styles.
One popular definition of art is: “Art is the creative acting of human beings nature”. Art emerges of the human. Since Beuys we know that everyone is an artist but there are only some being able to articulate their inner feelings by the respective expression. But there are only few people capable of channeling simultaneously different preconditions like
- emotional wealth,
- the ability to be inspired,
- fantasy,
- leisure and also
- experience.
This experience does not only mean acquaintanceship to life but also incidents of failure and agony. Or, as Beuys, the father of Art-Revolution used to say:
“Show your wound!”
The artist stands not behind his piece of art anymore, but in front of it
Being anonymous most street artists and their public presentations within cityscape represent the original meaning of the artwork as it always stood in the foreground – in front of the artist. This changed in the times of personality cult at all fronts – in sport and in the media.
And postmodernism, the art epoch since the 1970s, supports this cult. Under this term an exclusive style can no longer be unified as it was the case about 100 years ago. Meta levels like myth or religion are not valid anymore. The sectionalisation of social life, the segmentation of part systems interacting with each other in different meanings and the thereby caused continuing individualisation are fragmenting the world.
Art therefore resolves into an immense variety of eras and styles sometimes coming together again in collages. An art work is no longer defined by its belonging to a style also reflecting social life but by its artist. The names of super stars like Georg Baselitz, Damien Hirst or Bruce Nauman are almost known to everyone but their work of art is much less famous. Artists like Pablo Picasso or Andy Warhol on the other hand are directly related to cubistically fragmented faces of women or Campbell’s soup can – despite their extrovert character.
So, Banksy’s documentary reassures despite the uncovering of market mechanisms leading art ad absurdum and giving idealistic art conceptions a cold shower. Because this movie yells: Everyone is an artist
“as long as he observes and moves through the world sensibly.”
The incredible resonance on e.g. Thomas Baumgärtels Banana indicates the power one daily symbol can have. The press spoke about the “biggest Dadaistic action of art history”, about a “fruit of integration” or a “marker of modernism”. The action was called a “cryptographic sign for explorations”, because “all is bananic”.
Nowhere a message can be presented more successful than in public space. Street art is shaped democracy.
Demonstrations were yesterday, today we make art!
That’s it so far on “Exit through the Gift Shop” – our résumé: Watch it! We answer questions, rap and hints here.
Writer: Inga Ganzer
Copyright-/Note for commercial publishers – As a reaction on the extreme position of some major publishers regarding ancillary copyright the usage of this text, text components, quotes, oder sections of this text is only accepted after written authorization from writer.
Eine Reise durch die Kunst unserer Zeit: In seinem auf den ersten Blick unangenehm nach Selbstbeweihräucherung riechendem Filmdebüt “Exit through the Gift Shop” (Gehe über Los, lasse ein paar Euro da!) konterkariert der Superstar unter den Street-Art-Künstlern, der immer noch anonym gebliebene Engländer Banksy, den Kunstbetrieb des 21. Jahrhunderts auf eine intelligente, tiefgründige, ironische und sehr unterhaltsame Weise und offenbart das Wechselverhältnis zwischen Underground und Kommerz. Durch die Konstruktion einer künstlerischen Karriere gelingt es Banksy, die vieldiskutierte und oft gestellte Frage “Was ist Kunst?” zumindest für ihren Zustand in der Gegenwart auf eine überzeugende Art und Weise zu beantworten. Mit subtilen Mitteln ist er in der Lage, auszudrücken, was sie ist, was sie aussagt und wie viel Geld aus der Kunst entspringt.
Am Ende seiner Dokumentation fragt sich der Zuschauer:
- Was ist Realität,
- was ist Konstruktion?
Damit wird er unbewusst zur Frage geführt:
- Was ist Abbildung,
- was ist Nachbildung?
Nachbildung ist der grandiose Aufstieg des obsessiven Videokünstlers Thierry Guetta, mit dessen Karrierenkarikatur Banksy die Mechanismen des Kunst-Marktes entlarvt. Über die fast manisch anmutende und zu Beginn von den Gefilmten mit vielerlei Skepsis aufgenommene filmische Begleitung von Street-Art-Künstlern wird Guetta die Berufung zur Kunst geradezu aufgezwungen. Weil er als Dokumentarfilmer scheitert, folgt er dem Rat des großen Meisters und versucht sich als Künstler. Als ein in künstlerischer Pubertät gefangener Gernegroß mit dem Namen “Mr. Brainwash” tapst er in der Kunstszene von einem Fettnapf in den nächsten und findet schließlich unfassbarer Weise mit nahezu brillanter Selbstüberschätzung zum (vermeintlichen) Erfolg. Zum Ende des Filmes wird resümiert, dass:
“Andy Warhol die Ikonen der Popkultur in die seichten Gewässer der Bedeutungslosigkeit getrieben hat. Doch Guetta hat sie ertränkt.”
— Banksy
- Was sind die wesentlichen Aussagen dieses Filmes?
- Was sind die wichtigsten Kritikpunkte der Street-Art-Ikone?
Künstler haben eine Idee, bis sie berühmt werden
Gerade die Street-Art-Kunst, die zu Beginn ihrer Entwicklung nur im öffentlichen Raum zu sehen war, hat oft einen gesellschaftspolitischen, demokratischen Impetus. Die Künstler wollen auf etwas aufmerksam machen, sie wollen den zielstrebig agierenden, sich hastig durch die Stadt bewegenden und mit Scheuklappen ausgestatteten Homo postmodernensis zum Innehalten, zum Nachdenken anregen. Oftmals stellt sich Street-Art als eine Kritik gegen Konsumverhalten, Kapitalismus, das Diktum der Werbung sowie öffentliche Ordnung dar und die Bewegung trägt meist auch anarchistische Züge.
Wenn diese Künstler berühmt werden, müssen sie sich gezwungener Maßen dem Markt anpassen und geraten in eine Art geistige Gefangenschaft, weil sie nicht mehr Kunst um der Kunst willen machen, sondern um ihren Agenten und die Sammler zu befriedigen.
Aber: Kunst muss frei sein
Auch bei dieser Maxime zeigt sich die Street-Art als idealistisches Exampel. Jeder Street-Art-Künstler hat die Freiheit, sein Werk zu zeigen, wo, wann und wie oft er will.
- Er kann es übermalen,
- er kann es wieder entfernen,
- er kann es ausbreiten
- und ergänzen.
Sobald sein Werk aber in die Mühlen des Kunst-Marktes gerät, muss er sich der Bestimmung dieser Mechanismen anpassen. Galeristen, Sammler und die Fachpresse beurteilen das Werk, geben ihm einen Wert und drängen den Künstler damit in eine Nische, die er auszufüllen hat. Tut er das nicht, hat der nächste schon die Klinke in der Hand. Kunst entsteht durch individuelle Freiheit und mit Selbstbestimmung muss sie auch fortgeführt werden.
Kunst wird von anderen groß gemacht – Künstler haben darauf kaum Einfluss
Es gibt Künstler, die werden erst posthum berühmt. Ein schönes Beispiel bietet der Kunstgeschichtler und Journalist Stefan Koldehoff, der in seinem Buch “Van Gogh – Mythos und Wirklichkeit” beschreibt, wie dieser nach seinem Tod berühmt wurde. Einige Zeit nachdem van Gogh gestorben war, benutzte der zu dieser Zeit Ton angebende Kunstkritiker Julius Meier-Graefe das Werk van Goghs, um Propaganda für den Jugenstil zu machen. Doch die Rechnung ging nicht auf. Der niederländische Post-Impressionist geriet zwischen die Mühlen der Mode und wurde für Dekorationszwecke entfremdet. Daraufhin wurde van Gogh zum “Christus der Moderne” proklamiert und erhielt den Stempel eines Künstlers, der nur durch die Kunst die Balance zwischen Genie und Wahnsinn halten kann.
In Banksy’s Dokumentation erhält der fiktive Künstler Thierry Guetta nur deshalb Gehör, weil ihm der Engländer und andere Street-Art-Künstler Hilfe anbieten, die der Franzose in einer an Megalomanie grenzenden Weise ausnutzt. Guettas Aufstieg im Fast-Forward-Modus führt direkt in den Abstieg. Im Film wird dieses Scheitern durch das Einstürzen einer Wand, auf der der Titel von Guettas Ausstellung “Life is beautiful” geschrieben war, symbolisiert.
Denn: Kunst muss reifen
“Kunst kommt von können” heißt es im Volksmund. Dieses Können beinhaltet nicht nur das Handwerk, sondern auch Kreativität und die Fähigkeit, eine Botschaft zu implementieren. Die großartigste und bedeutendste Kunst besteht oft nur aus einer fast banalen Idee, verpackt in eine schlichte Form und doch explodiert sie in unserem Kopf und blutet dort langsam aus, rinnt in jede einzelne Windung unseres Hirns und inspiriert uns in unterschiedlichster Weise. Ein außergewöhnliches Kunstwerk bleibt für immer in unserem Kopf. Kunst braucht Freiheit und Geist, weniger Bildung. Denn ein theoretisch überfrachteter Künstler (und zuweilen auch Kritiker) verfängt sich schnell im Koordinatensystem von
- Daten,
- Fakten,
- Epochen- und
- Stilzuordnungen.
Eine oft verwendete Definition von Kunst lautet: “Kunst ist die schöpferische Tätigkeit der Natur im Menschen”. Die Kunst kommt aus dem Menschen. Seit Joseph Beuys wissen wir, dass jeder Mensch ein Künstler ist, doch nur bei den wenigsten finden sich die verschiedenen Voraussetzungen, dem inneren Gefühl den entsprechenden Ausdruck zu verleihen, gleichzeitig zusammen, wie zum Beispiel
- emotionaler Reichtum,
- die Fähigkeit, sich inspirieren zu lassen,
- Fantasie,
- Muße und eben auch
- Erfahrung.
Diese umfasst nicht nur einfach Lebensbekanntschaft, sondern auch die Erkenntnis des Scheiterns und Leidens. Oder wie der Vater der Kunst-Revolution das formuliert hat:
“Zeige Deine Wunde!”
Der Künstler steht nicht mehr hinter, sondern vor dem Werk
Die Anonymität der meisten Street-Art-Künstler und die öffentliche Präsentation ihrer Werke im Stadtbild verweisen darauf, dass das Kunstwerk seit den Anfängen schöpferischen Daseins im Vordergrund stand – und der Künstler dahinter. Dies hat sich in Zeiten des Personenkultes an allen Fronten, ob im Sport oder in den Medien, verändert.
Die Postmoderne, die seit etwa Ende der 1970er Jahre als Kunstepoche der Gegenwart definiert wird, unterstützt diesen Kult. Unter diesem Epochenbegriff lässt sich längst kein einheitlicher Stil mehr vereinen, wie dies vor etwa 100 Jahren noch der Fall war. Metaebenen wie Mythos oder Religion greifen nicht mehr. Die Sektoralisierung des gesellschaftlichen Lebens, die Segmentierung in Teilsysteme, die in unterschiedlicher Art und Weise miteinander interagieren und die sich daraus ergebende fortschreitende Individualisierung zerstückeln die Welt.
Daraus folgend zerfällt auch die Kunst in eine nicht mehr zu überblickende Vielzahl von Strömungen und Stilen, die in Collagen oft auch wieder zusammen finden. Das Werk definiert sich nicht mehr über seine Zugehörigkeit zu einem das gesellschaftliche Leben widerspiegelndem Stil, sondern über seinen Künstler. Die Namen von Künstler-Superstars wie Georg Baselitz, Damien Hirst oder Bruce Nauman kennt heute fast jeder, doch die dazugehörigen Werke fallen schon wenigeren ein. Pablo Picasso oder Andy Warhol dagegen sind noch direkt mit zerstückelten Frauengesichtern oder Campbell’s Suppendose verknüpft – ungeachtet ihres extrovertierten Wesens.
So macht Banksy’s Dokumentation trotz der Aufdeckung der Marktmechanismen, die die Kunst ad absurdum führen und idealistische Kunstauffassungen kalt abduschen, Mut denn Dieser Film ruft heraus: Jeder Mensch ist ein Künstler,
„solange er sich bewusst durch den Raum bewegt und beobachtet.“
Die unglaubliche Resonanz auf Thomas Baumgärtels Banane beispielsweise zeigt die Kraft, die ein einzelnes, alltägliches Symbol haben kann. Da war in der Presse von der “größten dadaistischen Aktion der Kunstgeschichte” die Rede, von einer “Integrationsfrucht”, von einem “Wegweiser zur Moderne”, “kryptografischen Zeichen für Entdeckungen”, denn “alles ist bananisch”.
Nirgends lässt sich eine Botschaft besser darstellen als im öffentlichen Raum. Street-Art-Kunst ist gestaltete Demokratie.
Demonstrationen waren gestern, heute ist Kunst.
Soviel zu Banksys “Exit through the Gift Shop” – unser Resumé: Unbedingt anschauen! Anregungen, Fragen und Kritik beantworten wir gerne hier.
Lesetipps:
- Inga Ganzer – Berlin, 2010 : “Zeige Deine Wunde”: Das Leiden bei Beuys und Schopenhauer
- Thomas Baumgärtel, Bananensprayer: Pressestimmen
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
PS1 REFRESH bringt mehrere Prinzipien von
GEFFKEN MIYAMOTO zusammen: 1. Design für die Kunstwelt, 2. Effizienz in der Gestaltung, 3. unser Selbstverständnis als Dienstleister. In diesem Artikel möchten wir diesen neuen Kunst-Service und das Design vorstellen…
1. Design für die Kunst-Welt
Wie bekannt sein dürfte, hat GEFFKEN MIYAMOTO eine Reihe von Galerieräumen gebaut (allesamt generieren einen Jahres-Umsatz von über fünf Millionen Euro, bzw. keinen Umsatz und dennoch einen Kunst-Genuss par excellence im Fall der Non-Profit-Projekte). Neben diesen Bauprojekten ein eigenes Inhouse-Projekt rund um die Kunst zu realisieren, ist ein Traum von uns, der endlich wahr geworden ist. Zum einen als Fortsetzung unsere Arbeit für LUMAS, die Kulturmanagement-Initiative von BEST-Sabel und natürlich auch als ein Produkt-Versuch in Entstehung.
Aber der Reihe nach: Beides, sowohl der Name als auch das Design von PS1 REFRESH, sind offensichtlich von der Kunstwelt inspiriert. (Zur grauen Welle später mehr) Wikipedia meint:
P.S.1 (heute MoMA PS1) wurde 1976 von Alanna Heiss gegründet. Es ging aus dem Institut for Art and Urban Resources hervor, einer Organisation, die 1971 von Heiss gegründet wurde, um leer stehende Gebäude in New York City in Ateliers und Ausstellungsräume zu verwandeln.[...] Mit dem Bewusstsein, dass New York in den 70er Jahren ein weltweiter Anziehungsort für zeitgenössische Künstler war, sowie der Glaube, dass traditionelle Museen keine angemessene Ausstellungsmöglichkeiten für ortspezifische Kunst bereit stellten, entschied Heiss, eine alternative Kunstinstitution zu gründen.
So weit so gut – und um keine Mißverständnisse hinsichtlich New York aufkommen zu lassen: New York war gestern. Heute ist Berlin.
Mitte der 1970er Jahre mag Alanna Heis das legendäre P.S.1 als ein Museum für zeitgenössische Kunst und als alternative Kunststätte gegründet haben, um der Ignoranz herkömmlicher Museen hinsichtlich der aufblühenden Contemporary Art die Stirn zu bieten und um damit eine Vorreiterstellung einzunehmen. Aber heute ist Zeitgenössische Kunst populärer denn je und einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich geworden.
Kunst ist überall, vor allem in Deutschland. Berlin gilt inzwischen als die größte Werkstatt zeitgenössischer Kunst auf der ganzen Welt:
- 2008 lebten in Deutschland 180.000 erwerbstätige Künstler,
- die 752 Millionen Euro umgesetzt haben.
- 631 deutsche Kunstmuseen wurden 2007
- von 21,4 Millionen Menschen besucht.
2. Effizienz in der Gestaltung
Der Kunstmarkt hat ein Problem: Faktisch betreibt er Kannibalismus. Wie über den Banksy-Film “Exit through the Gift Shop” (Gehe über Los, lasse ein paar Euro da!) berichtet, können wir festhalten, daß Künstler oft nur so lang frei sind, bis sie in den Kunst-Markt eintreten. Sobald ein Künstler den ersten Schritt in den Markt gemacht hat, oder “berühmt” wird, muss er sich gezwungener Maßen dem Markt anpassen und gerät in eine Zwangslage, weil er nicht mehr nur Kunst um der Kunst Willen macht, sondern um seinen Agenten, Galeristen und die Sammler zu befriedigen. Ein Teil des Kropfes.
Ein anderer Teil dieses Kropfes sind die Kritiker, Kunst-Magazine wie, um nur zwei zu nennen, art – Das Kunstmagazin, oder monopol – Magazin für Kunst und Leben, die neuen Medien und nicht zuletzt die sogenannten sozialen Medien (Social Media). Alle tragen dazu bei, daß theoretisch überfrachtete Rezpienten und Künstler sich im Koordinatensystem von Daten, Fakten, Epochenzuordnungen, Stilzuordnungen und letztlich in Informationen verlieren.
Die graue Welle auf PS1 REFRESH ist also mit einem Augenzwinkern zu verstehen – im Sinne von Thomas Baumgärtel sieht das in etwa so aus:
Ok, Spaß beiseite – Fakt ist, daß, ganz gleich ob Künstler, Kuratoren, Kulturmanager, Sammler, Kritiker, Journalisten oder Auktionäre, jeder zum Monatsende darauf angewiesen ist, seine Rechungen zu zahlen.
Fachleute und Laien laufen Gefahr, im Dickicht der vielfältigen Angebote den Überblick zu verlieren. Aber die heißesten News und ein solides Wissen über die Entwicklungen am Kunst-Markt sind in unserer Internet- und Wissensgesellschaft zu einer unverzichtbaren Ressource geworden und das stetig wachsende Angebot von Internetinformationsquellen kann dieses Manko nicht ausgleichen, denn es braucht Geld, Kunstwissen und Zeit, um Nachrichten und Ankündigungen zu filtern. Mit PS1 REFRESH.com wollen wir dabei helfen, Zeit und Geld zu sparen, um es in Wichtigeres zu investieren – zum Beispiel Kunst.
Der Kunst- und Kulturnews-Aggregator PS1 REFRESH bietet die Möglichkeit zur Vogelschau auf alle relevanten News und einflussreiche Stimmen – auf einen Blick und in Echtzeit. Die Quellen dieser Informationen stammen nur von etablierten Kunst-Webseiten, wie dem ART-Magazin, Monopol oder der Staatlichen Museen zu Berlin.
Zum Ausbau der aktuellen (Beta-)Version planen wir die Integration von Twitter und die Möglichkeit, Artikel und Meldungen weiterzuleiten. Ein Monetarisierungsmodell wäre auch denkbar. Unter dem Arbeitstitel PS1 REFRESH werden weitere Aktionen wie diese kommen.
Das für den Moment. Hier kann man uns übrigens auf Twitter folgen.
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
Die Kunst der Wahrnehmung bei Bruce Nauman und Olafur Eliasson: In diesem Sommer haben der wohl bedeutendste, lebende Künstler des amerikanischen Kontinents Bruce Nauman als auch der zurzeit populärste europäische Konzeptkünstler Olafur Eliasson mit Ausstellungen in Berlin reüssiert, in deren Fokus die Metamorphose und Belebung der Empfindungskultur des Menschen stehen. Der österreichische Philosoph Ludwig Wittgenstein hat sich in seinem Philosophieklassiker des 20. Jahrhunderts, den „Philosophischen Untersuchungen“ (1953), wie seinem Vorwort zu entnehmen ist, mit verschiedenen Dingen näher auseinandergesetzt: mit Bedeutungen, mit Sprache, mit Logik, mit mathematischen Grundlagen, Bewusstseinzuständen und anderem. In Paragraph 203 schreibt er: „Die Sprache ist ein Labyrinth von Wegen“. Das Bild des Irrgartens ist nicht nur auf die Sprache anzuwenden. Auch die Stadt, in der wir leben, die Gesellschaft, in der wir uns bewegen oder die geistige Hülle, die uns umgibt, können sich zu undurchdringbaren Irrgängen und Verwicklungen verwachsen – ein chaotisches Wirrwarr aus überfrachteter Psyche, Popkulturrausch, Nachrichtentorpedos, Bewegungshektik, Informationswahn und Konsumlawinen, aus dem wir unter Umständen selbst nicht mehr herausfinden. Und weiter heißt es:
„Du kommst von einer Stelle und kennst dich aus; du kommst von einer andern zur selben Stelle, und kennst Dich nicht mehr aus.“
— Ludwig Wittgenstein, „Philosophische Untersuchungen“
Und das ist es auch, wie Bruce Nauman festgestellt hat, was die Kunst interessant macht: „Man macht nie zweimal das gleiche“. Die Erfahrung mit ein und demselben Kunstwerk kann an einem Tag klaustrophisch sein, an einem anderen angenehm berührend. Bedeutsam ist in Hinsicht auf die Kunst nur die Intensität, die sie verursacht sowie ihr ethisch-moralischer Aspekt. Kunst braucht einen Standpunkt – eine Stelle, von einer Seite her vertraut, von einer anderen her unvorhersehbar und deshalb irritierend.
Im 21. Jahrhundert spielen Sprache, Verwirrung und die Auseinandersetzung mit Wahrnehmung und besonderen Bewusstseinszuständen weiterhin eine große Rolle – und zwar nicht nur in der Philosophie, sondern auch in der Kunst. Ein halbes Jahrhundert nach Wittgensteins Hauptwerk haben es sich zwei Künstler der Gegenwart zur Aufgabe gemacht, den Menschen aus dieser Unordnung zu befreien und seinen Blick auf das Wesentliche zu lenken. Sie haben sich mit der Wahrnehmung des Menschen, seiner Konstellation mit und in der Welt, mit Horizont und Begrenzung auseinandergesetzt. Sie eröffnen einen Spielraum, in dem „ein anderer die Kunst macht“, wie es Nauman in einem Interview einmal gewünscht hat. Über die Reduktion auf das Wesentliche gewinnt dieser Spielraum durch individuelle Kombinationsmöglichkeiten an Intensität und führt den gleichermaßen aktiven wie passiven Rezipienten in ein Feld der Irritation. Dieses Feld unbegrenzter metaphysischer Ausdehnung bricht ordinäre Ausdrucksformen auf und holt den Menschen aus der eindimensionalen und gesellschaftskompatiblen Wahrnehmungsglocke heraus.
Falls nicht anders gekennzeichnet © Bruce Nauman/Artists Rights Society (ARS), New York.
1. Bruce Nauman, “Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care”, 1984. Foto: Roman März, Berlin; VG Bild-Kunst, Bonn 2010
2. Bruce Nauman, “The true Artist helps the World by reveiling mystic truths”,1967, Fenster- oder Wandschild, Leuchtröhren in Klarglasröhren-Aufhängerahmen, 149.9 x 139.7 x 5.1 cm.
3. Bruce Nauman, “Green Light Corridor”, 1970, Farbige Holzwände, fluoreszierende Leuchtmittel (grün), 3m x 12.2m x 30.5 cm (Abmessungen variabel). Solomon R. Guggenheim Museum, New York, Panza Collection, Foto: Giorgio Colombo, Milano
4. Bruce Nauman, “Mean Clown Welcome”, 1985, Leuchtröhren auf Metallpaltte, 182.8 x 208.2 x 33.1 cm. Sammlung Udo & Annette Brandhorst, Foto: Rsepulveda/flickr
5. Bruce Nauman, “Wall-Floor Positions”, 1968, Video – 1-Kanal-Videoband mit Ton, Spielzeit 58:37 min. Abmessungen variabel. Sammlung SFMOMA, Foto: DanielHarper/flickr
6. Bruce Nauman, “Clown Torture”, 1987, 4-Kanal-Video + Ton, 4 Farb-Videomonitore, 2 Video-Projektoren, Spielzeit 60:00 min. Abmessungen variabel. Sammlung SFMOMA, Foto: Ipercher/flickr
7. Bruce Nauman, “Run From Fear, Fun From Rear”, 1972, Leuchtröhren in Klarglasröhren-Aufhängerahmen, zweiteilig, 19 x 116.6 x 2.8 cm; 10.8 x 113 x 2.8 cm. Auflage 6/6. Sammlung Froehlich, Stuttgart. Foto: Roman März, Berlin; VG Bild-Kunst, Bonn 2010
8. Bruce Nauman, “PARTIAL TRUTH”, 1997, massiver Granit, hand-graviert, 60 x 60.7 x 55 cm. Foto: Vitale_Daseinserfahrung/flickr
9. Bruce Nauman, “Get Out of My Mind Get Out of This Room”, 1968, Holzwände, Lautsprecher, 402 x 304 x 304 cm (Abmessungen variabel). Foto: Marcwathieu/flickr
10. Bruce Nauman, “One Hundred Fish Fountain”, 2005. 97 Fische in Bronze, gegossen, Draht, Metalltrahmen, 1 Wasserbecken 762 x 853 x 20 cm. Foto: Donald Young Gallery, Chicago; VG Bild-Kunst Bonn 2007
11. Bruce Nauman, “Venice Fountains”, 2007. Gesichts-Abdruck, Waschbecken, 3 Eimer. Foto: E rock/flickr
12. Bruce Nauman, “Untitled (Leave the Land Alone), 11:42 Uhr”, 2009. Rauch, Himmelsschreiben; Himmel über Arroyo Seco Park, Pasadena. Foto: Jennifer Faist
Grenzen und Irritation
Auf den ersten Blick scheinen der amerikanische Künstler Bruce Nauman und der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson in zwei unterschiedlichen Welten aufgewachsen zu sein. Zudem trennen die beiden Konzeptkünstler 26 Jahre – Nauman könnte Eliassons Vater sein. Während Nauman in den USA erst Mathematik und Physik studiert und dann ein Kunststudium absolviert, konzentriert sich Eliasson von Anfang an auf die Kunst, deren Handwerk er an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen erlernt. Beide sind als Hochschullehrer tätig: Nauman an der Universität von Kalifornien (Berkeley), Eliasson an der Universität der Künste der deutschen Hauptstadt, in der er auch lebt. Die Metropole spielt im Werk beider eine wesentliche Rolle. Das Leben in der Großstadt zwingt den Menschen dazu, sich abzugrenzen. Und um diese Begrenzung zu ermöglichen, bedarf es einer Ordnung. Der Großstadtmensch der Gegenwart muss – will er nicht untergehen – lernen, aufzuräumen und sich auf den Kern seines Daseins zu konzentrieren.
Während Bruce Nauman sich in erster Linie mit der Frage nach der Wahrnehmung des Menschen beschäftigt, ist Eliasson an naturwissenschaftlichen Erscheinungen interessiert – ein Bereich, der in Naumans Werk aufgrund seines Erststudiums ebenfalls eine Rolle spielt. Er selbst gibt in einem Interview zu: „Dennoch gab es eine bestimmte Denkweise in der Mathematik, die sich bei mir auf die Kunst übertrug“. Es ist die Aktivität des Forschens, die auch Olafur Eliassons Kunst ausmacht. Die visuelle und psychische Dimension der Konzeptkunst eröffnet gleichermaßen einen persönlichen und öffentlichen Raum und generiert Aktion, Reaktion und Interaktion. Das Innen und Außen spiegelt sich einerseits darin wider, dass die Werkkonzepte im Studio entworfen werden, oft aber in der Außenwelt ihren Ausdruck finden. Es geht beiden darum, innen zu sein und heraus zu schauen sowie nach außen zu gehen und nach innen zu blicken: hinaus in die Welt, hinein in das Selbst. Die Unterbrechung des Alltäglichen oder auch die Irritation des Betrachters vollzieht sich bei Eliasson im Äußeren, bei Nauman im Inneren.
„Innen Stadt Außen“ und „Dream Passage“
Im Sommer des Jahres 2010 haben beide Künstler ihre Werke in der deutschen Hauptstadt präsentiert – Eliasson mit seiner Ausstellung „Innen Stadt Außen“ im Martin-Gropius-Bau, Nauman mit seiner Werkserie „Dream Passage“ im Hamburger Bahnhof.
Eine Beschäftigung mit ihrem Werk soll zeigen, dass beide Künstler sich in erster Linie in zweierlei Dingen sehr ähneln. Erstens geht es beiden um die Verortung von Wahrnehmungsmöglichkeiten. Eliasson steht außerhalb des Innenraums, Nauman innerhalb der Außenwelt – und im Graubereich dieser Zone treffen sich beide. Sie versuchen, durch Räume und Korridore, durch Gehwegplatten und Schattenspielen auf Begrenzungen aufmerksam zu machen und sie aufzusprengen. Zudem spiegeln beide den Betrachter und konfrontieren ihn damit mit der Begrenztheit sowohl seines eigenen Horizonts als auch der Welt. Der Zusammenbruch des Individuums steht für sie im Vordergrund. Während Eliasson der Meinung ist, dass wir Teil der Welt sind, sieht Nauman die Welt als Teil von uns. Alles ist eins. Dem Wahlberliner erscheint ein und dieselbe Stadt durch seine künstlerischen Objekte anders – beim Amerikaner ist es das Individuum. Das Involvieren des Rezipienten, den sie mit der Leere des Raumes konfrontieren, basiert auf einer Aufmerksamkeitserregung. Verdrängtes und Verschüttetes soll zurück ins Ich geholt werden. Das Unvorhersehbare spielt eine entscheidende Rolle. Beide Künstler unterbrechen etwas Verwachsenes, Festgefahrenes: Eliasson den äußeren Alltag, Nauman das innere alltägliche Einerlei.
In Naumans „Dream Passage“ stehen Übergangszustände und die Darstellung der Irrealität im Vordergrund. Er versucht, seine Rezipienten zu irritieren und unterbricht ihre Erwartungen. Er ist ein Türöffner in eine fremde Welt der Selbsterforschung. Sein Faible für das Unvorhersehbare spiegelt sich in Werken wider, in denen eine Sprachlosigkeit entsteht. Naumans Objekte bieten die Möglichkeit zur Selbsterfahrung, zur Reflexion und zum Perspektivenwechsel. Eliasson betreibt diesen Perspektivenwechsel mit Fahrrädern, deren Räder aus Spiegeln sind, ebenfalls. Sie reflektieren einerseits die Umgebung, werfen andererseits das Bild des Individuums zurück, geben einen neuen Blick, wenn die Position des Vehikels nur geringfügig verändert wird. Auch Nauman treibt das Individuum auf eine Art Spiegel zu oder hinein in eine klaustrophische Situation, wie mit seinem Werk „Kassel Corridor: Elliptical Space“, in dem der Rezipient seine individuelle Erfahrung mit der Begrenzung machen kann. Der Korridor ist zwar an den Seiten offen, verengt sich aber zu den Enden hin. Naumans Korridore führen zu physischen wie psychischen Reaktionen gleichermaßen.
… das Sonnensystem als Arbeitsmodell.
— Daniel Birnbaum, Kurator von „Innen Stadt Außen“
Falls nicht anders gekennzeichnet © Olafur Eliasson/mit freundlicher Genehmigung des Künstlers; Neugerriemschneider, Berlin; und Tanya Bonakdar Gallery, New York
1. Olafur Eliasson, “The blind pavilion”, 2003, Stahl, schwarzes Glas, Glas, 250 x 750 x 750 cm. Installationsansicht, Pfaueninsel Berlin, 2010. Foto: Olafur Eliasson
2. Olafur Eliasson, “Berliner Bürgersteig”, 2010, Granit, 27 m2. Foto: Jens Ziehe
3. Olafur Eliasson, “Non-stop park (Entwurf für einen Park)”, 2009, Kalk, Maße variabel. Foto: Olafur Eliasson
4. Olafur Eliasson, “Mikroskop”, 2010, Gerüst, Spiegelfolie, Aluminium, 17,7 x 18,5 x 27,1 m. Foto: Jens Ziehe
5. Olafur Eliasson, “Round rainbow”, 2005, Acryl-Prisma, Stahl, Aluminium, Motor, HMI-Lampe, Maße variabel. Foto: Jens Ziehe
6. Olafur Eliasson, “Berliner Treibholz”, 2009-2010, Holz, Maße variabel. Foto: Olafur Eliasson
7. Olafur Eliasson in Zusammenarbeit mit Einar Thorsteinn, “Model room”, 2003, Holz, Modelle, Maquetten, Prototypen in verschiedenen Materialien, Maße variabel. Foto: Jens Ziehe
8. Olafur Eliasson, “The blind pavilion”, 2003, Stahl, schwarzes Glas, Glas, 250 x 750 x 750 cm. Installationsansicht, Pfaueninsel Berlin, 2010. Foto: Olafur Eliasson
9. Olafur Eliasson, “Spiegeltunnel”, 2009, Spiegel, Maße variabel. Foto: Olafur Eliasson
10. Olafur Eliasson, “Your blind movement”, 2010, Leuchtstoffröhren, Aluminium, Stahl, Nebelmaschine, Holz, Folie, Maße variabel. Foto: Studio Olafur Eliasson
11. Olafur Eliasson, “The curious museum”, 2010, Spiegel, Gerüst, Stahl, Aluminium, 11,2 x 8,5 x 2,8 m. Foto: Jens Ziehe
12. Olafur Eliasson, “Your uncertain shadow (colour)”, 2010, Halogenlampen, Glas, Aluminium, Maße variabel. Foto: Jens Ziehe
13. Olafur Eliasson, “New Berlin Sphere”, 2009, Edelstahl, farbiges Glas, Aluminium, Gluhbirne, ∅: 140 cm. Foto: Jens Ziehe
Auch Eliasson konfrontiert den Betrachter mit seinem Werk „Non-stop park“ mit der Begrenzung, indem er Linien durch Parkanlagen zieht, die auf der einen Seite markieren, von der anderen her begrenzen. In seiner Installation „Corridor Installation (Nick Wilder Installation)“ präsentiert Nauman drei parallele, karge, weiß getünchte Korridore, an deren Ende Bildschirme auf dem Boden stehen. Läuft der Betrachter auf diese Bildschirme zu, sieht er sich entweder von hinten, schaut auf einen blinden Fleck oder bemerkt, dass er um die Ecke geht. Sobald der Betrachter dicht vor den Bildschirmen steht, erlischt das Spiegelbild. Das Individuum wird ausgelöscht und als Tabula rasa wiedergeboren, die neu bestückt und aufgeladen werden kann. Die Bewegung des Besuchers hat eine direkte Auswirkung auf das Ergebnis, wie das auch bei Eliassons Objekten („Your new bike (Urania)“, „Your uncertain shadow (colour)“, „Spiegeltunnel“) oft der Fall ist. Jedes Ende, jede Neupositionierung des Individuums ist ein neuer Anfang.
Eliassons Hauptinteresse widmet sich der Untersuchung von Horizonten, Wahrnehmungsbegrenzungen und Gestirnen. So wie er „das Sonnensystem als Arbeitsmodell“ (Daniel Birnbaum) begreift, geht Nauman der inneren Konstellation des Menschen auf den Grund. Beide Künstler werden zu Wahrnehmungsarchitekten, die mit Bewegung und Farben experimentieren, um Unbewusstes ins Bewusstsein zu bringen und den Raum zu verdoppeln. Das Kunstwerk entsteht durch jeden einzelnen Betrachter neu, so wie der Betrachter durch die vom Künstler gestaltete Welt selbst neu erschaffen wird. Und wie die gleiche Stadt, zum Beispiel durch Eliassons „Berliner Treibholz“, plötzlich in anderem Licht erscheint, zeigt sich bei Nauman ein und dasselbe Individuum von einer neuen Seite.
Fazit? Verwunderung!
Nauman und Eliasson verwandeln und beleben die Empfindung des Individuums, für sich selbst und für die Welt um es herum. Sie erzeugen eine Art der Verwunderung. Und diese Verwunderung ist Anfang jeder philosophischen Auseinandersetzung. Die Liebe zur Weisheit fußt auf einer ausgeprägten Wahrnehmung. Die Erfahrung der Werke von Olafur Eliasson und Bruce Nauman sind einer von vielen kleinen Schritten, hin zu dieser Begabung, die Welt mit anderen Augen zu sehen – innen und außen.
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
Weiterführende Literatur:
- Olafur Eliasson (2010): „Innen Stadt Außen“, Ausstellungskatalog, hrsg. von Daniel Birnbaum. Köln: Walther König Verlag.
- Bruce Nauman (1996): „Interviews 1967-1988“. Dresden: Verlag der Kunst.
- Ludwig Wittgenstein (1953/2003): „Philosophische Untersuchungen“. Frankfurt/Main.: Suhrkamp.
Soviel für den Moment – wir sind gespannt auf Eure Anregungen, Fragen oder Kritik via Twitter. Danke!
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit lädt zur 7. Jahrestagung Kulturwirtschaft am 15. und 16. September 2010 in Berlin
- “Creative Night” – Kultureller Auftakt:
Mittwoch, 15. September 2010, 19.00-22.00 Uhr
Villa Elisabeth, Invalidenstr. 3, 10115 Berlin MAP
- Konferenz: Kultur- und Kreativwirtschaft 2010, Kreativität in Metropolregionen – Neue Herausforderungen
Donnerstag, 16. September 2010, 9.30-17.45 Uhr
St. Elisabethkirche, Invalidenstr. 3, 10115 Berlin MAP
Im November 2009 hat die neue Bundesregierung eine Beratungsagentur für Kulturunternehmen und Kreative in Form von Regionalzentren geschaffen und damit einen wichtigen Schritt in Richtung Professionalisierung der Kreativbranche getan. Wie ist diese Arbeit nach rund einem Jahr zu bewerten? Welche neuen Impulse gibt es in der “Bildung” in der Kreativwirtschaft? Welche Chancen, aber auch welche Risiken, ergeben sich in einer zunehmend digitalisierten Welt?
Darüber hinaus steht die Entwicklung der Kreativwirtschaft in Metropolregionen im Mittelpunkt der Tagung. Die Kreativwirtschaft ist Motor urbaner Entwicklungen. Welche Wege und Mittel der Politik braucht es, um Kreativ-Standorte wie Berlin-Brandenburg zu stärken? Dabei spielt das enorme Potenzial der Kreativwirtschaft von Migranten in der Hauptstadtregion eine wichtige Rolle und ist ebenfalls Schwerpunkt der Tagung. Denn die künftige Wirtschaftskraft einer Stadt wird entscheidend auch davon abhängen, wie Politik, Gesellschaft, aber auch die Wirtschaft mit Zuwanderern und ihren Potentialen umgeht.
Die Tagung ist eine Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und des Büros für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft und findet in Kooperation mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland, der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. und media.net berlinbrandenburg e.V. statt.
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Regionalbüro Berlin Brandenburg
Reinhardtstr. 12, 10117 Berlin MAP
Der Tagungsbeitrag beträgt 30,- Euro, ermäßigt 15,- Euro (Schüler, Studierende, Auszubildende, Wehrdienst- oder Ersatzdienstleistende, Arbeitsuchende) und wird bar vor Ort erhoben. Das Programm und ein Anmeldeformular finden Sie hier.
Die Funktion „Suggest” des Suchdienstes Google ruft Kritiker auf den Plan. Sind diese Urteile gerechtfertigt?
Seit dem 1. April 2009 ist in Deutschland beim Suchdienst Google die Funktion „Suggest“ bereitgestellt. Sie bietet dem User während des Tippens eines Suchwortes die zehn populärsten Stichworte an.
Im Magazin der ZEIT-Ausgabe vom 29.08.10 ist ein sehr interessanter Artikel („Der ist doch schwul“) des Autors Ulf Lipitz zu lesen. Wir erfahren – Google sei Dank –, dass viele Leute in Bezug auf männliche Prominente, hier Fußballer, wissen wollen: „Ist der schwul?“. Der Autor tippt die Namen verschiedener Fußballspieler bei Google ein und findet heraus, dass die Namen nicht weniger von ihnen mit dem Attribut schwul gebrandmarkt sind. Diese Funktion kreiert damit eine neue Realität. (Anmerkung der Redaktion: vgl. Frank Schirrmacher: Payback. Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen, sowie entstandene Diskussion bei Netzpiloten und CARTA.)
Kritik an Google Suggest
Kritische User haben in Blogs diese Funktion ausgiebig diskutiert. Die Hauptkritiken dieser User sind:
- Google entwickelt sich mit dieser Funktion zu einer rein kommerziellen Anzeigenmaschine.
- Userströme werden umgeleitet, vielleicht sogar auf falsche Fährten geschickt, weil nur die populärsten Begriffskombinationen angezeigt werden. Daraus folgt
- Google entmündigt den User, weil er ihn bei seiner Suche beeinflusst.
Ein Test mit allgemeinen Suchbegriffen wie Mann, Frau, Liebe, Sex, Politik, Wirtschaft und Medien soll Aufschluss über diese Kritikpunkte bringen. In einem ersten Schritt soll die Frage nach möglichen Treffern beantwortet werden, um dies dann mit der Google-Realität zu überprüfen.
Der Mann
Es ist zu vermuten, dass dieses Stichwort in erster Linie von Frauen auf der Suche nach einer Gebrauchs- und Verstehensanweisung eingetippt wird. Die Trefferliste zeigt das Gegenteil. Die ersten acht Treffer verweisen in der Tat auf kommerzielle Seiten, auf denen Möbel und Filter unterschiedlicher Art angeboten werden. Auf Platz 9 und 10 erst werden dem User bzw. der Userin Tipps gegeben, wie man einen Mann erobert und verführt.
Die Frau
Wie beim Stichwort Mann könnte man auch hier die Vermutung hegen, dass der Mann auf der Suche nach Antworten auf die vielseitigen Fragen zum Mysterium Frau ist. Die Ergebnisliste ist aber noch überraschender und unterliegt weniger einem ökonomischen Zwang. Zwar erweisen sich sechs Treffer als kommerzielle Anbieter (ein frauenpolitisches Magazin, einen Online-Stoffladen, ein weiteres Onlinemagazin, ein Tanzcafé in Hamburg, eine Promizeitschrift sowie eine Info-Illustrierte), aber sehr erstaunlich sind drei Treffer, die dem Ressort Kultur zugeordnet werden können. Dies sind zwei Märchenfiguren sowie ein Roman eines berühmten deutschen Schriftstellers. Um ein althergebrachtes Klischee über Frauen zu bestätigen, landet immerhin auf Platz 10 der Suchbegriff: Frau am Steuer.
Die Liebe
Dieser Begriff erweist sich als der vorhersagbarste. Zu erwarten sind Treffer zu den Themen Gedichte, Lieder und Filme. Beachtlich ist hier, dass die Liebesgedichte an erster Stelle stehen, wo doch die deutschsprachige Lyrik der Gegenwart nur noch eine marginale Rolle spielt. Ob die angebotenen Gedichte das Niveau haben, Lyrik genannt zu werden, soll hier lieber nicht geprüft werden. Im Detail sind die Treffer wie folgt:
- Liebesgedichte
- Liebessprüche
- Liebestest
- Liebesgedicht
- Liebes-SMS
- Liebesfilme
- Liebeskummer
- Liebeserklärung
- Liebeslieder
- Liebesbriefe
Der Sex
Dieser Suchbegriff hat verblüfft. Zu erwarten ist eine Auflistung, die von Spielzeug über Praktiken bis hin zu heißen Tipps führt. Doch sieben der zehn Treffer verweisen auf eine amerikanische Serie bzw. deren Spielfilmfassung, ein Treffer auf einen Ferienort im Südtirol und nur zwei Treffer beschäftigen sich im engeren Sinne mit Sex (Sexualität und Sexsucht).
Die Politik
Es ist anzunehmen, dass bei der desaströsen Vorstellung der momentanen Bundesregierung Politikverdrossenheit auf Platz eins steht, aber die Treffer sind weitaus differenzierter, als man glauben mag. Neben den reinen Begriffen Politik und Politiker interessieren sich die User für aktuelle und globale Politik, politische Inkorrektheit, Politikwissenschaften und erst auf Platz 8 für die Politikverdrossenheit.
Die Wirtschaft
Mein persönlicher Favorit der Vorhersage ist der Begriff Wirtschaftskrise, der aber erst auf Platz fünf steht, allerdings vor dem Wunder. Auch hier sind die Treffer bemerkenswert. Wirtschaftswoche und Wirtschaftslexikon stehen auf Platz eins und zwei, der Wunsch, informiert zu sein, spielt also eine wichtige Rolle. Die Teilbereiche Informatik und Psychologie sagen ebenso viel aus wie der Fachbegriff Wirtschaftskreislauf.
Die Medien
Dieser Begriff ist ein schönes Exampel dafür, dass es sich hier um ein Trendthema handelt. Über die Hälfte der Treffer verweist auf ein Interesse, im Medienbereich zu arbeiten (Werkstatt, Gestalter, Informatik, Design, Management, Wissenschaften und Pädagogik). Ein wesentlicher Begriff in unserer medialen Zeit, die Medienkompetenz, rangiert immerhin auf Platz 5 – spricht also für einen mündigen User.
Was wird mit Google gesucht?
Was suchen Personen mit Suchmaschinen wie Google? Tippt man die Buchstaben des Alphabets durch, bekommt man einen schönen Überblick. Unter den Treffern sind in erster Linie kommerzielle Anbieter: Online-Shops und klassische Serviceanbieter wie die Bahn, Fluglinien oder Banken sowie Berühmtheiten von Lena Meyer-Landrut bis Jean-Paul Sartre. Wenn der User sowieso in erster Linie auf der Suche nach kommerziellen Angeboten ist, läuft das Argument, Google Suggest kommerzialisiere das Portal weiterhin, ins Leere – ohnehin hat Google mit einem 100 Millionen US-Dollar schweren Markennamen den Kommerz-Thron längst erklommen.
Dass nur die zehn am häufigsten gesuchten Begriffe angezeigt werden und der User damit auf eine falsche Fährte gelockt wird, scheint ein gutes Argument zu sein. Der mündige und kritische Internetuser wird allerdings nicht auf diesen Suggestionstrick reinfallen, sondern per se schon mit verschiedenen Begriffen hantieren. Dass Google den User entmündigt, weil er ihn beeinflusst, kann mit diesem Test ebenfalls nicht falsifiziert werden. Aber Entmündigung bedeutet, dass jemand bereits mündig war. Der kritische Internetbürger wird sich kaum von Googles Ratschlägen beeinflussen lassen.
Spiegel oder Spiel?
Dies führt zur Frage, ob Google Suggest ein Spiegel der Netzgesellschaft ist. Diese Frage kann nur mit einem jein beantwortet werden, weil erstens zehn Suchbegriffe nicht die Breite der Anfragen darstellen und zweitens in diesem Fall die zufällig ausgesuchten Suchbegriffe unterschiedliche Interessensschichten repräsentieren. Auf jeden Fall ist Google Suggest ein zweckdienliches Werkzeug, um mehr über die Vorlieben der User zu erfahren – egal ob als kommerzieller Anbieter oder als an Gesellschaft interessierter Laie. Google bleibt sich also treu. Man sollte Google Suggest wie alle anderen im Prinzip für ein glückliches Leben irrelevanten technischen Entwicklungen nehmen – es für sich nutzen oder es einfach ignorieren. Dass diese Funktion aber auch Spaß machen kann, zeigt die Seite 2Spare mit ein paar Beispielen für „Fun with Google Suggest“.
Text: Inga Ganzer
Anregungen, Fragen oder Kritik bitte mit einer kurzen @-reply via Twitter.com/GEFFKENMIYAMOTO Danke.
Gibt es eine Rettung aus dem Meer der unbegrenzten Möglichkeiten? Die Beschäftigung mit der Intuition erlebt in einer von Rationalisierung und Ökonomisierung geprägten Welt in Form einer Ratgeberflut wieder eine Renaissance, denn der postmoderne, zivilisierte Mensch droht im Meer der unendlichen Möglichkeiten zu ertrinken. Die Wiederbelebung der Intuition, die zwar erst einmal Beharrlichkeit erfordert, führt zu der Fähigkeit, instinktiv wichtige Entscheidungen richtig zu fällen. Wie kann also die Intuition reaktiviert werden?
In einer von Rationalisierung und Ökonomisierung geprägten Welt häufig verlacht und schon oft tot gesagt, erlebt die Intuition wieder eine Renaissance, was die vielfältigen Ratgeber zu diesem Thema, die allein in diesem Jahr erschienen sind, beweisen. Doch nicht nur in Bezug auf die Intuition überschwemmen Hinweisgebende Sachbücher den Markt. In allen anderen thematischen Bereichen, ob Erziehung, Karriere oder Stilfindung, erfreuen sich Ratgeberbücher immer größerer Beliebtheit. Und nicht nur Individuen nehmen Berater in Anspruch, auch in den großen Unternehmen greifen Firmenchefs schon seit vielen Jahren auf externe Experten zurück, weil sie nicht die zeitlichen und personellen Ressourcen besitzen, Schwierigkeiten selbst zu analysieren und Lösungswege zu konzeptionieren oder ihnen aufgrund einer Betriebsblindheit der objektive Blick von außen fehlt. In Hermann Hesses „Demian“ stellt sich der Protagonist vor das Problem:
„Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir heraus wollte. Warum war das so schwer?“
— Hermann Hesse, „Demian“
Demian findet im Verlaufe des Buches, seiner Intuition folgend, seinen Weg. Doch warum gelingt es uns in der heutigen Zeit nicht mehr so gut, unser Bauchgefühl überhaupt zu spüren und noch weniger, unsere Entscheidungen davon leiten zu lassen? Im 21. Jahrhundert ist der postmoderne, hoch zivilisierte Mensch nahezu täglich dem Zwang unterworfen, eine Entscheidung zu treffen. Diese beinhalten die Berufs- oder Studienwahl, die Reaktion auf Andere innerhalb der Kommunikation, Selbstinszenierung, Kaufentscheidungen etc. Die unendliche Fülle von Möglichkeiten, sich festzulegen, macht die Sache nicht einfacher.
Andreas Gursky, “99 Cent” 1999, C-print, 207 x 337 cm
Matthew Marks Galerie, New York und Galerie Sprüth Magers, Berlin/London – © 2001 Andreas Gursky
Ganz im Gegenteil. Niemand hat die Zeit, alle vorliegenden Angebote zu prüfen, um sich für das auf individuelle Ansprüche abgestimmte Optimum zu entscheiden. Und selbst wenn sich jemand die Mühe gemacht hat, 25 Handys zu vergleichen, werden die Vor- und Nachteile unterschiedlich aufwiegen und zu weiteren Verstrickungen führen. Ratgeber helfen nicht, weil sie zu allgemein gehalten sind und die individuelle Disposition des Einzelnen ausklammern. Persönliche Berater kann sich ein Gros der Bevölkerung nicht leisten. Außerdem stünde auch hier erstmal wieder eine Entscheidung an, welcher Berater denn der Beste sei.
Intuition als wahrnehmende Grundfunktion
Das Wort Intuition ist vom lateinischen „intueri“ abgeleitet und bedeutet „betrachten“. Dieses Verb zeigt schon die wichtigste Position an, mit der Intuition geschult werden kann: Durch die Betrachtung oder auch Beobachtung. Intuition speist sich aus der Vielfalt von Informationen, die sich tagtäglich in unserem Unbewussten sammeln. Leider wird der Zugang zu diesem Wissens- und Erfahrungsreservoir in der Gegenwart oft durch übermäßig rationalistisches und kalkuliertes Denken verbarrikadiert.
Der Psychologe Carl Gustav Jung sieht die Intuition als eine von vier wahrnehmenden Grundfunktionen und bezeichnet sie als instinktives Begreifen oder als eine emotionsgebundene Ahnung. Diese vier Grundfunktionen sind einerseits
- rational (Denken und Fühlen) als auch
- irrational (Empfindung und Intuition).
Rational bedeutet, dass ein Mensch auf der Basis von gesellschaftlich anerkannten Werten beurteilt. Empfindung und Intuition fußen nicht auf messbaren Indikatoren, sondern werden über die Sinne aufgenommen und nicht bewertet. Die Grundfunktionen sind in jedem Menschen angelegt, allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Dieser Umfang wird durch Erziehung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen (vor allem Werte) konfiguriert und so gibt es Kopfmenschen, die eher rational urteilen, ihre Entscheidungen also überdenken und ein Für und Wider abwägen. Und andererseits gibt es Gefühlsmenschen, die aus dem Bauch heraus entscheiden. In einer von Rationalität und Berechenbarkeit geprägten Welt ist dieser Typus aber kaum noch gefragt. Menschen, die sich auf ihre Intuition verlassen, müssen nicht selten Spott ertragen oder werden denunziert, aufgrund mangelnder Fakten ein Bauchgefühl vorzutäuschen. In prekären Zeiten möchte der Mensch Sicherheit erlangen und dies an Faktoren messen können.
Doch die heute so vielfältig und häufig gefällten Entscheidungen unterliegen nicht immer der ihr unterstellten Rationalität und Systematisierung. Diese Dinge bilden vielmehr die Legitimationsgrundlage für diese Entscheidungen. Jeder ist durch sein Unbewusstes beeinflusst, was vor allem der Kontakt zu anderen Menschen zeigt. Ob wir jemanden mögen oder nicht, wird meist nach wenigen Sekunden entschieden. Zeit, in der wir den Anderen auf der Basis von rationalistischen Kriterien nicht hinreichend beurteilt haben können, um zu entscheiden, ob wir ihn sympathisch finden oder nicht. Das Gehirn durchscannt alle vorhandenen Informationen (vor allem Erfahrungen) und gibt uns Hinweis darüber, ob wir die Person mögen oder nicht, ohne dass wir sagen können, warum dies so ist. Der britische Schriftsteller, Philosoph und Essayist Stuart Wilde, der eine Vielzahl von metaphysisch, bewusstseinstheoretisch und philosophisch beeinflussten Büchern über die Geheimnisse des Lebens („The secrets of life“, 1990) veröffentlicht hat, weiß:
„Den natürlichen sechsten Sinn zu entwickeln, erfordert viel Arbeit und Disziplin.“
Wichtige Entscheidungen richtig fällen – instinktiv
Die Wiederbelebung der Intuition, die zwar erst einmal Beharrlichkeit erfordert, führt zu der Fähigkeit, instinktiv wichtige Entscheidungen richtig zu fällen. Es lohnt sich, diese ursprüngliche Kraft zu aktivieren. Die Intuition kann uns langfristig entlasten und ebenso auch bereichern. Doch warum ist es so schwer, seine intuitiven Fähigkeiten, die evolutionsbedingt in jedem Menschen angelegt sind, zu erkennen und sie zu nutzen? Mangelnde Intuition ist eine Zivilisationskrankheit. Der Mensch der industrialisierten Gegenwart hat verlernt, auf seinen Bauch zu hören, weil er nicht mehr ums Überleben kämpfen muss. Die politisch geprägten Vorstellungen eines erfolgreichen und systemadäquaten Daseins haben die Menschen zudem immer stärker in ein Korsett gepresst, das zwar einerseits Sicherheit bietet, andererseits aber auch wenige Ausflüge in gesellschaftlich-politisch nicht besetzte Terrains erlaubt. Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow entwickelte Mitte der 1940er Jahre eine Bedürfnishierarchie, die heute auch als Bedürfnispyramide bekannt ist.
Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow
Dabei bilden die menschlichen Unentbehrlichkeiten Stufen, die aufeinander aufbauen. Erst, wenn der Mensch die unterste Stufe befriedigt hat, kann er zur nächsten aufsteigen. Die Grundlage bilden die sog. körperlichen Existenzbedürfnisse wie Nahrung, Schlaf und Schutz durch Wohnraum. Auf der zweiten Ebene bilden eine materielle Existenzgrundlage und Obhut den Korpus Sicherheit. Drittens liegen die sozialen Bedürfnisse wie Freundschaft und Partnerschaft auf der nächsten Stufe. Darauf folgt das Niveau der Anerkennungsbedürfnisse. Dazu gehören Status, Wohlstand und Erfolge. Die höchste Stufe beschreibt das Thema Selbstverwirklichung und umfasst die Entfaltung von Begabungen und Individualität. Intuition ist ein Relikt aus der Zeit, in der
Homiden lediglich in der Lage waren, die erste Stufe dieser Pyramide zu befriedigen. Sie benötigten ihren Instinkt und ihre Intuition, um Nahrung zu beschaffen oder sich vor Feinden zu schützen. Intuition war vor Zehntausenden von Jahren die wesentliche Ressource im Kampf ums Überleben.
Existentielle Erfahrungen zur Wiederbelebung der Intuition
Der zivilisierte Mensch muss zuerst existenzielle Erfahrungen machen, die die Wurzel der ersten Stufe der Bedürfnispyramide berühren, um die Kraft seiner verkümmerten Intuition überhaupt spüren zu können. Dies kann auf verschiedene Art und Weise geschehen: durch Askese, Mutterschaft oder das Beschreiten neuer Wege.
- Askese ist das bewusste Abwerfen von zivilisatorischen Annehmlichkeiten. In der Religion wird asketisches Verhalten, z.B. in Form von Fasten dazu genutzt, eine geistige Deutlichkeit zu erlangen, die es ermöglicht, eine wesentliche Entscheidung zu treffen. Askese umfasst Entfesselung von allen Alltagsangelegenheiten und auch -problemen. Diese Entledigung führt zu Klarheit.
- Zweitens kann eine Frau, die ein Kind gebärt, zu intuitiven Erkenntnissen gelangen. Sie ist zu Beginn nicht in der Lage, mit dem Neugeborenen direkt zu kommunizieren und seine Bedürfnisse zu erfahren. Deshalb muss sie sich auf ihren Mutterinstinkt verlassen und wird mit viel Aufmerksamkeit bald in der Lage sein, das Kind zu lesen und es zu verstehen.
- Drittens kann eine Reise in ein Land, das auf einem völlig unterschiedlichen kulturellen als auch geringeren ökonomischen Niveau liegt einen ähnlichen Effekt haben, wenn es auf eigene Faust erkundet wird. Der Reisende wird sich auf sein Gefühl verlassen müssen, wenn er weder die Sprache des Landes spricht, noch mit den kulturellen Praktiken vertraut ist. Mangelnde wirtschaftliche Versorgung oder eine unzureichende Infrastruktur in diesem Land stellen den Reisenden bei der täglichen Nahrungs- und Wohnraumorganisation vor weitere Herausforderungen, denen er mit seinen in der Industriegesellschaft erworbenen Fähigkeiten nicht immer Herr werden wird. Der Homo oeconomicus wird sich auf seinen Instinkt und Erfindergeist besinnen müssen.
Wenn die Grundlegung oder Wiederbelebung der Intuition gefunden und bewusst erfahren wurde, kann sie Stück für Stück geschult und ausgebaut werden, ähnlich der von Maslow beschriebenen Pyramide. Die Basis bildet eine Absage an die Selbstverständlichkeit, mit der die Sinne wie sehen, riechen oder tasten, genutzt werden. Das Begreifen der eigenen Sinne als ein Wunder und unerschütterliches Wahrnehmungsfundament führt zu einem neuen Bewusstsein, welches das Leben bereichert. Sobald die Bedeutung der Sinneswahrnehmung bewusst geworden ist, folgt auf der nächsten Stufe die Schärfung dieser neu gewonnenen Erkenntnis. Dies bedeutet Reflexion, die nicht nur die Begabung, sich selbst fühlen und verstehen zu lernen, umfasst, sondern die sich ebenso in Wachsamkeit und in der Fähigkeit zur Muße manifestiert. Auf dieser Basis führt die Wiedererlangung der Intuition über die dritte Stufe, die für Meditation und Kontemplation steht und praktisch mit Imagination, Visualisierung, freiem Assoziieren und bewusstem Träumen erarbeitet werden kann.
Ganz im Rousseau’schen Sinne lautet der Weg aus dem Meer der unbegrenzten Möglichkeiten: Retour á la Intuition!
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
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Glauben Sie an die Wirklichkeit? Was für eine Frage, werden Sie antworten. Die Wirklichkeit ist doch nichts, woran man glauben müsste. Sie holt uns ohnehin sprichwörtlich ein – immer. Aber wovon sprechen wir hier denn überhaupt?
© Mark Boulos
Wie wäre es davon, dass man so oft hört, die Wirklichkeit sähe anders aus? Oder davon, warum es zur Gewohnheit geworden ist, so vielen Wörtern und Behauptungen ein ‚tatsächlich‘, ein ‚wirklich‘ oder ‚echt‘ beizufügen? Lassen Sie uns über die Risse in der Wirklichkeit sprechen, über den Abstand zwischen der Welt, über die geredet wird, und der Welt, die tatsächlich da ist. Aber wozu diese Unterscheidung? Weil die Wirklichkeit immer das Andere ist? Oder die Anderen? Alles, was draußen wartet?
Sprechen wir über die Selbsttäuschungen, da, wo die Wirklichkeit zu schmerzhaft wird. Sprechen wir vom fiktionalen Arsenal der Massenmedien und des Konsums, von den Rhetoriken der Ablenkung und der Beschwichtigung.
Müsste uns das nicht endlich zur Frage nach der Kunst der Gegenwart führen, nach ihrem Verhältnis zur Wirklichkeit?
Die 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst versammelt vom 11. Juni bis zum 8. August 2010 an mehreren Orten Berlins zahlreiche künstlerische Positionen zur Gegenwart. Michael Schmidts fotografische Arbeiten stellen den ersten künstlerischen Beitrag zur Biennale dar und werden sie während ihrer gesamten Dauer im öffentlichen und medialen Raum begleiten.
Kontextualisiert wird die Biennale durch eine Ausstellung mit Werken von Adolph Menzel (1815 – 1905), die der amerikanische Kunsthistoriker Michael Fried auf Einladung von Kathrin Rhomberg in Zusammenarbeit mit der Alten Nationalgalerie und dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin kuratiert.
– Auszug Pressetext, Ausstellung
Kuratorin Kathrin Rhomberg
Seit 1990 ist Kathrin Rhomberg freie Kuratorin von Ausstellungen zeitgenössischer Kunst; sie zeichnet für die Konzeption und Organisation von Kunst- und Theorieprojekten, Vortragsreihen und Symposien und die Realisierung zahlreicher Publikationen verantwortlich. Am 1. Juli 2008 wurde sie zur Kuratorin der 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst berufen, die im Sommer 2010 stattfinden wird. Von 2002 bis 2007 war Kathrin Rhomberg Direktorin des Kölnischen Kunstvereins. Von 2002 bis 2006 hat sie gemeinsam mit Marion von Osten die künstlerische Leitung des von der Kulturstiftung des Bundes initiierten Projekts Migration übernommen. Gemeinsam mit Maria Hlavajova ist sie Gründungsdirektorin von Tranzit, einer langfristigen Initiative der Erste Bank Gruppe zur Förderung zeitgenössischer Kunstprojekte in Zentraleuropa, die seit 2002 besteht. Im Jahr 2000 war sie gemeinsam mit Maria Hlavajova, Ole Bouman und Francesco Bonami Co-Kuratorin der Manifesta 3 – Europäische Biennale für zeitgenössische Kunst, Ljubljana. Von 1990 bis 2001 war sie Kuratorin und Leiterin des Ausstellungsbüros Secession in Wien.
Zuletzt hat sie 2009 die Ausstellungen Ion Grigorescu – In the Body of the Victim 1969–2009 im Museum für Moderne Kunst in Warschau und Roman Ondák – Loop im Tschechischen und Slowakischen Pavillon der 53. Biennale di Venezia kuratiert. Im Kölnischen Kunstverein zeigte sie unter anderem Clemens von Wedemeyer (2006), Jutta Koether (2006), Sanja Iveković (2006), Cezary Bodzianowski (2005), Trisha Donnelly (2005), Cosima von Bonin (2005), Roman Ondák (2004) und Florian Pumhösl (2003). In der Wiener Secession hat sie unter anderem Einzelausstellungen mit Christopher Wool (2001), Trinh T. Minh-ha (2001), Renée Green (1999), Pierre Huyghe (1999), Markus Geiger (1998), Mike Kelley & Paul McCarthy (1998), Zoe Leonard (1997), James Coleman (1997), Lois Weinberger (1996), Carsten Höller (1996), Dieter Roth (1995) und Heimo Zobernig (1995) realisiert sowie die Gruppenausstellungen Ausgeträumt… (2001) und Junge Szene (1998).
Kathrin Rhomberg lebt und arbeitet in Wien und Berlin.
Artists Beyond
Den Auftakt der 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst bildet das durch die Europäische Kommission geförderte Projekt Artists Beyond, mit dem die Produktion von Künstlerinnen und Künstlern an ihren Wirkungsstätten in einen öffentlichen Dialog eingebunden werden soll. Auf Einladung von Kathrin Rhomberg haben sieben Künstlerinnen und Künstler in Europa die Arbeit an ihren Beiträgen bereits aufgenommen:
- Mark Boulos, *1975, lebt und arbeitet in Amsterdam
- Phil Collins, *1970, lebt und arbeitet in Glasgow/Großbritannien und Berlin
- Marcus Geiger, *1957, lebt und arbeitet in Wien
- Nilbar Güreş, *1977, lebt und arbeitet in Wien und Istanbul/Türkei
- Petrit Halilaj, *1986, lebt und arbeitet in Berlin, Runik/Kosovo und Bozzolo/Italien
- Thomas Locher, *1956, lebt und arbeitet in Kopenhagen und Berlin
- Marie Voignier, *1974, lebt und arbeitet in Paris
Ein zentrales Anliegen von Artists Beyond ist es, den Entstehungsprozess der künstlerischen Arbeit für die Berlin Biennale der jeweiligen lokalen Öffentlichkeit vorzustellen. Artists Beyond gibt mit unterschiedlichen Veranstaltungen Einblicke in künstlerische Forschung und Arbeit und ermöglicht eine Partizipation am Schaffensprozess sowie einen Austausch mit dem Publikum am Wirkungsort der beteiligten Künstlerinnen und Künstler.
Dieses, sowie das Bild oben, aus der Videoinstallation von Mark Boulos: “All That Is Solid Melts into Air”, 2008; 2-Kanal-Installation, HDV, Farbe, Ton; 14′ 20”; 6. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
Künstlerinnen und Künstler:
Bernard Bazile (*1952 in Tulle/Frankreich), Mark Boulos (*1975 in Boston/USA), Mohamed Bourouissa (*1978 in Blida/Algerien), Olga Chernysheva (*1962 in Moskau/Russland), Phil Collins (*1970 in Runcorn/Großbritannien), Minerva Cuevas (*1975 in Mexiko City/Mexiko), Shannon Ebner (*1971 in Englewood/USA), Nir Evron (*1974 in Herzlia/Israel), Marcus Geiger (*1957 in Muri/Schweiz), Ion Grigorescu (*1945 in Bukarest/Rumänien), Friedl vom Gröller (Kubelka) (*1946 in London/Großbritannien), Nilbar Güreş (*1977 in Istanbul/Türkei), Petrit Halilaj (*1986 in Skenderaj/Kosovo), Marlene Haring (*1978 in Wien/Österreich), Cameron Jamie (*1969 in Los Angeles/USA), Sven-Åke Johansson (*1943 in Mariestad/Schweden), Thomas Judin (*1982 in Frankfurt am Main/Deutschland), George Kuchar (*1942 in New York/USA), Andrey Kuzkin (*1979 in Moskau/Russland), Thomas Locher (*1956 in Munderkingen/Deutschland), Adrian Lohmüller (*1977 in Gengenbach/Deutschland), Armando Lulaj (*1980 in Tirana/Albanien), Renzo Martens (*1973 in Sluiskil/Niederlande), Adolph Menzel (*1815 in Breslau, † 1905 in Berlin), Avi Mograbi (*1956 in Tel-Aviv/Israel), Henrik Olesen (*1967 in Esbjerg/Dänemark), Roman Ondák (*1966 in Zilina/Slowakische Republik), Marion von Osten (*1963 in Dortmund/Deutschland), Ferhat Özgür (*1965 in Ankara/Türkei), Margaret Salmon (*1975 in New York/USA), Hans Schabus (*1970 in Watschig/Österreich), Michael Schmidt (*1945 in Berlin/Deutschland), Ruti Sela (*1974 in Jerusalem/Israel) & Maayan Amir (*1978 in Hadera/Israel), Gedi Sibony (*1973 in New York/USA), John Smith (*1952 in London/Großbritannien), Michael Stevenson (*1964 in Inglewood/Neuseeland), Sebastian Stumpf (*1980 in Würzburg/Deutschland), Ron Tran (*1972 in Saigon/Vietnam), Danh Vo (*1975 in Saigon/Vietnam), Marie Voignier (*1974 in Ris-Orangis/Frankreich), Vincent Vulsma (*1982 in Zaandam/Niederlande), Anna Witt (*1981 in Wasserburg am Inn/Deutschland), Pleurad Xhafa / Sokol Peçi (beide *1984 in Albanien
Petrit Halilaj, “They are Lucky to be Bourgeois Hens”, 2008, Installation, verschiedene Materialien, “Art is my Playground”, Tershane, Istanbul. (Courtesy Chert, Berlin) Foto: Alexis Zavialoff
Ausstellungsorte:
11.06.2010 – 08.08.2010
-
Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst
Kunst-Werke – Institute for Contemporary Art
Auguststr. 69
10117 Berlin MAP
Mail: office@berlinbiennale.de
Telefon: +49 (30) 2434 59-0 - Alte Nationalgalerie (Museumsinsel)
Bodestraße 1–3
10178 Berlin MAP - Oranienplatz 17
10999 Berlin MAP - Dresdener Straße 19
10999 Berlin MAP - Kohlfurter Straße 1
10999 Berlin MAP - Mehringdamm 28
10961 Berlin MAP
Rahmenprogramm und Kooperationen:
La monnaie vivante / The Living Currency / Die lebende Münze
17.–19.6.2010, 19.30–00.30 Uhr, HAU 1, Stresemannstraße 29, 10963 Berlin
Nach Pierre Klossowski, inszeniert von Pierre Bal-Blanc für die 6. Berlin Biennale und realisiert in Zusammenarbeit mit dem Hebbel am Ufer (HAU) und dem Centre d’art contemporain de Brétigny (CAC Brétigny).
Mit Performances und Arbeiten von Marie Cool Fabio Balducci, Robert Breer, Pier Paolo Calzolari, Ceal Floyer, Simone Forti, Prinz Gholam, Jens Haaning, Sanja Iveković, Jiří Kovanda, Teresa Margolles, Roman Ondák, Christodoulos Panayiotou, Gianni Pettena, Pratchaya Phinthong, Santiago Sierra, Annie Vigier & Franck Apertet (les gens d’Uterpan), Franz Erhard Walther, Franz West, Artur Żmijewski u. a.; sowie mit Partituren von Cornelius Cardew und Christian Wolff, gespielt von Jean-Jacques Palix.
Searching for the Post-Capitalist Self
e-flux journal #17, Sommer 2010, gast-editiert von der Künstlerin und Kuratorin Marion von Osten als ihr Beitrag zur 6. Berlin Biennale in Zusammenarbeit mit e-flux journal.
Mit Beiträgen von An Architektur / Massimo de Angelis / Stavros Stavrides, Manuela Bojadzijev / Serhat Karakayali, Antke Engel, Jesko Fezer, Tom Holert, Judith Hopf, Isabell Lorey, Sebastian Luetgert, Natascha Sadr Haghighian, Marion von Osten / Fahim Amir / Eva Egermann / Peter Spillmann und Florian Zeyfang.
Soviel für heute – und nur für die, die es noch nicht wissen: man kann uns auch via Twitter folgen.
Wie bereits angekündigt, lädt Come Closer zur Veranstaltung
”Reflecting Water – Design und Ökologie” am kommenden
Donnerstag, den 17. Juni um 19.30 im
Museum für Angewandte Kunst (Frankfurt).
Vortrag 1:
Der pure Anspruch‚ Wasser sparen‘ wäre zu kurz gedacht. Nachhaltiges Agieren des Unternehmens Dornbracht reicht von der Produktion, über das Nutzungsversprechen hin zur gesellschaftlichen Verantwortung. Design spielt immer eine aktive Rolle.
Referent ::
Thomas Richter/Leitung Business Development bei Dornbracht
Vortrag 2:
Ein futuristischer Container: ‚Self‘ – eine energie- und wasserunabhängige Raumzelle. Für den temporären Einsatz, als mobile Forschungsstation, Event-Location oder als Rückzugsort konzipiert.
Referenten ::
Das Schweizer Designduo Sandro Macchi und Björn Olsson
Anmeldungen unter Come closer.
“It is not clear precisely where a mountain ends. People possess a sense of appearances and territory in their vicinity, and there are no clear borders existing between people and things.”
After Part I of this row got posted a few weeks ago, we received a lot of requests to proceed with this fascinating listing – so it’s time to take a look at the next chapters of the Eight Manifestations of the Japanese Aesthetic now. But wait. Before that we’d like to repeat we’re thrilled to publish this fantastic insights which got possible through a transcript of Masayuki Kurokawa’s speech at the award ceremony of the Next Maruni Competition:
1 - Totality in details: Bi
2 - Parallel aggregation of details: Hei
3 - Mutual harmony created by the appearance of details: Ma
4 - Simplification leading to richness: Fu
5 - Splendor created through concealment: Hi
6 - The world was originally harmonious: So
7 - Flowing beauty with no resistance: Ka
8 - Destruction is creation: Ha
2. Parallel aggregation of details: Hei
It is precisely because the whole is present in the details that the details are able to keep their distance from one another and harmonize in the form of an aggregate consisting of details alone. If the details are merely parts of the whole, they will need to be mediated by an infrastructure, but they are able to coexist on their own as details when organized in parallel. Parallelism (hei) refers to a flat structure without layers, but, in the case of such an organization, the individual details will never get sacrificed to the whole.
In distinction to structures possessing normative values, such as God for instance, the structure of Japanese values is such that norms are created by factors such as consideration and shame that come into play between individual people. This is the mechanism whereby parallel relationships are maintained, and this is how one thing is able to harmonize with another while keeping an appropriate distance.
One might compare the structure of Western cities with their infrastructures as being like a tree, in contrast to which a Japanese village is laid out in the manner of a parallel network. The human brain is similarly organized as a parallel network of neurons, and the world created by the Internet is likewise a parallel network of individuals. Parallel relationships are what democracy is all about.
Nextmaruni
Japanese spaces are such that each and every one of the details is considered to be of equal importance, and they possess a structure in which perspectives obtained from a variety of individual details are able to coexist in parallel.
Nextmaruni
The cells, or neurons, in the human brain are independent, scattered units existing in parallel. They establish connections by means of stimuli on each occasion as required.
Nextmaruni
The Kanazawa 21st Century Museum of Art designed by Kazuyo Sejima is made up of a parallel assembly of rectangular exhibition rooms set inside a circular outer wall made of glass. The inside of the museum is arranged exactly like a village, consisting as it does of exhibition rooms which maintain their distance one from the other. Exhibitions can be held by freely linking the individual rooms.
3. Mutual harmony created by the appearance
of details: Ma
Social harmony in Japan is created by factors connected with the way that people relate to others, for example feelings of consideration and shame. In order for people to coexist and harmonize with one another, norms based on absolute values are employed in monotheistic societies, but such norms do not arise in a polytheistic country such as Japan where gods have traditionally been thought to exist in nature and in things themselves. The key to obtaining harmony so as to facilitate coexistence between people is consideration for others. For Japanese people, who have an aversion to shame, who value harmony, who place importance on obligation, and who, in generalized terms, take joy in the fusion with nature, it is precisely this distancing with things and with nature that provides an important norm under which they can lead their lives.
As in the case of relationships between people, things, sounds and pictures are arranged in such a manner as to place importance upon their mutual distancing. This is considered to be the way in which harmony can be obtained through the world as a whole. The space required for obtaining this harmony is known in Japanese as ma.
Ma is created by those appearances that one might refer to as “consideration” or “allure” that appear in the vicinity of people, things, sounds and pictures. The sense of shame and harmony gives rise to the appearances generated by people. These appearances respond to the appearances of other people, things, sounds and pictures and harmonize with them. This concept of ma is unlikely to emerge in the Western world, where absolutism is the dominating principle.
„Where a person’s bottom ends is unclear. The bottom is vaguely linked to the back. The beauty of a woman’s body lies in this sense of ma projected by this vagueness of meaning.“
— Masayuki Kurokawa
Nextmaruni
The names, the existence, and the periphery of separate parts of the world are unclear. It is not clear precisely where a mountain ends. People possess a sense of appearances and territory in their vicinity, and there are no clear borders existing between people and things. Ma results from this gathering together of appearances on the periphery.
Nextmaruni
In his picture entitled “Pine Forest” (Shorin-zu), Hasegawa Tohaku sets out in parallel two pine forests with vaguely delineated peripheries, with the result that the empty space between them gives rise to a mysterious sense of space. This is the power of ma.
4. Simplification leading to richness: Fu
Many people think that it is precisely simplicity that offers the means to portray true richness. One of the principles of modern design expounded by Mies van der Rohe was “less is more”, and it seems likely that this was a principle that Mies actually acquired from Japanese thought. The idea here is that nothing does not necessarily mean the absence of anything, and that it contains within it the seeds of diversity.
There is a tendency within the Japanese aesthetic to place more importance on texture than on lavishness of form. As regards the use of washi paper, floors, walls and tatami mats, the aesthetic of the sukiya tea ceremony hut is based on simple forms and a paramount concern with texture. In the case of kimono too, it is the fine aspects of texture such as coloring and weave patterns that are regarded as important, and the form of the costume as such is totally standardized.
Expression has been cut away and simplified, but what is actually happening is the concentration of consciousness on minutes details.
Sen no Rikyu, the great master of the tea ceremony, is said to have greeted a guest with a single morning glory which remained after he had cut away all the other blossoms. His approach was no doubt based on the idea that the most vivid impression could be created by the process of elimination.
The Japanese sensibility is concerned first and foremost with minute detail, in which the whole world is considered to be concentrated. It is precisely by cutting away and eliminating that it becomes possible to liberate the enormous that lies hidden within details.
* Sen no Rikyu (1522-91): A merchant from the port city of Sakai and a tea master who taught the art of the tea ceremony to Toyotomi Hideyoshi, who stood at the pinnacle of the military class. The simplicity of the sukiya tea ceremony hut might be considered as conveying a sense of resistance to the military class.
Nextmaruni
This is a mizusashi jug as used in the tea ceremony designed by Masayuki Kurokawa. Made of silicon, it runs contrary to the traditional aesthetic of the tea ceremony, but the designer has striven to maintain a simple form with the emphasis on an extremely fine texture reminiscent of tofu, one of Japan’s traditional foods. It incorporates the aesthetic concept referred to in Japanese as ha.
Nextmaruni
Around the outside of the pillar-and-beam space that results from this process of removal are set outer walls made from wood and paper known as akari-shoji. These are temporary open walls which can be opened and closed at will. The floors are either simple planked structures or covered with tatami mats. The house thus consists of the absolute minimum of elements.
If one takes away the windows from the box-shaped space and then expands it, what remains is a space consisting of pillars and beams. The walls possess a rigid-frame structure and continuity. The space inside a Japanese wooden building is a pillar-and-beam structure created by removing walls, in distinction to European stone buildings with their fixed wall structures.
Ok. That’s it for today. Feel free to send us your suggestions, questions or thoughts via a short @-reply at Twitter – and if you wanna make sure you don’t miss the next post of this series, don’t forget to follow us on Twitter. Thanks.
Hans-Peter Feldmanns Holzskulptur “The Traveller” soll fünf Monate lang am Bauzaun des neuen Flagship-Stores des Luxus-Taschenherstellers Louis Vuitton ausgestellt werden. Dabei reist sie einmal um die Welt.
Ein Bauzaun wird zum Schaufenster der Kunst: Der für seine skurril-eigenwilligen Projekte bekannte Düsseldorfer Konzeptkünstler Hans-Peter Feldmann hat jetzt einen wahren Hingucker an einer Baustelle auf der Düsseldorfer Nobel- Einkaufsmeile Königsallee produziert. In einem Guckloch, das in einen in rote Plastikfolie gehüllten Bauzaun geschnitten ist, wandert seit Donnerstag ein hölzerner Mensch. Angetrieben von einem Motor ist die etwa drei Meter hohe schablonenartige Figur wie in einer Schaufenster-Vitrine ausgestellt. Sie würdigt die Passanten keines Blickes, sondern läuft ohne Pause weiter wie auf dem Laufband eines Fitnessstudios.
Feldmanns Holzskulptur “The Traveller” soll fünf Monate lang am Bauzaun des neuen Flagship-Stores des Luxus-Taschenherstellers Louis Vuitton ausgestellt werden. Dabei reist sie einmal um die Welt. Jeden Monat wird eine andere Station symbolisch im Hintergrund dargestellt: Paris, New York, Shanghai, Mumbai und am Schluss Düsseldorf.
Ohne Hintersinn und Humor läuft bei dem 69-jährigen Künstler allerdings nichts – so ist es auch bei seiner Kooperation mit der Edelmarke. «Ich hab das billigste Material genommen, was ich kriegen konnte», sagte Feldmann der Nachrichtenagentur dpa. «Holz und Hartfaserplatten.» Der Name des Taschenherstellers, so betonte er bei der Enthüllung der Installation, sei nirgendwo am Kunstwerk zu sehen. Dafür sei der Effekt der Kunst am Bauzaun maximal: «Das ist eine Vitrine in der Stadt anstatt eines Museums.» Täglich liefen tausende Menschen an der Skulptur vorbei. «Das ewige Gehen, das hört nie auf», sagte Feldmann.
© Herling/Gwose
Hans-Peter Feldmann “Schattenspiel”, Installation, 2002 bis 2009
Bekannt ist von Feldmann unter anderem eine sechs Meter hohe, rosafarbene Variante von Michelangelos David, die er vor dem Kölner Dom platzierte. 2009 beeindruckte er mit seinem «Schattenspiel» auf der Biennale in Venedig – einer Installation kleiner Spielsachen und alltäglicher Dinge, die auf Plattformen rotieren und ein Schattenspiel erzeugen.
Generell ist Feldmanns Verhältnis zur Kunst exzentrisch: 1980 zerstörte er einen Großteil seiner Arbeiten. Und er signiert seine Werke grundsätzlich nicht. Als ihn ein Kunstliebhaber kürzlich dennoch um eine Widmung in einem Buch bat, biss Feldmann kurzentschlossen hinein.
Düsseldorf (dpa/lnw), via Artefacti.
The renowned art fabricator Carlson has been forced to close due to economic pressures. The company, based in San Fernando, California, and founded in 1971, rose to prominence after producing Jeff Koons’s stainless-steel Balloon Dog sculptures.
The renowned art fabricator Carlson has been forced to close due to economic pressures, Bloomberg reports. The company, based in San Fernando, California, and founded in 1971, rose to prominence after producing Jeff Koons’s stainless-steel Balloon Dog sculptures (1994–2000). It also won production commissions from, among many others, Doug Aitken, John McCracken and Charles Ray. The company had been hoping for a resolution to its financial woes – it was soliciting business as recently as two weeks ago – but has now been forced to abandon in-progress work and lay off its 95 employees.
© Librado Romero/The New York Times
The use of high-end fabricators like Carlson became increasingly popular in the past decade as billionaire art collectors hunted for pricey large-scale artworks to fill private museums and foundations.
Carlson’s reputation rose along with the contemporary art market. The company was featured in a profile in the New York Times in 2007, the same year Artforum magazine devoted an issue to “The Art of Production.”
To give our 2 cents: couldn’t be found an art billionaire willing to help Carlson?!
Via ArtReview
PS1 REFRESH hat in dieser Woche Stempel mit dem Aufdruck „BESITZ besitzt!“ produziert, zufällig an Passanten in Berlin verteilt und diese aufgefordert, Geldscheine damit zu bedrucken, denn:
BESITZ besitzt!
Geldscheine sind ein öffentliches Medium, das im öffentlichen Raum mehr oder weniger bewusst durch seine Besitzer verteilt wird. Geld ist ein ganz normaler Alltagsgegenstand, dem unter gewissen Umständen nur ein begrenztes Maß an Aufmerksamkeit zuteil wird. Es mag sein, das für Geld vieles zu haben ist; Ästhetik und Moral sind jedoch sicher nicht käuflich zu erwerben.
Kein anderes „Ding“ in unserem Leben manipuliert uns in unseren Zielen, Absichten und Träumen so stark wie das Geld. Unsere Wahrnehmung ist durch und durch getrübt von der manipulativen Kraft des Geldes. Je eher wir erkennen, dass unsere Wahrnehmung lenkbar ist, desto kritischer können wir auf unsere Umgebung blicken.
Unsere Kulturproduktion PS1 REFRESH hat in dieser Woche Stempel mit dem Aufdruck „BESITZ besitzt!“ zufällig an Passanten verteilt und dazu aufgefordert, Geldscheine damit zu bedrucken – um all jene, die in Zukunft diese Banknoten in Händen halten, für einen Moment zum Nachdenken über Fragen anzuregen:
- Was ist Besitz?
- Was besitze ich?
- Was möchte ich besitzen?
- Warum möchte ich es besitzen?
- Besitzt mich mein Besitz?
Menschliches, Allzumenschliches
Nur wenige Jahre nach der Veröffentlichung des Kapitals (1867) von Karl Marx kritisiert Nietzsche den Kapitalismus in Form des Besitzes. Der Begriff des Besitzes wird juristisch als die „tatsächliche Herrschaft einer Person über eine Sache“ definiert. In der historischen Definition beschreibt Besitz all jene Dinge, über die man verfügt, also eine Verfügungsgewalt hat.
Der Besitz besitzt. – Nur bis zu einem gewissen Grade macht der Besitz den Menschen unabhängig, freier; eine Stufe weiter – und der Besitz wird zum Herrn, der Besitzer zum Sklaven: als welcher ihm seine Zeit, sein Nachdenken zum Opfer bringen muss und sich fürderhin zu einem Verkehr verpflichtet, an einen Ort angenagelt, einem Staate einverleibt fühlt – alles vielleicht wider sein innerlichstes und wesentlichstes Bedürfnis.
— Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches II. Ein Buch für freie Geister, 1879, Absatz 317
Die Abstrakta Herrschaft und Gewalt zeigen die negative Konnotation des Begriffes Besitz an. Wie Nietzsche darstellt, macht Besitz in einem gesunden Maße unabhängig und frei, zu viel Besitz allerdings macht den Menschen zum Sklaven:
- Besitz braucht Zeit in der Pflege und im Nachdenken darüber,
- Besitz macht immobil und kostet oftmals in Form von Versicherungen noch mehr Geld.
Und so manchen mag Besitz vielleicht zermürben, weil er eine diffuse Angst entwickelt, seinen Besitz zu verlieren. Er grenzt sich gegen vermeintliche Diebe ab, wird misstrauisch, aber auch gierig, arrogant, oberflächlich und selbstverliebt. Besitz täuscht einen Wert vor, Besitz tötet Geist, der durch Besitz ausgefüllt wird.
Brüder, zur Sonne, zur Freiheit
Wer sich je von seinem Besitz trennen musste, sein Hab und Gut vielleicht verschenkt und andere damit glücklich gemacht hat; wer schon mal mit dem Rucksack und nur dem Notwendigsten am Leib durch ein fernes Land gewandert ist und trotzdem zufrieden und glücklich war; wer sich vielleicht auch auf einer Tanzfläche frei bewegen und sich in andere Sphären tanzen konnte ohne lästigen Ballast bei sich zuhaben; wer im Sommer nur mit einer leichten Hose und T-Shirt bekleidet am Strand entlang gegangen ist oder ohne Geldbörse und Schlüssel aus dem Haus gehen konnte – der weiß, dass ein Gefühl von geistiger oder emotionaler Freiheit immer auch mit einer dinglichen Freiheit verknüpft ist.
Fragen, die wir uns also von Zeit zu Zeit selbst stellen sollten, können an dieser Stelle lauten:
- Was ist mir wichtiger: Freiheit oder Bindung?
- Auf was kann ich verzichten?
- Was brauche ich wirklich zum Leben?
Politische Kunst – kurze Bestandsaufnahme
Man könnte vermuten, dass in Zeiten einer bei weitem noch nicht überwundenen, weltumspannenden Finanz- und Wirtschaftskrise sowie einer Vielzahl drängender (gesellschafts-)politischer Themen die politische Kunst eine neue Konjunktur erfährt, so wie das in den späten 20er & frühen 30er Jahren nach der „Großen Depression“ oder zum Ende der 60er Jahre der Fall gewesen ist, doch eine nähere Auseinandersetzung mit diesem Thema führt größtenteils in die (linke) Vergangenheit.
So wurde z.B. in den 20er Jahren eine alternative Kunst in Anlehnung an linke Parteien und Institutionen aufgebaut, in der eine Veränderung der Beziehung zwischen linker und bourgeoiser Kunst im Mittelpunkt stand, ein neues Kultursystem, das als radikal bezeichnet werden kann. Im Zuge der Konflikte und Krisen der 60er & 70er Jahre stand die Antithese im Vordergrund, die sich irgendwo in der Grauzone zwischen kritischer, kapitalismusfeindlicher Kunst sowie politischem Desinteresse manifestierte.
Die politische Kunst hat also im Jahre 2010 eine turbulente Vergangenheit hinter sich und steht somit in einer berühmt-berüchtigten Tradition, auf deren Radikalität sie sich auch berufen sollte. Andererseits bietet der Rückgang mit der Beschäftigung dieser Gattung seit den 70er Jahren eine neue Ausgangsbasis, eine neue Kultur der künstlerischen Auseinandersetzung mit politischen Themen, an denen es nicht mangelt, zu schaffen: um mit konstruktiver Kritik Mut zu machen, Alternativen zu entwerfen und mit künstlerischen Beiträgen das komplexe Verwirrspiel von Wirtschaft, Medien & Politik aufzulösen und vereinfacht darzustellen!
Mehr zu dieser Aktion wird hier in den nächsten Wochen zu lesen sein. Und für den Fall der Fälle: man kann uns auch auf Twitter folgen.
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
Children are artists per se: they’re architects, fashion designers, painters, musicians or linguistic artists. When they’re 2 years old they speak Dada. They simply start to take words out of the chaos whizzing around them that seem to be reasonable.
And soon, they start to compose verses or try new word combinations. Children’s language has no communicative character – the language is only accompanying the behaviour of the children. A child is not speaking for itself, it’s not expressing itself. It is just talking to itself in a way as being someone else. This egocentric language PDF (Jean Piaget, Lew S. Wygotski) is lost with further language acquisition as the way the children thinks (and therefore it’s language) is adapting to the world of the adults.
Children don’t know anything about limits. This especial sense of infinity makes them artists.
Children intuitively start to rock gently when they’re listening to music and of course they like instruments. They sing songs they dreamt up or they stand in front of the radio rocki’n’rollin’ with a broomstick and a fixed glue-stick-microphone. They paint, draw, glue and cut wild picture creations while losing theirselfs in their dreams. They dress up just the way they want. They don’t care about any kind of conventions or temporary fashion. Some boys like nail polish or barrettes, other girls love short hair and baggy pants. They put grey gym pants over orange jeans and they wear shirts with pictures of their heroes and crown their creations with glitter scarves. Children want to wear princess’ dresses or Darth Vader costumes. For children fashion is just an expression of a paticular moment. Intuitively a child is able to express a present mood. Children are also architects: they pile building bricks, they build (depending on their disposability) houses from cushions and plates or they build palaces in trees, hedges or small valleys. Children try to build barrages or clarification plants with self-made complex systems from wood and stone. Children don’t know anything about limits – and it’s this especial sense of infinity that makes them artists.
Trying to transact intuitively the things that touch emotionally.
Children go to the bottom of their play, they partition from adults’ world and from the real world around them into a fantasy world, where they probe the most improbable combinations of play. They create their own world. This ability to elude enables children to look at the world from another point of view: to see the inconceivable, the inexplicable, and entering into the world of metaphysics. Playing contains philosophy: the essential ability to ask why, how and what something is. Children ask. And if they don’t get an answer they try – intuitively. Children make mistakes, excludes and researches. They are happy about every small single thing and detail. Children simply disregard the boarders of sanity and probability. Children are artists, who try to transact intuitively the things that touch them emotionally.
The inspirational source of a child comes from deep inside of it’s soul.
The inspirational source of a child comes from deep inside of it’s soul. These sources are fantasy and experience. While underlying no stress, no obligation or conventions, a child is able to separate itself and to generate an adult-free space. It learns to fly into an ideal world, a world where animals speak, where it meets fantasy-charaters and real-world people and where it speaks its own language. A child is not trying to express a picture of itself as it still has no completed self-perception. Within it’s arts a child simply expresses a mood: each picture, each song, each sand castle and each laughter is an image of the things that happen inside – an image of the pure original impulse to explore and understand the world and no therapeutic method. A child’s artwork is free of any valuation or tradition, it is something idiosyncratic, without relation and therefore it is absolutely pure. Those kind of artworks are a mirror of our original artist being.
Picture from the Damaged Good Film by british artist Barnaby Barford.
If a child has to submit to a daily schedule, if it gets portioned play times, if it has to follow up appointments and if there’s no adult-free space (and very often it isn’t in our (so called) civilized world), a child will loose it’s ability to play artistically. It will loose it’s inner voice and will never again achieve this ability.
Everyone’s an artist
Every human being is an artist if one was able to maintain the inner voice, if one is up to clear out of expectations and conventions, if one is able to act intuitively – able to loose oneself, to dream, to play and to elude from the pressure nipping every inspiration in the bud. Art is an experiment and is a combination. Art is philosophy:
Art is asking why, what and how. Art is leaving boarders. Art is delimitation and the ability to go into the depths of oneself. Art is the joy to play.
Text: Inga Ganzer
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Kinder sind per se Künstler: Architekten, Modeschöpfer, Maler, Musiker oder Sprachkünstler. Als Zweijährige sprechen sie Dada, fangen an, sich im Chaos der Wörter, die ständig um sie herumsirren, diejenigen zu klauben, die ihnen sinnvoll erscheinen.
Kinder fangen bald an, zu dichten oder probieren neue Wortkombinationen aus. Die Sprache des Kindes hat keinen kommunikativen Charakter, sie begleitet nur das Verhalten des Kindes. Das Kind spricht nicht für sich, es drückt sich nicht aus, sondern unterhält sich mit sich selbst, in der Weise, als ob es jemand anders wäre. Diese egozentrische Sprache PDF (Jean Piaget, Lew S. Wygotski) geht mit dem weiteren Spracherwerb verloren, da sich das kindliche Denken (und damit auch seine Sprache) an die Erwachsenenwelt anpasst.
Für Kinder hat die Welt keine Grenzen. Dieses Gefühl der Unendlichkeit macht sie zu Künstlern.
Kinder wiegen sich automatisch zur Musik und mögen Instrumente. Sie singen selbst erdachte Lieder oder stehen mit Besenstiel und befestigtem Klebestift als Mikrofon vor dem Radio und machen Rock’n'Roll. Sie malen, zeichnen, kleben, schneiden wilde Bildkreationen und versinken dabei in sich selbst. Kinder ziehen an, was sie wollen. Sie kümmern sich nicht um Konventionen oder Modeerscheinungen. Manche Jungen mögen Nagellack und Haarspangen, andere Mädchen lieben kurze Haare und Baggy Pants. Sie stülpen graue Jogginghosen über orangene Jeans und tragen Druck- und Mottoshirts ihrer Helden und krönen sie mit Glitzerschals. Kinder wollen Prinzessinenkleider tragen oder Darth-Vader-Kostüme. Für Kinder ist Mode Ausdrucksmittel des Moments. Das Kind weiss seiner Stimmung modisch intuitiv Ausdruck zu verleihen. Das Kind ist ebenso Architekt, es stapelt Bauklötze, baut (je nach Verfügung) Buden aus Decken und Kissen oder in Bäumen, Hecken und kleinen Tälern, es erprobt den Staudammbau und die Kläranlage mit selbstgebauten, komplexen Systemen aus Holz und Steinen. Für Kinder hat die Welt keine Grenzen. Dieses Gefühl der Unendlichkeit macht sie zu Künstlern.
Das Kind ist ein Künstler, der das, was ihn im Tiefsten berührt, versucht, intuitiv umsetzen.
Kinder versinken in ihr Spiel, sie schotten sich ab von der Erwachsenenwelt, von dem realen Drumherum in eine Fantasiewelt, in der sie die unwahrscheinlichsten Kombinationen durchprobieren und sich damit ihre eigene Welt erschaffen. Dieses Sich-Entziehen ermöglicht den Blick auf das Ausserweltliche, Unerklärliche, hält Einzug in eine metaphysische Welt. Das Spiel umfasst das Philosophieren, das sich fragen, was, wie und warum etwas ist. Das Kind fragt. Und wenn es keine Antwort bekommt, probiert es sich aus, intuitiv. Es macht Fehler und schliesst aus, es erforscht, es erfreut sich an dem Kleinen, dem Detail. Es lässt die Gesetze der Vernunft und Wahrscheinlichkeit völlig ausser Acht. Das Kind ist ein Künstler, der das, was ihn im Tiefsten berührt, versucht, intuitiv umsetzen.
Die Inspiration der Kinder erwächst aus ihnen selbst.
Die Inspiration der Kinder erwächst aus ihnen selbst. Das Reservoir sind die eigene Fantasie und das Erlebte. Frei von Konventionen, Stress und Verpflichtungen ist das Kind in der Lage, sich abzugrenzen, einen Erwachsenenfreien Raum zu generieren und lernt fliegen, in eine Welt, die seinem Ideal entspricht: in der Tiere sprechen, Fantasiegestalten, aber auch bekannte Gesichter Einzug erhalten, in der oft eine eigene Sprache ersonnen wird. Das Kind versucht in seiner Kunst, nicht sich selbst abzubilden, weil es noch kein fertiges Selbstbild hat. Das Kind drückt in seiner Kunst eine Stimmung aus: jedes Bild, jedes Lied, jede Sandburg und jedes Lachen sind ein Abbild des Geschehen im eigenen Inneren, des ursprünglichen Drangs, die Welt zu erforschen und zu verstehen und keine Therapiemaßnahme. Das Kunstwerk des Kindes ist frei von jeder Wertung oder Tradition, es ist etwas Eigenes, Beziehungsloses und damit Reines. Diese Kunstwerke sind ein Spiegel unseres ursprünglichen Künstlerseins.
Bilder aus dem Damaged Good Film des britischen Künstlers Barnaby Barford.
Wenn sich ein Kind, wie dies heutzutage in der westlichen Welt oft geschieht, einem Tagesplan unterwerfen muss, wenn es Spielzeiten zugeteilt bekommt, wenn es Termine wahrnehmen muss und ihm kein Erwachsenenfreier Raum mehr angeboten wird, verliert es die Fähigkeit zum künstlerischen Spiel, es verliert seine innere Stimme und wird diese Begabung auch als Erwachsener nicht mehr erlangen.
Jeder Mensch ist ein Künstler
Jeder Mensch ist ein Künstler, wenn es ihm gelungen ist, sich seine innere Sprache zu erhalten, wenn er fähig ist, sich frei zu machen von Erwartung und Konvention, intuitiv zu handeln, sich zu verlieren, zu träumen, zu spielen, sich dem Druck zu entziehen, der jede Inspiration im Keim erstickt. Kunst ist Experiment, ist Kombination, auch wenn es nicht der Norm entspricht. Kunst ist auch Philosophie:
Kunst die Frage nach dem Was, Wie und Warum. Kunst das ist Verlassen von Grenzen, das sich Ent-Grenzen, die Fähigkeit, sich in eine eigene Welt versinken zu lassen. Kunst ist die Lust zu spielen.
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
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Welche Rolle spielt die Inspiration in unserer von Globalisierung, Rationalisierung, von Produktivität und Optimierung geprägten Welt – hat die “Beseelung” noch eine Bedeutung?
In einer Zeit, die von Globalisierung, Rationalisierung, von Produktivität und Optimierung geprägt ist, in der aber ebenso das Interesse an Kunst, Mode, Design und Architektur in die europäischen und westlich-orientierten Mittelschichten diffundiert, stellt sich natürlich die Frage: Welche Rolle spielt die Inspiration im Jahr 2010?
Hat die Lebendigmachung von Gedanken, das Einhauchen von Geist (lat. inspiratio = Beseelung), die zum ersten Mal von Cicero als Afflatus beschrieben wurde, in unserer globalisierten, ökonomisch-orientierten Welt noch eine wesentliche Bedeutung?
Ist sie in einer immer komplexer werdenden Welt nicht vielleicht sogar das wichtigste Element des Künstlers geworden – der Weg zur Inspiration ein Ausbrechen aus den gesellschaftlichen Erwartungsschemata? In der Postmoderne bleibt das völlig Neuartige aus.
Wo sind die Polyhistoren der heutigen Zeit, die mit bahnbrechenden Ideen, mit universal einsetzbaren Einfällen und Entwürfen daran gehen, die Welt zu erschüttern?
Alles, egal ob in der Literatur oder in der Architektur, ist in der heutigen Zeit eine Abwandlung oder geringfügige Weiterentwicklung des schon einmal da Gewesenen. Jeder Künstler muss sich über kurz oder lang die Frage gefallen lassen, was ihn oder sie angeregt hat. Anselm Kiefer hat sich beispielsweise von Bachmann und Celan beflügeln lassen, wenn er durch eine Celan’sche Verszeile („Mohn und Gedächtnis“) inspiriert ist, getrockneten Mohn in seine Werke einzuarbeiten. Die größte Inspirationsquelle war, ist und bleibt eben die Natur. Jeder aufmerksame Beobachter wird in der Flora und Fauna alle Farben und Formen wiedererkennen, die in der Mode, Kunst oder Architektur Ton angebend sind oder waren. Der deutsche Bildhauer und Kunstschmied Fritz Kühn bringt es in seinem Buch Sehen und Gestalten. Natur und Menschenwerk, Leipzig 1951 auf den Punkt:
„Bei aller Vergeistigung aber muss jedes Kunstwerk, und möge es noch so einfach, noch so abstrakt in der Form sein, immer seinen Ursprung in der Natur behalten“.
— Fritz Kühn
Aber warum können sich manche Menschen von einem Blatt inspirieren lassen, das von einem Baum trudelnd herunterschwebend vor ihren Füßen landet und warum suchen andere ihr Leben lang nach Inspiration, die ein metaphysisches Erlebnis auslöst? Fakt ist, dass eher das Ungewöhnliche, Nicht-Alltägliche inspirierend wirkt, dass die Freiheit des Geistes die Eingebung fördert. Menschen in Berufen, in denen sie in engen Takten nach Lösungen suchen müssen, in denen sie tagtäglich einer Flut von Informationen ausgesetzt sind, in denen sie ständig mit verschiedenen Menschen kommunizieren müssen, werden lange auf eine Inspiration warten müssen. Denn sie entsteht in der Ruhe (z.B. in der Natur), wenn der Geist nicht vom Alltäglichen belastet ist, sie kommt, wenn man es nicht erwartet und bleibt aus, wenn man sie forciert. Auslöser für Inspirationen können die Betrachtung von Kunstwerken sein, unverhoffte Begegnungen mit anderen Menschen (v.a. Musen), Reisen in ferne Länder und vor allem Träume.
Der japanische Holzschnittmeister Katsushika Hokusai greift in seinen bekanntesten Werken Naturthemen auf und variiert z.B. in seiner Serie „36 Ansichten des Berges Fuji“ ein einzelnes Motiv. Damit wiederum hat er einen erheblichen Einfluss auf den europäischen Impressionismus und inspiriert van Gogh, Gauguin, Schiele oder Klimt.
Jeder Mensch kann auf eine andere Weise inspiriert werden.
Für William Faulkner stecken in der Inspiration „neunundneunzig Prozent Whisky und ein Prozent Schweiß“. Auch Drogen gelten seit jeher vor allem in der Kunst und Literatur als Inspirationsquelle, aber nur wer ein Bewusstsein hat, kann es mit solchen Mitteln auch erweitern. Inspiration braucht Substanz. Sie ist die Fertigkeit der Verknüpfung. Die Basis dafür sind Fantasie, Intuition und die Fähigkeit, zu träumen – naturgegebene Neigungen, die im Bildungs- und Optimierungswahn verkümmern und von lösungs- und ergebnisorientiertem Denken verdrängt werden. Die Begabung, Inspirationsprozesse zu erhalten, muss wachsen. Ihr geht ein umfassender kultureller und persönlicher Bildungsprozess voraus.
Dieser persönliche Bildungsprozess ist aber eben nicht in der Spezialisierung des Menschen zu suchen, im Verbarrikadieren in fachlichen Nischen. Denn dieser durch Industrialisierung und protestantische Ethik geebnete Sonderweg untergräbt die Fähigkeit, sich inspirieren zu lassen. Die geistige Befruchtung durch unterschiedliche, nicht nur wissenschaftliche und künstlerische Disziplinen generiert eine reiche Chora, ein vieldimensionales Gebilde aus Gedanken, Erinnerungen und Eindrücken, die im Spiel mit diesen einzelnen Elementen zu neuen Ideen führen. Neben diesen fachlichen Fähigkeiten, die Verknüpfungen möglich machen, wird die Inspiration durch ein freies Denken gefüttert, ein tolerantes Bewusstsein, die Tatsache, in der Betrachtung der Dinge ein Kind geblieben zu sein, die Fähigkeit zur Ruhe sowie durch die natürliche Neugier und den Drang, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen.
Was ist aus den Idealen der Aufklärung geworden?
Die Inspiration kommt nicht zu uns – wir müssen die Inspiration bitten, uns zu begegnen. Und wenn wir genügend Geduld aufbringen, die Inspiration aus den metaphysischen Tiefen herauszulocken, dann wird sie über uns kommen wie eine Lawine: Wird sie erst einmal in Gang gesetzt, ist der Blickwinkel für die einfachen, alltäglichen Dinge und ihre Verbindung erst einmal geschaffen, wird sie eines Tages vielleicht auch ein Teil von uns. Die „göttliche Eingebung“ (Cicero) kann auch in einer säkularisierten Welt wieder in uns wieder lebendig werden, wenn wir zu uns finden, über den Tellerrand schauen, experimentieren und vor allem: uns von der Geschwindigkeit und dem Rationalisierungsdrang der Uninspirierten nicht kirre machen lassen. Ganz im ursprünglich religiösen Sinne fußt die Inspiration auf einer andächtigen Grundeinstellung. Ohne diese ideologische Verankerung bleibt jede vermeintliche Inspiration nur blasses Plagiat und führt zu einer Kreisbewegung, die einem Strudel gleich in den Abgrund geht.
Autor/-in: Inga Ganzer
Urheberrechts-/Hinweis für gewerbliche Verlage – Verwendung von Textteilen, Zitaten, oder Passsagen dieses Textes nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors/der Autorin.
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Weiterführende Literatur
- Zeit der Muße – Zeit der Musen
Bahr, Hans-Dieter (2008), Attempto-Verlag - Vom Zauber der Muße
Grün, Anselm (2009), Kreuz-Verlag - „Muße braucht Zeit“
Rosa, Hartmut (2010), (ZEIT, Ausgabe 01/10) - Von der Seelenruhe. Vom glücklichen Leben.
Seneca (2010), Anaconda-Verlag - „Pausen des Geistes. Die Wiederentdeckung der Muße“
Schnabel, Ulrich (2010), (ZEIT, Ausgabe 01/10)
Craig Mod, der Mitbegründer von Tputh und der Webtrendmap, hat vor kurzem einen großartigen (englischen) Artikel über die Zukunft des Publishing und Verlagswesens geschrieben – ein Thema das vielen, wie auch uns, am Herzen liegt. Denn: wir lieben Papier, wir lieben Tinte und wir lieben Bücher. Und wir lieben das Ritual des (Bücher-)Lesens.
Aber wir mögen auch Technik. Wir mögen CDs und wir mögen MP3s.
Und? Fällt der Groschen? Werft einen Blick auf Bücher im Zeitalter des iPad (Books in the Age of the iPad) und entscheidet selbst, wie die Zukunft des Lesens mutmasslich aussehen wird. Man kann bezweifeln, das sie viel mit dem gemeinsam haben wird, was der/dem einen oder anderen heute noch lieb ist. Wird das Buchlesen in der Zukunft ein Mythos sein?
Wir denken, dass der Kern und Sinn jeglicher
menschlichen Existenz (neben Unmengen von Geld, Gold und Häkeldecken natürlich) Liebe und Weissheit sind.
Und weil für unsere praktische Arbeit als Architekten eine handvoll theoretischer Entwürfe zur Betrachtung von Innen- und Aussenraum (wie auch zum Spiel mit Imagination und Raum) unerlässlich sind, stellen wir folgende Behauptungen auf.
Wir denken, dass:
- der Kern und Sinn jeglicher menschlichen Existenz Liebe und Weisheit sind.
- die Dinge sich nach dem Sinn richten.
- es der Einfachheit bedarf, um diesen Sinn entfalten zu können.
- der Sinn dem Nichtwahrnehmbaren entspricht.
- der Blick für das Nichtwahrnehmbare mit guter Architektur geöffnet werden kann.
- wir Wesen mit einem kulturellen Gedächtnis sind, die von alten Mythen, Ritualen und Bildern beeinflusst sind.
- wir in kausalem Bezug zu unserer Umgebung stehen.
- unsere Umgebung von einer rasanten technischen Entwicklung geprägt ist.
- eine Umgebung geschaffen werden kann, die uns die optimalen Voraussetzungen für die Entwicklung von 1.) bietet.
Neben der Tatsache, dass wir unbedingt weniger Klamottenläden bauen sollten, und um unsere Behauptungen näher zu untersuchen, starten wir hiermit die Geld, Gold und Häkeldecken-Reihe und werden ab sofort in loser Abfolge eine Sammlung von verschiedenen Meinungen und Perspektiven aus unterschiedlichen Disziplinen (wie Architektur, Kunst, Literatur, Philosophie, Religion und Soziologie) sammeln und auf GEFFKEN MIYAMOTO veröffentlichen.
Warum?!
Natürlich um unserseits mehr Geld, Gold und Häkeldecken zu horten – und um die Diskussion mit unseren Kunden anzuregen. Vor allem wollen wir aber auch (auch wenn wir es eigentlich nicht nötig hätten) die Grundlage unserer gestalterischen Ideen weiter ausbauen. Also. Kostprobe gefällig?
Freund Albert Frey meint:
Die Entwicklung der Gestalt
„Der kreative Ausdruck hat seinen Höhepunkt erreicht, wenn Form, Raum und Komposition den praktischen Anforderungen vollkommen entsprechen und sie in einem Entwurf von essentieller Harmonie interpretieren. […] Bäume, Flüsse, Blumen, Berge – alles ist ebenso zweckbestimmt wie schön“
„Aus diesem Grund verhilft man neuen Produkten häufig zu besserer Akzeptanz, indem man die alten herkömmlichen Erscheinungsformen mit den praktischen Vorteilen der neuen Entwicklung kombiniert“
„Ebenso wie der Transfer bestimmter Aspekte der modernen Technik vermieden werden sollte, wenn kein gleichartiges Problem vorliegt, ist es ein Fehler, die geronnenen Kompositionen der Natur oder der älteren Architektur nachzuahmen. Geboten wäre jedoch, sowohl die Naturformen, aus denen die Menschheit je ihre Inspiration schöpft, wie auch die Formen traditioneller Architektur, die sich über ihre praktische (primäre) Verwendbarkeit hinaus erhalten haben, zu studieren und auf Ideen und Strukturen zu befragen“.
„Auf diesem Weg entdecken wir die grundlegenden Prinzipien für die Erfindung von Form, Raum und Komposition und setzen uns in die Lage, eine lebendige Architektur zu schaffen, die uns nicht nur körperliche Bequemlichkeit, sondern auch geistiges Vergnügen verschafft.“
(Albert Frey (1939): In Search of a Living Architecture. New York.)
Daumen rauf oder Daumen runter?
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At design fair Object Rotterdam in February, Dutch designer Richard Hutten presented new additions to his “Playing with Tradition” series of oriental rugs, where the traditional patterns are stretched into stripes.
For each hand-knotted wool rug, Richard Hutten carefully selected a point from where he stretched the pattern in order to create his beautiful reinterpretation of oriental rugs, while the traditional ends of the rugs retain their decorative fringes and the new sides are cut off cleanly.
“For already many years I had the idea to do something with traditional oriental carpets. I have an antique Persian carpet at my home, which I still find the best carpets to have. The idea behind the carpet was to build a bridge between the old and the new, east meets west. From this starting point I looked at various ways to give a reinterpretation. [...]
In my previous work I also used existing forms which I than reinterpret. Than I came up with the idea to stretch the carpet a certain point. I found out it’s very important where to start the stretching. On the traditional side I kept the fringes, on the contemporary side I made a clear cut.”
—Richard Hutten
The Playing with Tradition series was exhibited by I+I of Milan during the
Object Rotterdam 2010.
Via Dezeen.
mischlichtRGB by Fabian Nehne and Martin Meier is a translation of the RGB additive color model into a lighting fixture. Martin Meier is currently working as Project Lead and Senior Designer at IDEO Münich. Fabian Nehne is Senior Designer at Deutsche Telekom.
Via MocoLoco.
“Where a person’s bottom ends is unclear. The bottom is vaguely linked to the back. The beauty of a woman’s body lies in this sense of ma projected by this vagueness
of meaning.”
—Masayuki Kurokawa
1 - Totality in details: Bi
2 - Parallel aggregation of details: Hei
3 - Mutual harmony created by the appearance of details: Ma
4 - Simplification leading to richness: Fu
5 - Splendor created through concealment: Hi
6 - The world was originally harmonious: So
7 - Flowing beauty with no resistance: Ka
8 - Destruction is creation: Ha
1. Totality in details: Bi
I believe that it is precisely the details (bi) that embrace the whole. In terms of people, the idea is that overall harmony is obtained not by people being aware of sin as determined by God, but by their possession of feelings and consideration for others in forms such as shame and obligation, in other words by the individuals who constitute the minutiae of society possessing a social nature.In terms of space, the whole world is concentrated in specific, individual places represented in accordance with where specific individuals happen to be located in terms of “here” and “there”.
On the level of time too, individual moments constituting “now” are bound up with the past and the future. In the West there is the idea that God is present in the finest details, but in Japan the idea is that it is precisely the finest details that house the whole.The details are not a part of the whole but incorporate the whole within. This is why the sukiya* — the hut in which the tea ceremony is held—is thought of as a space constituting a microcosm of the whole universe.
The sukiya projects itself radially out into the garden and further from the garden into the landscape beyond, thus eventually encompassing the whole of the world in its grasp. In society it is the individual; in a village it is the individual buildings; in space it is “here” and “there”; in the case of time it is the moment represented by “now” that embraces the totality.
Source: Wikimedia Commons
Despite the fact that the garden lies outside the sukiya, every attention is paid to its finest detail in the same manner as the space inside the room. Every corner of the garden is considered to possess the same value as the world itself.
The sukiya incorporates within its internal space every aspect of the landscape seen from where the tea master is seated and including the room interior, the garden, the outside area, the view in the distance, and out into the universe itself in the manner of a skewer extending progressively outside from within the room.
Source: Kiyonobu Yamada
The world thus expands from the room out to the outer corridor, the garden and further into the landscape beyond the grounds of the property,resulting in the gradual layered expansion of the world from a single point inside the room. The Japanese awareness of space is that the outward expansion of space conversely comes to incorporate everything, including the universe itself. A single point is thus a concentration of the whole world.
* Note: The sukiya was a type of building generally in the form of a hut used in the performance of the tea ceremony and originally devised by Sen no Rikyu in the middle of the 16 th century.
This fantastic insight into the principles of Japanese Aesthetics becomes possible through a transcript of Masayuki Kurokawa’s speech at the award ceremony of the Next Maruni Competition, held some years ago. We’re really looking forward to post the following parts here soon.
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Luca Nichetto’s new chair design for the Italian manufacturer Skitsch will be launched at next month’s Milan Furniture Fair 2010. Called ‘Alle’, it combines a tubular-steel structure with a curved plywood seat element, with a clever use of a colour gradation on the latter integrating the two.
There are two versions of the chair: one is four-legged, the other has a column base. Skitsch’s new London store on the Brompton Road, which opens at the end of March, will preview the piece before its official launch in Italy.
Via Designboom.
An inspirational “mer à boire”.
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The Muses (Ancient Greek αἱ μοῦσαι, hai moũsai [1]: perhaps from the o-grade of the Proto-Indo-European root *men- “think”[2]) in Greek mythology, poetry, and literature are the goddesses or spirits who inspire the creation of literature and the arts. They were considered the source of the knowledge, related orally for centuries in the ancient culture, that was contained in poetic lyrics and myths.
Just how many muses there were was a matter of some dispute. In Boeotia, the homeland of Hesiod, a tradition persisted[3] that the Muses had once been three in number. Diodorus Siculus, quotes Hesiod to the contrary, observing:
Writers similarly disagree also concerning the number of the Muses; for some say that they are three, and others that they are nine, but the number nine has prevailed since it rests upon the authority of the most distinguished men, such as Homer and Hesiod and others like them.[4]
Three ancient Muses were also reported in Plutarch‘s Quaestiones Conviviviales (9.I4.2-4).[5] The Roman scholar Varro relates that there are only three Muses: one who is born from the movement of water, another who makes sound by striking the air, and a third, who is embodied only in the human voice. However the Classical understanding of the muses tripled their triad, set at nine goddesses, who embody the arts and inspire creation with their graces through remembered and improvised song and stage, writing, traditional music, and dance.
In one myth, King Pierus, king of Macedon, had nine daughters he named after the nine Muses, believing that their skills were a great match to the Muses. He thus challenged the Muses to a match, resulting in his daughters, the Pierides, being turned into chattering magpies[6] for their presumption.
Sometimes they are referred to as water nymphs, associated with the springs of Helicon and with Pieris. It was said that the winged horse Pegasus touched his hooves to the ground on Helicon, causing four sacred springs to burst forth, from which the muses were born.[1] Athena later tamed the horse and presented him to the muses.
Via Wikipedia.
Money makes the world go around, no doubt. Shopping becomes more and more important and rather than going to church on Sunday, we go shopping – is shopping the last social bastion?
The following list is not from us and you might wonder why we as an architecture practice for retail, try to tell you something about the birds and the bees (or golden calfs) of shop interiors? Well. Of course we depend on the realities of the market as much as anybody else, but we are also interested in customer’s awareness – and customers who appreciate not being manipulated with cheap tricks good retail design.
“Ever wandered into a shop looking to buy a few things on your list, only to find yourself coming out with twice as much? You may not be aware, but the reason for this is not sheer chance, or that you were just feeling frivolous. The retail industry spends hard time and money into creating all sorts of devious little means to make you shop that bit extra. Every penny you spend in their shop is not being spent at their rivals, and in the high stakes of today’s competitive market, every penny counts. If we went into shops only when we needed to buy something, and if once in there we bought only what we needed, the economy would collapse, boom.”
—Paco Underhill, CEO of Envirosell
A
Aisle Order – Some customers, particularly men, tend to simply shop for what they want, walking down an aisle grabbing what they want, turning back and walking the way they came, this is called the ‘Boomerang Effect’. In order to maximise shopper and produce contact time, shops therefore place major items and brands in the middle of aisles ensuring that from any direction the customer has to walk the furthest to reach them.
B
Baby Powder – Some UK baby shops now add Baby Powder to the air conditioning to remind people of new-born’s and relax them.
Baskets – Shops will actively hand out baskets and trolleys to customers, as people then feel embarrassed taking a basket with one item to the counter, and it increases the chances of multiple purchases. You will often find baskets to the right just after the Transition Zone.
C
Canned Smell – Most Supermarkets bake their bread early in the morning, however to entice more custom some have resorted to pumping out the smell of fresh baking bread to add to the illusion that it is constantly baked through the day. Go into Niketown on Oxford Street and smell the deodorant like pong they pump into the air!
Curved Aisle Ends – A lot of supermarkets noe curve the ends of their aisles, this is to ensure your eye never strays from the goods on display.
D
Displays – Displays are now regularly put at the end of aisles so that your eyes need never be taken from the merchandise. These are places where retailers will promote certain items as the customer walking down an aisle will approach an end display head on as opposed to at right angles as with the rest of the aisle.
E
Escalators – Multi-level Department stores often use their escalators to encourage you to see more of the store. Travelling either up or down the store you will find you have to walk half way around the level in order to find your next connecting escalator, as opposed to it being the one next to you. This has not happened by accident.
F
Flooring – Types of flooring are often used to direct customers as a retailer wants around the store. Department stores make great use of the difference between carpet and linoleum to subtly steer customers around and hold them in certain places. Occasionally you will find random rugs and mats laid out in aisles of supermarkets to slow traffic.
G
Go To The Back – Supermarkets hit upon the idea of placing the essentials, such as bread and milk, at the back of the shop. This is in order to make people have to walk past the rest of the produce, and heighten the possibility of impulse buys, in order to get their necessities. Changing rooms in clothes shops are almost always situated at the rear of the shop.
H
Hopscotch – One American supermarket chain hit upon the idea of drawing a hopscotch in the aisle next to the children’s cereal in order to make the children play and thus pin Mum & Dad to a point where the children could hassle them for treats.
I
Irrational Pricing – Irrational pricing is putting the price of items at say 4.99 instead of 5. Obvious as it may seem, apparently “The reason offered for not instead rounding $4.99 to $5.00 is based on memory processing time. Rounding upward involves an additional decision compared with storing the first digits. Furthermore, due to the vast quantity of information available for consumers to process, the information on price must be stored in a very short interval. The cheapest way to do so, in memory and attention terms, is by storing the first digits.” Therefore customers perceive to be getting a better deal than they infact are.
J
Jumble Sale – Retailers use the effect of a Jumble Sale on some displays, messing them up slightly to make them look as if other customers have been rooting through them. Shoppers are instinctivly hesitant to mess up pristine displays.
K
Kitchen Fans – Several Fast Food restaurants have been known to re-direct the extractor fans from their kitchens (at the back) to the street at the front of the building. Thereby filling the surrounding area with the smell of fast food and enticing more custom.
L
Line Of Sight – Advertisers make great use of line of sight, by working out, or subliminally pushing, a customer to a particular position. The customer will then find promotional material or displays directly between them and where they wish to go, the stairs, exit, cashier etc.
M
Mirrors – Mirrors slow people down. Due to humans vain nature mirrors are regularly used on the front of shops in shopping centres and high streets to slow down the traffic and make people spend time in front of the shop. This is particularly true if they are next to Banks which speed people up.
N
Not Closing Down – There is a shop on Oxford Street in London which has been having a closing down sale for the last 6 years! Advertising last minute discounts to be made, the retailers rely upon people’s instincts to catch those bargins before the shop closes. Using our fear of missing out on a deal, they add a sense of urgency to what is in effect a selling off of cheap stock.
O
Order Of Price – Shops will often be laid out in order of price with the most expensive items being encountered at the beginning of your visit and the cheapest at the end. This is done to play on our sense of comparion, we are much more likely to spend money on accessories etc if we have just agreed to buy an expensive item, as in comparison they will seem cheaper than had we encountered them first.
P
Point Of Sale – Whilst you are waiting to pay retailers often install Point Of Sale displays, this is especially prevalent in Supermarkets who install racks of chocolate to tempt bored children waiting with their parents.
Power Display – Right inside the door at Gap & Old Navy, you will find a ‘power display’, a huge horizontal bank of clothes, designed to act as a barrier to slow shoppers down. Functioning as a speed bump this is to shorten the length of the Transition Zone and make people start shopping earlier.
Purple – Apparently the colour Light Purple is most likely to make customers feel lilke spending money!
Q
Queues – Queues are a great place for retailers to add impulse buys to your basket. Point Of Sale displays, magazine racks, chocolate and other low cost items are often put here within easy reach of bored customers to pick up. This is also a great place for advertisers to ply you with information on their products as you are a captive bored market. This is used to effect anywhere a queue may form for example by the tills, changing rooms or toilets.
R
Returns Spiking – Blockbuster realise that when movies are popular and not on the shelves some customers will go to the returns rack (from which the employees stack the shelves) in order to pick up new films before they hit the shop floor. In order to boost sales of older films, the company decided to spike the returns rack with films that had not been hired in order to make them seem more popular.
Right – Upon walking through the Transition Zone most customers will veer to the right (US research). Some think it is because the majority of people are right handed. You will therefore find a prominent display just to the right after the Transition Zone. – As most people are right handed, you will also find that merchandise a store is trying to promote will be positioned just to the right of major items to that it is within easy and natural reach.
Repetition – Working us like Pavlov’s Dogs, the cunning marketing man will use repetition to engrain ideas into our heads, or associations between products and arousal, i.e the constant use of beautiful women in car advertising. See here. Plus the use of repetetive slogans on the front doors, in aisles and then by the check out use this effect to drum ideas into our otherwise engaged brains.
S
Seats – Whilst installed to aid the shopper, benches also enable people to spend more time shopping in a store, 100% of benches will be facing the merchandise. Even within shopping centres you will find benches face shops and not the outside world, customers must remain focussed on the shopping experience.
Shuffle – Many shops have a poilicy of regularly rotating the stock, this happens especially in supermarkets where people regularly shop for the same items. The idea obviously is to confront customers with a varitey of items aside from their regulars and encourage them to explore areas of the shop they may not usually visit.
T
Tiles – Supermarkets used to have a trick placing slightly smaller tileson the floor in the more expensive aisles of the shop. When a customer entered on of these aisles their trolley would click faster making them think they were travelling faster and thereby subconsciously slow down and spend more time in that aisle.
Time – The longer customers spend in a shop the more they are likely to spend. Therefore shops work to make sure customers have to spend the maximum amount of time in their stores, placing obstacles constantly in the way of efficient shopping.
U
Upstairs – Shops will encourage you to enter the stores, and offer escalators up to the floors at the front, however in order to leave you will often find that the only route down is via stairs at the back of the store. This is to maximise shopping time. In clothing shops, men are generally sent upstairs, and then have to find their way back through the women’s floor to get to the front door, usually being placed downstairs in the lingerie dept, the one place men will impulse buy for their partners.
V
Visual Prompting – Using the lines between laminate flooring, or carpet patterns shops often try to guide you around as they wish. WH Smiths on Oxford Street in London has a giant arrow cut into the carpet with laminate floor guiding you straight to the centre of the store. Niketown also uses this idea with lines across the floor silently ushering people.
W
Windows – Department stores and Shopping Centres will not have many windows. Instead they rely upon artificial light and air conditioning. This is to remove the shopper from contact with the outside world and constraints of time (seeing it go dark outside).
X
Xylophone – Instore music is set at a tempo to relax customers and slow their sense of time. Often music is wordless in order to avoid making customers think, instead just setting the tempo of shopping.
Y
Yes – Would you like fries with that? If an employee asks if a customer would like to upgrade 47% will say yes. Staff will often be told to keep up-selling until the customer says no.
Z
Zone Of Transition – The area just through the doors of a shop, which it takes a customer to acclimatise to the shop surroundings and truly enter the shop. Merchandise, baskets and promotions in the area are lost on the customer, who has not fully transferred from outside yet.
Useful Resources & Bibliography
Well the first thing we did when looking into this whole area of retail trickery was to have a wander around our local High Streets and see what was going on. After spending a while actively looking at the shops rather than the merchandise a lot of little tricks began to spring to mind.
However there is only so much an amateur can spot, it takes the mind of a professional to give us the clues to the mind of the retail trickster:
Check out “Why We Buy” by Paco Underhill for a professional look into optimising retail design and Influence – The Psychology Of Persuasion by Robert B Cialdini for a look into how humans are persuaded into things by professionals.
More on architectural and behavioural psychology:
- Architectural Psychology Services
http://www.placeperformance.com/
- Behavioural Team for Architectural Psychology
http://www.bteam.com/arch_psych.htm - Retail Business Miracles: Science and Psychology
http://www.businessknowhow.com/marketing/miracles.htm - Retail Psychology Quiz
http://www.queendom.com/mindgames/quizdom/quiz115.html - Odd Pricing
http://marketing-bulletin.massey.ac.nz/article8/research1b.asp - Consumer Psychology
http://www.consumerpsychologist.com/
The above list of tricks and more you’ll find at Spacehijackers.co.uk.
You might also want to take a look at Adbusters.org.
Questions, complaints or ideas?
Drop us a line on Twitter.com/GEFFKENMIYAMOTO. Thanks.
American Apparel is known for sweatshops
and comfortable clothing as well as provocative
photography. Here you can see some of the questionable and most evocative pictures captured by their staff.
Via American Apparel
„come closer – verantwortliches Design im Fokus“
Ein Gesprächsforum mit Experten
18. März 2010
Brain Design – Design trifft Mind- und Hirnforschung
mit Gabriele Seynsche “Educate your mind”
22. April 2010
Plastic Planet Dokumentarfilm und Verpackungsdesign in Biokunststoffen,
in Kooperation mit dem DDC
20. Mai 2010
Urbane Mobilitätskonzepte und Designlösungen
17. Juni 2010
Reflecting Water – Design und Ökologie
SOMMERPAUSE
2. September 2010
Green Markets – die Zukunft der Ökonomie
28. Oktober 2010
Guerillamarketing – Aktivisten gestalten öffentlichen Raum
25. November 2010
Thinking Design – Design trifft Philosophie
Veranstaltungsort:
Museum für Angewandte Kunst Frankfurt, Schaumainkai 17,
60594 Frankfurt am Main
Beginn jeweils um 19:30 Uhr, Eintritt 5,00 EUR
Anmeldung unter Come closer.
Marken und Designakademie des Rat für Formgebung
Gesamtübersicht über die Frühjahrsseminare:
Designwettbewerbe
Erfolgreich planen, teilnehmen, kommunizieren
Donnerstag, 22.04.10, 10 – 16 Uhr
Der Rat für Formgebung führt zu folgenden Themen seine Seminarreihe
fort:
Das Gesicht der Marke
Entwicklung und Implementierung von CI/CD im Unternehmen
Freitag, 23.04.10, 10 – 16 Uhr
Marken im Wandel
Relevanz, Differenzierung und Effizienz in turbulenten Zeiten
Donnerstag, 06.05.10, 10 – 16 Uhr
Mehrwert Marke
Strategien und Instrumente effizienter Markenführung
Freitag, 07.05.10, 10 – 16 Uhr
Luxury and art have never been more closely linked than they are in these early years of the twenty-first century.
Virtually all the world’s major luxury houses have associated themselves with
contemporary art through sponsorships, commissions, or foundations, and these points of exchange nourish the increasingly symbiotic relationship between fashion, art, and other design disciplines.
Of all modern luxury brands, Louis Vuitton can claim to maintain the richest and most varied associations with the world of art. Included in this volume are Louis Vuitton’s important collaborations with an elite group of artists, architects, designers, and photographers, such as Jun Aoki, Shigeru Ban, Vanessa Beecroft, Olafur Eliasson, Zaha Hadid, David LaChapelle, Jean Larivière, Annie Leibovitz, Takashi Murakami, Richard Prince, Stephen Sprouse, James Turrell, Inez Van Lamsweerde, and Vinoodh Matadin. Louis Vuitton: Art, Fashion and Architecture is structured as a seductive anthology of the house’s most visible collaborations. Critical essays examine and position Louis Vuitton’s patronage—under the guidance of Artistic Director Marc Jacobs—during one of the most fertile periods of contemporary art and design.
“Couture, art, and design collide in this lavish book celebrating the luxury-goods firm’s creative collaborations with artists, photographers, and architects.”
— Elle Decor.com
Via Rizzoli New York.
Vortrag: Vom Wert der Worte
Dienstag, 26. Januar, 18 Uhr
Wilhelm Wagenfeld Haus, Bremen
Sprache beeinflusst die Innen- und Außenwirkung von Unternehmen. Unachtsamkeiten in Stil und Wortwahl sowie Widersprüche in der Kommunikation können zu Störungen, Missverständnissen und zum Verlust von Glaubwürdigkeit führen. Eine widerspruchsfreie Unternehmenssprache – die Corporate Language (CL) – ist zentral für alle Prozesse der Marken- und Unternehmensführung.
- Was kennzeichnet die Corporate Language?
- Auf was soll bei ihrem Aufbau geachtet werden?
- Was kann sie erreichen?
- Wo sind die Stolperstellen?
Wichtige Antworten lieferte Ihnen der Vortrag von Jörg Riedel, Texter und Trainer für Unternehmenskommunikation.
In Kooperation mit dem Kommunikationsverband Bremen
Via WWH-Bremen.
Denis Darzacq takes haunting pictures of free-falling figures in french hypermarkets. What does it all mean? A young man dressed in white floats limply in the wrapping paper department of a supermarket. A young woman in a brown hoodie shirt is flung
as if by a punch or by an explosion, from a supermarket flower stall. A young man in a green shirt and trainers walks on air past shelves loaded with light-shades and plastic dustbins.
© Denis Darzacq/Agence VU
None of these images has been “Photoshopped” or tampered with. They are surreal
photographs of real moments – or real 1,000ths of a moment. Young, amateur dancers and sports men and women in Rouen, in Normandy, are offering their bodies and their talent to the disturbing, witty and compelling lens of the French photographer
Denis Darzacq.
“You could say that this is a meditation on being and having,” says Darzacq. “These
photographs were taken in aggressive, garish hypermarkets, with names like Attac and King Kong. I was interested in showing bodies of young people, as if imprisoned in the aisles of consumer goods. I asked them to perform the actions that they might perform in their sporting activities or dances. At the peak of the action, I asked them to relax all their muscles at once to give the impression that they were floating or flying through the air.”
Text: John Lichfield, via The Independent – Art Features.
… täglichen Konsum von Essbarem.
Und die Gewinnung von Nährstoffen unter Ausstoß dessen, was nicht verdaut werden kann. Wenn wir Glück haben, geschieht dies Tag für Tag unmerklich …
Eating requires consuming food, getting nourishment from it and expelling what cannot be digested. Both proceed almost unthinkingly, if we are lucky, day in and day out.
Via Cloaca.be
Eine Ausstellung über Bedürfnisse, Ressourcen und Fairness
Die Bedürfnisse – was brauche ich um glücklich zu sein?
Basierend auf dem Ansatz der Entwicklung nach menschlichem Maß des chilenischen Ökonmisten Manfred Max-Neef, Träger des alternativen Nobelpreises, “Right Livelihood Award”, bietet ALL WE NEED eine Reise durch die zehn fundamentalen Bedürfnisse, die jeder Mensch teilt, an.
Die Ressourcen – wir leben als hätten wir vier Erden zur Verfügung!
Die Ressourcen die wir Europäer verbrauchen um unsere Bedürfnisse zu befriedigen, übersteigen vier mal die biologische Kapazität unserer Erde wenn wir unseren Lebensstandard auf den gesamten Planeten ausweiten würden. Wir konsummieren also die ressourcen der kommenden Generationen und weiter wegliegenden Regionen, aus denen wir Erdöl, Fleisch, Fisch und Blumen importieren, gleich mit.
Fairneß – für die zukünftigen Generationen und anderen Bewohner der Erde?
Wir leben in einer globalisierten Welt, aber wie können wir erreichen dass diese Welt auch fair ist? Was wären die ersten Schritte die ein jeder machen kann um dazu beizutragen und welche politischen Änderungen bräuchten wir dazu?
Stand Up bedeutet Partizipation.
Wir leben in einer modernen Gesellschaft in der wir handeln können. Wir haben das Recht aktiv an ihr mitzuwirken um die Gesellschaft zu formen die wir wollen. Wir können also Verantwortung übernehmen. Um Ihnen dieses Unterfangen so einfach wie möglich zu machen, haben wir Aktionskarten vorbereitet die Sie in den unteren Kategorien (via All We Need) finden. Dort werden Sie Informationen sowie Aktionen finden die Sie in Ihrem Alltag verwirklichen können, wenn Sie denn wollen. Sie entscheiden. Sie partizipieren.
Eine pädagogische Mappe
Eine internationale und interdisziplinäre Arbeitsgruppe hat eine pädagogische Mappe ausgearbeitet, die die Welt der Bedürfnisse zum Ausgangspunkt für Globales Lernen macht. Diese Mappe, die auch nach dem Ende der Ausstellung weiterhin nützlich ist, kann entweder ganz PDF Download AWN Dossier Pädagogik heruntergeladen werden oder hier in verschiedene Kapitel unterteilt eingesehen werden.
Via All We Need.